Johannes Kriesche zeigt Exponate im Kunstverein

Ausstellung in Unterbruch : Johannes Kriesche macht Terror zum Thema

Mit einer hochinteressanten Vorstellung des Künstlers Johannes Kriesche und seiner Exponate aus dem Zyklus „Wenn die Vernunft die Augen schließt“ endete beim Kunstverein Region Heinsberg das Ausstellungsjahr 2018.

Im Gespräch mit der zweiten Vorsitzenden und Kuratorin Ingrid Trantenroth-Scholz ermöglichte der Künstler Einblicke in sein Werk und seine Lebensphilosophie.

„Die Bilder, die hier ausgestellt sind, sind aus einem Zyklus, zu dem der Titel dem Betrachter Aufschluss geben kann“, begann Trantenroth-Scholz ihre Einführung in die Ausstellung. Die Motive stammten aus Printmedien und den dort veröffentlichten Fotos zu Terroranschlägen. Die künstlerische Verarbeitung erfolge jedoch in holzschnittartiger Darstellung und mit außergewöhnlicher Ergänzung durch applizierte Glaskugeln, die wiederum Träger neuer Motive seien, ergänzte die Kuratorin.

Die Brutalität der erkennbaren Vorgänge sei nicht nur durch die vom Künstler reduzierten Formen zurückgenommen, sondern auch durch die Begrenzung der Farbigkeit. Die mit den Glasperlen ergänzten Motive entsprängen als Ikonografie der europäischen Mythologie wie auch christlichen Symbolen. Insbesondere in dem Bild „Unterm Kreuz“ sei die Leiter aus Glasperlen ein hinweisendes Element mit hohem symbolischen Wert und Bezug zur Kreuzabnahme des Korpus Christi.

„Das zugrunde liegende Foto zeigt die Bergung eines der verletzten Opfer beim Anschlag auf Paris (Terroristen im Bataclan)“, erläuterte Johannes Kriesche. Dieses Foto sei nicht in Deutschland, wohl jedoch in Polen auf den Titelseiten erschienen. Im Gegensatz zu den Fotos in den Berichterstattungen, die schwerpunktmäßig die Täter in den Blick genommen hätten, sei seine Wahrnehmung davon geleitet, die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen. Die Ereignisse hätten ihn tief betroffen gemacht und motiviert, mit eine Bildreihe und seiner Bildsprache Stellung zu nehmen. Mit dem Verweis auf das Bild „Vortagsrosen“ verdeutlichte Trantenroth-Scholz die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Terror-Thematik.

So sei die Berichterstattung der BBC, die über den Tod eines jungen Hochzeitspaares bei den Anschlägen berichteten, Auslöser für dieses Bild gewesen. Den Rosenstrauß für den Hochzeitstag habe der Bräutigam bei seiner Mutter hinterlegt - und das sei alles, was der Mutter geblieben sei. Mit seinem überlagernden Glasperlenmotiv – ein Einschussloch von Gewehrkugeln in eine Scheibe – solle Licht ins Dunkle gebracht werden, betonte der Künstler. Den Gewehrkugeln wolle er die Glaskugeln entgegensetzen, die je nach Lichteinfall leuchten würden. „Wenn die Vernunft die Augen schließt, dann ist alles zu Ende“, ergänzte Kriesche.

„Ich glaube, dass Künstler zu den gesellschaftlichen Ereignissen und den sie umgebenden Zeitgeschehen Stellung beziehen müssen“, hatte Kriesche zuvor im Gespräch betont. Diesem Anspruch habe er auch in seinem großformatigen Bild „empatia mancante“ entsprechen wollen. Die Umrisse eines Lastwagens, in denen sich von Fluchthelfern versteckte Emigranten befinden, werden ergänzt durch ein Huhn im Vordergrund als Symbol für die vorherige Transportlast. Für jede der 71 zu Tode gekommenen Menschen ergänzte Kriesche mit Glasperlen ein tropfenförmiges Symbol, dem Icon aus Google Maps nachempfunden, das symbolisch für die Verortung der Opfer stehe, wie Trantenroth-Scholz betonte.

Die aus zehn zum Teil großformatigen Ölgemälden bestehende Ausstellung ist noch bis zum 9. Dezember 2018 zu sehen. Zwanzig signierte und nummerierte Exemplare sind als Editionsexponate erwerbbar.