Industriegebiet Lindern: L364 gewinnt massiv an Bedeutung

Industriegebiet Lindern : Die L364 gewinnt massiv an Bedeutung

Viel Arbeit für die Verkehrsplaner im Kreis Heinsberg: Das Industriegebiet Lindern soll über die Landesstraße 364n an die Autobahn 46 angeschlossen werden. Das Projekt steht jedoch in der Kritik.

Das Industriegebiet in Lindern ist aus wirtschaftspolitischer Sicht eines der wichtigsten Projekte im Kreis Heinsberg für die kommenden Jahre. Relevant ist es jedoch auch aus Sicht der Verkehrsplaner. Denn weil aktuell alles darauf hindeutet, dass das Groß-Industriegebiet „Future Site InWest“ realisiert wird, wird auch der zeitige Bau der L364n um Hückelhoven und Hilfarth herum noch einmal wichtiger.

Was die Schiene angeht, ist Lindern bereits sehr gut erreichbar. Der Ort verfügt über einen Bahnhof an der Strecke Aachen-Mönchengladbach. Zudem soll es auf dem Gelände des Industriegebiets einen eigenen Güterbahnhof geben. Beim Anschluss an das Autobahnnetz sind indes noch größere Anstrengungen nötig. Ein Großteil des Verkehrs soll über die L364 zur Autobahnauffahrt Hückelhoven-Ost rollen. Damit es auf dieser Strecke nicht zum Verkehrskollaps kommt, sind die Ortsumgehungen Hückelhoven und Hilfarth geplant.

Sehr konkret sind die Pläne bereits für die Ortsumgehung Hückelhoven. Die Straße wäre bereits im Bau, wäre da nicht das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Aachen, in dem sich ein Landwirt gegen die Straße wendet. Das Verfahren ist wegen eines Krankheitsfalls auf unbestimmte Zeit vertagt. Wann es stattfindet, kann Dr. Frank Schafranek, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht, derzeit nicht präzisieren.

Und so lange das Verfahren nicht abgeschlossen ist, wird die Umgehungsstraße L364n auch nicht gebaut, sagt Markus Reul, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßen.NRW. Auch wenn das Gerichtsverfahren den Straßenbau möglicherweise um Jahre verzögern wird: Straßen.NRW wartet den Ausgang trotzdem ab. Gerlinde Quack, Planerin bei Straßen.NRW, sagt, dass sie nicht davon ausgehe, dass die Straße noch im Jahr 2020 weitergebaut werde. Derzeit ist lediglich ein Kreisverkehr an der Autobahnanschlussstelle Hückelhoven-Ost gebaut worden.

Dabei war Ende des Jahres 2017, als überraschend Geld für den Bau Ortsumgehung Hückelhoven zugesagt wurde, noch die Rede davon gewesen, zügig mit dem Straßenbau beginnen zu wollen. Aber dann kam das Gerichtsverfahren, das sozusagen die Handbremse anzog.

Foto: grafik

Parallel dazu gab es teils heftige Proteste gegen den Bau der Ortsumgehung Hückelhoven. Die Gegner kritisierten zum Beispiel, dass die Straße ein Waldstück zwischen Doveren und Hückelhoven durchschneidet. Außerdem befürchtete man noch mehr Durchgangsverkehr in Doveren. Die Gegner der L364n protestieren wieder am Freitag, 29. November, 19 Uhr, mit einem Lichterzug ab Bürgerhaus Doveren. Bei aller Hartnäckigkeit der Gegner muss man jedoch feststellen: Nach aktueller Lage ist die Straße beschlossene Sache.

Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle (CDU) zählt zu den Befürworter der L364n. Einerseits, weil sie für die Anwohner in Hückelhoven und Hilfarth eine deutliche Entlastung vom Durchgangsverkehr bringe. Andererseits, weil sie wegen des Industriegebiets in Lindern eine besondere Bedeutung für den Strukturwandel in der Region habe.

Für Schnelle ist besonders wichtig, dass die L364n nach dem Bau der Ortsumgehung Hückelhoven auch als Ortsumgehung Hilfarth weitergeführt wird. Gerlinde Quack sagt, dass man sich dort jedoch noch in einem frühen Planungsstadium befinde. Man warte aktuell auf die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung, wie Schnelle sagt. Dann könne das Linienbestimmungsverfahren folgen, in dem festgelegt wird, wie die Straßentrasse verlaufen soll. Wie lange es dauert, bis die Hilfarther Ortsumgehung gebaut werden kann, könne man aktuell nur schwer schätzen, sagt Schnelle. Nur so viel: „Es wird nicht Jahrzehnte dauern“, sagt er.

Und auch, wenn beide Ortsumgehungen gebaut sind, würde man nach aktuellem Planungsstand südlich von Hilfarth über die alte L364 nach Lindern fahren. Und dabei muss man durch Brachelen hindurch. Ob es dabei bleibt? Ob eine weitere Ortsumgehung Brachelen nötig wird? Das müsse das Verfahren zeigen, sagt Schnelle. Derzeit ist beim Land NRW jedoch keine Ortsumgehung für Brachelen vorgesehen.

Auch die Anbindung in Richtung Autobahn 44, über die man nach Aachen kommt, soll über eine Ortsumgehung Leiffarth/Würm verbessert werden, sagt Schnelle.

Auch bevor die Straßenbauprojekte vollends abgeschlossen sind, kann die Arbeit in Lindern schon weitergehen. Denn, so sagt es Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg, das erste Cluster könne auch schon bei aktueller Verkehrsanbindung realisiert werden. Dieses Cluster umfasst 50 Hektar, des insgesamt 240 Hektar großen Areals.