Erkelenz/Wegberg: Jecken übernehmen mit List die Macht

Erkelenz/Wegberg: Jecken übernehmen mit List die Macht

Mit reichlich List haben die Jecken erfolgreich die Rathäuser gestürmt und die Macht übernommen. Nun herrscht bis Aschermittwoch Ausnahmezustand. In Erkelenz konnten es die ausgefuchsten Möhnen kaum abwarten und stürmten kurzerhand das Rathaus zehn Minuten zu früh.

Entsprechend gering fiel die Gegenwehr bei Politik und Verwaltung aus. Schon nach wenigen Minuten ging es in Reih‘ und Glied aus dem Rathaus und auf die Bühne, wo Bürgermeister Peter Jansen in gereimter Form die Macht an die Möhnen abgeben musste. Und so reimte er geschickt „Glanz“ auf „Franz“ und später noch „Krachen“ auf „Lachen“ und versprach, Aschermittwoch wieder zur Stelle zu sein und die frisch abgetretene Macht wieder an sich zu nehmen.

Gut gelaunt und bestens verkleidet: Auch in Erkelenz regieren nun die Jecken.

Die Ratsherren und Verwaltungsfürsten drehten derweil vor der Bühne ihre Walzerrunden zu dem Möhneliedern. Mit großem Applaus wurden die Lokalmatadoren von „Hätzblatt“ auf der Bühne empfangen, wo sie gleich der Obermöhne Uschi Skibba in die Arme liefen. Während „Hätzblatt“ auf dem Markt die Karnevalsherzen höherschlagen ließen, ging es auch auf dem Johannismarkt langsam los. Dieser hat sich ja im Laufe der Jahre zum Treffpunkt der Jugend entwickelt und musste nach einigen Auswüchsen für Altweiber zur glasfreien Zone erklärt werden. Die Einhaltung des Glasverbots wurde an den Eingängen zum Johannismarkt von Mitarbeitern des Ordnungsamtes überprüft.

Die jecke Menge vor dem Sturm: Das Alte Rathaus in Erkelenz wurde kurzerhand übernommen.

Nach „Hätzblatt“ kamen noch die „Power Buam“, um den Besuchern auf dem Markt einzuheizen. Dann zog es viele Jecken in die Stadthalle, wo ausgelassen weitergefeiert wurde.

Überlistet: Wegbergs Bürgermeister Reinhold Pillich musste Prinz Leo das Rathaus überlassen.

Feiern war auch in Wegberg angesagt — nach ebenso zügiger wie listiger Machtübernahme: Der Bürgermeister konnte nämlich nicht widerstehen! Da hatte doch auf dem Rathausvorplatz in Wegberg jemand gerufen: „Pillich, dich will ich!“ Im Kommunalwahlkampf eine geniale List von Sonja Rotter, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft Flöck-Op Wegberg.

Völlig unblutig gelang so die Übernahme der Macht, nicht einmal die Androhung roher Gewalt war nötig. 2 x 11 Sekunden später öffnete sich das Eingangsportal, und aus dem unwegsamen Paragrafendschungel des Rathauses tauchte „Dschungelkönig Reinhold“ auf. Umringt von Dschungelcampkandidaten 2014 — die sich bei näherem Hinsehen als Bedienstete der Stadt entpuppten — erschien er mit Dschungelkrone, Dschungelzepter und dem großen Rathausschlüssel, den er gut gelaunt an Prinz Leo I. (Backhaus) überreichte. „Jetz häs du de janze Driet am Hals“, nahm er fröhlich bis Aschermittwoch eine Auszeit von Bildungsinfrastruktur, Eventplanungen, Vereinsförderung und Haushaltskonsolidierung.

Während der neue Machthaber sich gleich seinen ersten Pflichten stellen musste (der Prämierung der schönsten, schäbigsten und originellsten Möhn), mischte sich der Entmachtete locker unter das zahlreich erschienene närrische Volk, um Hochprozentiges und Dschungelkönig-Autogrammkarten zu verteilen.

(hewi/mb)
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