Kunst für das Gehirn: Jürgen Paas zeigt seine Ausstellung „Juke Box & Target“

Kunst für das Gehirn : Jürgen Paas zeigt seine Ausstellung „Juke Box & Target“

„Juke Box & Target“ heißt die aktuelle Ausstellung beim Kunstverein Region Heinsberg. Jürgen Paas ist mit seinen Werken zu Gast in den Galerieräumen auf dem Horster Hof in Heinsberg-Unterbruch. PVC-Bänder sind das Arbeitsmaterial, das Jürgen Paas verwendet, um seine Arbeiten zu schaffen, die laut Arbeitstitel ein wenig an eine Musikbox oder Zielscheiben erinnern könnten, wenn der Betrachter nicht lieber eigene Wege geht.

„Target / Ground“ heißt eine Arbeit mit einem Durchmesser von zwei Metern, die wie der Titel schon andeutet auf dem Boden liegt. Bunte PVC-Bänder, wie sie die Industrie etwa im Küchenbau verwendet, hat Jürgen Paas aufgerollt zu einer Spirale, die nicht jeden Betrachter sofort an eine Zielscheibe denken ließ.

Die Arbeit hätte Ähnlichkeit, so ein Besucher, mit den Darstellungen in einem Comic, die immer dann auftauchen, wenn einer eins aufs Auge bekommen hat. Also solche sich ausbreitenden Ringe, die das Entstehen eines Veilchens visualisieren. Je nach Art des Comics haben solche Darstellungen auch etwas Psychodelisches.

Gérard Goodrow, der in Köln als Kunst- und Kulturberater tätig ist, hielt bei der Vernissage die Einführungsrede zum Werk von Jürgen Paas. 25 Jahre bestehe die Künstler-Kurator-Freundschaft zwischen ihm und Paas schon, so Goodrow. Er verwies auf den Objektcharakter der Werke und zog eine Verbindung zu den Targets von Jasper Johns. Wobei die Objekte von Paas einen weit höheren Abstraktionsgrad aufwiesen als die Arbeiten von Jasper Johns, da sie keine nationalen Assoziationen etwa über die Farbgebung zuließen.

Die Zielscheibe sei, so Goodrow, eng verknüpft mit dem Akt des gezielten Sehens. Goodrow: „Es geht also um die Wahrnehmung der Form- und Farbgebung. Zielscheibe gleich Auge gleich fokussiere deinen Blick auf das Wesentliche.“ Goodrow nutzte den Begriff „retro-retinale“ Kunst, um darauf hinzuweisen, dass bei Jürgen Paas das Auge, die Retina, weniger befriedigt oder gar angeregt wird als vielmehr das Gehirn. Gèrard Goodrow: „Wir müssen als Betrachter also nicht nur sehen, sondern auch denken!“

Bei den Juke Box-Arbeiten ändert sich die Farbgebung je nachdem, aus welcher Position der Betrachter auf die Arbeit schaut. Anders als bei den Arbeiten der Reihe Target, sind bei den Juke Box-Objekten die bunten PVC-Bänder nicht aufgerollt, sondern in Streifen auf einem Brett dicht nebeneinander befestigt.

Goodrow verwies auf das Geburtsjahr von Jürgen Paas, 1958, und seinen Geburtsort, Krefeld. Damals sei Krefeld ein Zentrum für neue Tendenzen der Gegenwartskunst vor allem durch den Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums, Paul Wember, gewesen. Goodrow: „Jürgen Paas scheint also die neue Nachkriegsavantgarde quasi per Osmose in jungen Jahren einverleibt zu haben — und nun kommt alles wieder raus — übersetzt in seine ureigene und unverwechselbare künstlerische Sprache.“

Die Ausstellung „Juke Box & Target“ mit Werken von Jürgen Paas ist noch bis zum 14. Oktober im Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch, Horster Hof 1, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind sonntags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr. Es kann auch ein Besichtigungstermin unter 02452/65598 vereinbart werden. Zur Ausstellung ist auch eine Edition in einer Auflage von 25 Exemplaren erschienen.

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