Implantat-Einkauf ist Vertrauenssache für das Krankenhaus Heinsberg

Langjährige Lieferanten : Implantat-Einkauf ist Vertrauenssache für das Heinsberger Krankenhaus

Geplatzte Brustimplantate, künstliche Bandscheiben, die sich auflösen oder nicht haltbare Hüftgelenke.  In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 14.034 Verdachtsfälle gemeldet.

Das Heinsberger Krankenhaus setzt auf bewährte, langjährige Lieferanten, um das Risiko schlechter Qualität zu verhindern.

Tauchen derartige Probleme auf,  hat das  Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte derzeit aber noch keinen Gesamtüberblick über alle vergleichbaren Fälle und damit auch keine Chance, Patienten gezielt vor Fehlern zu warnen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will daher für mehr Transparenz bei Medizinprodukten sorgen und eine industrieunabhängige Stelle aufbauen, bei der alle verbauten Implantate gemeldet werden müssen. Bis dahin sind Krankenhäuser und behandelnde Ärzte noch weitgehend auf sich gestellt. Am Beispiel des Heinsberger Krankenhauses lässt sich die momentane Situation beschreiben.

Heinz-Gerd Schröders, der Geschäftsführer der Klinik, unterscheidet mehrere Gruppen von Implantaten, die im Heinsberger Krankenhaus zum Einsatz kommen. Eine umfasst die Brustimplantate zur Wiederherstellungs- oder bloßen Schönheitschirurgie, eine weitere die Herzschrittmacher und eingesetzten Defibrilatoren, es folgen sogenannte Endoprothesen, sprich künstliche Gelenke, Implantate zur Knochenstabilisierung nach Unfällen, Netze zum Bruchverschluss, Gefäßprothesen und Stands für den Magen- und Darmtrakt.

Rund 100 Mal im Jahr würden Brustimplantate eingesetzt, sagt Schröders. Herzschrittmacher sorgen nach 50 Operationen im Jahr für einen geregelten Herzschlag. Neue Gelenke würden etwa 300 Mal im Jahr eingesetzt. Platten und Schrauben zur Knochenstabilisierung, Gefäßprothesen oder Stands fänden in einem Jahr gar mehrere tausend Mal den Weg in den menschlichen Körper.

Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses und Ellen Görtz, verantwortlich für den Einkauf der Klinik sowie Beauftragte für Medizinprodukte-Sicherheit, setzen beim Erwerb von Implantaten auf langjährig verlässliche Lieferanten. Foto: Rainer Herwartz

„Es gibt eine hundertprozentige Nachverfolgbarkeit jedes eingebrachten Implantates über Strichcode mit Artikelnummer und Chargenummer“, erklärt Ellen Görtz in diesem Zusammenhang. Sie ist verantwortlich für den Einkauf der Klinik und gleichsam Beauftragte für Medizinprodukte-Sicherheit. „Die Nummern zeigen, an welchem Tag zu welcher Zeit das Implantat hergestellt wurde. Das ist vom Gesetz so vorgeschrieben.“ Und nicht nur für das Krankenhaus von Vorteil. „Jeder Patient erhält einen Implantatausweis, der zeigt, wann welches Implantat eingesetzt wurde.“

Das Heinsberger Krankenhaus sei „erpicht darauf, dass die Herstellerfirmen deutsche Firmensitze haben und somit dem deutschen Recht unterworfen sind“, sagt Schröders. „Nach Paragraf 19 des Medizinproduktegesetzes muss jeder, der Medizinprodukte in Verkehr bringt, den Nachweis für ihre Eignung zum vorgesehenen Gebrauch erbringen. Im Regelfall erfolgt das durch den Nachweis, dass das Produkt gewisse DIN- und EN-Normen erfüllt“, meint Schröders.

Was auf den ersten Blick ein beruhigendes Gefühl verbreitet, hat dennoch einen Haken. „Wir sind natürlich darauf angewiesen, dass diese Prüfungen von den Behörden effektiv durchgeführt werden.“ Ein Unsicherheitsfaktor, der schwerlich wegzudiskutieren ist, das weiß auch Schröders. „Unsere Maßgabe ist es daher, das wir möglichst viel über das Produkt an Information erhalten. Wir kaufen unsere Implantate über die Einkaufsgemeinschaft der Kommunalen Krankenhäuser mit Sitz in Köln.“ Dadurch erfolge eine wirtschaftlich und faktisch unabhängige Bewertung, erläutert Görtz.

Seit 1992 arbeite das Städtische Krankenhaus in Heinsberg mit der Firma Esculab zusammen, einem der Weltmarktführer. „Die Chefärzte haben stets gute Erfahrungen gemacht mit der Verarbeitung, dem Handling, der Qualität und der Sicherheit der Produkte,“ sagt Schröders.

„Deshalb haben wir bislang noch keine Erfahrungen mit negativen Auswirkungen machen müssen. Wenn man mit seriösen, langfristig am Markt etablierten Lieferanten im oberen Preissegment zusammenarbeitet“, so glaubt er, „kann man relativ sicher sein, dass man beanstandungsfreie Produkte erhält.“

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