Wegberg: Jedem Gitarren-Solo folgt das nächste

Wegberg: Jedem Gitarren-Solo folgt das nächste

„Ich kann es gar nicht richtig glauben. Es ist schon wieder zwei Jahre her“, erklärte Theo Krings, als er im Wegberger Forum vor rund 400 Zuschauern das erste Konzert im Rahmen des diesjährigen, internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals ankündigte. Zu Gast waren die Band „GUT“ und der weltbekannte E-Gitarrist Robben Ford.

„Die Jungs heißen so, wie sie sind“, ebnete Krings zunächst den Weg auf die Bühne für Thorsten Praest (Gitarre) Goran Vujic (Bass) und Ulf Stricker (Schlagzeug), der seit zwei Monaten auch an der Jugendmusikschule in Heinsberg unterrichtet. In ihrem eigenen jazz-rockigen Fusion-Stil präsentierten sie nicht nur Stücke aus ihrem ersten Album „Nerd Alert“, sondern auch aus „Le Chien du Jazz“, das erst am 17. Mai erscheint.

Nicht nur ihr schneller Sound, vor allem in den Parts der Solisten begeisterte das Publikum in den ersten 45 Minuten des Abends, sondern auch ihre melodischen Stücke wie zum Beispiel „Kids“ aus dem neuen Album. Sie lobten ihr Publikum mit Applaus zum Schluss, und das Publikum tat es ihnen gleich. Sie waren gut, aber was kam, als die Bühne umgebaut und das Publikum doch sichtlich verstärkt an die Bühne herangerückt war, war tatsächlich noch besser.

Besser war dabei, um den weit mehr als einstündigen Topact mit Zugabe zusammenzufassen, nicht nur der Solist Robben Ford mit Band nebendran und im Hintergrund. Nein, es waren vier Ausnahmemusiker, die da ihr absolut Bestes gegeben hatten. Allen voran natürlich Robben Ford, der auf seiner Europatour zwischen den Großstädten Malmö in Schweden und Amsterdam in den Niederlanden mal kurz Station im kleinen Wegberg machte.

Die Fans waren da, und nicht mal die Hälfte davon kam aus dem Kreis Heinsberg, wie von Festivaldirektor Theo Krings am Rande zu erfahren war. Von Mainz bis nach Bremen waren die Ticketbestellungen eingegangen. „Wo habt ihr den Robben Ford denn her?!“ Mit diesen Worten hastete dann auch noch kurz vor Konzertbeginn ein Osnabrücker in die Halle, der erst am Morgen vom Auftritt seines Idols in Wegberg erfahren hatte.

Ford sprach sogar ein ganz klein wenig Deutsch, als er sich mit „Vielen Danke“ über den Applaus freute, mit dem das Publikum auch während der Stücke nicht geizte. Richtig zum Singen brachte er seine Gitarre im eher ruhig-melodischen „On that morning“ — das einzige Stück, zu dem er selbst nicht sang. Wer aber glaubte, sein bestes Solo gerade gehört zu haben, dachte nur ein Stück später wieder das Gleiche.

Dann, nach genau einer Stunde: Stecker raus, Gitarre vom Hals und weg von der Bühne. War‘s das? Von wegen! Die Band blieb. Ricky Peterson (Orgel) und Brian Allen (E-Stand-up-Bass) spielten nacheinander gefühlt das Solo ihres Lebens und verschwanden ebenfalls. Was dann von Lemar Carter kam, wird vielen derer, die im Forum dabei waren, sicherlich noch lange als der beste Schlagzeugmarathon im Ohr bleiben, den sie je gehört haben. Seine drei Mitmusiker kehrten ohne Pause für ihn zurück und setzten mit ihm zusammen zu einem umjubelten Schluss-Act an, der natürlich den passenden Applaus für eine Zugabe herausforderte.

Nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker waren begeistert, allen voran Drummer Carter, der es noch lange genoss, die Playlists und einen Trommelstock zu verschenken, Autogramme zu geben und sich sogar mit seinen neu gewonnenen Fans ablichten zu lassen. „Ich sollte meine Gitarre jetzt erstmal in die Ecke stellen“, resümierte Ludwig Florack, Gitarrist der Heinsberger Band „All Ages“. „Das war Wahnsinn!“

Zufrieden war schließlich auch Roman Viazovskiy, der künstlerische Leiter des Festivals. Und das nicht nur, weil er zusammen mit Robben Ford einer Künstlerfamilie angehört… nein, nicht in Bezug auf die Musikrichtung. Viazovskiy und Ford haben denselben New Yorker Saitenhersteller in den Reihen ihrer Sponsoren.