Waldfeucht: Immer wieder verschwinden blaue Schafe in der Nacht

Waldfeucht: Immer wieder verschwinden blaue Schafe in der Nacht

Zuerst, vor fast drei Jahren, da waren‘s acht. Acht blaue Schafe grasten friedlich im Wallgraben gleich neben dem Waldfeuchter Schlösschen. Dann war ein Schaf unter einem fallenden Ast geblieben, da waren‘s nur noch sieben.

Diese wurden von den echten Schafen „liebgewonnen“, wie es Renate Beumers-Rulands vom Aktionskreis formuliert. Also baute ihnen der Aktionskreis als Initiator des Kunstwerks im Skulpturenpark ein kleines Gatter, um weitere Beschädigungen zu verhindern.

Aber dann ging‘s los: Zunächst sei in der Osternacht ein Schaf verschwunden, dann eins in der Mainacht und zuletzt vor zwei Wochen wieder. Jetzt sind es nur noch vier. „Verschwunden sind sie auch vorher schon mal“, erklärt Renate Beumers-Rulands, „aber nur, weil sich wieder einmal einer einen Spaß erlaubt hatte.“ Von den Vorgärten in der Umgebung seien die kleinen, blauen Wallbewohner dann jedoch schnell immer wieder „ganz von alleine“ wohlbehalten an ihren Platz zurückgekehrt. Und mehr noch hätten sich die Waldfeuchter immer liebevoll um die Schafe gekümmert. „Im Winter hatten sie plötzlich alle Mützchen auf und Schals um den Hals“, lacht sie. Auch Schwimmflügelchen hätten sie schon einmal getragen oder Masken zu Karneval.

Eigentlich habe die Bevölkerung das von dem mit seiner „Blauschafherde“ bekannt gewordenen Künstler Rainer Bonk aus Rheinberg auch in Waldfeucht geschaffene Kunstwerk doch angenommen, so die Vertreter des Aktionskreises, die sich die Diebstähle immer weiterer Tiere so gar nicht erklären können. „Die Tiere haben keinen hohen materiellen Wert. Die sind doch nicht mit Gold behängt!“, sagt Renate Beumers-Rulands.

Tatsächlich lag der Anschaffungswert pro Tier, das aus gegossenem Kunststoff besteht, bei 120 Euro. Deshalb haben die Mitglieder des Aktionskreises den Diebstahl noch nicht polizeilich angezeigt. Mit ihrem öffentlichen Appell hoffen sie nun auch dieses Mal auf eine Rückkehr der mittlerweile drei verschwundenen Schafe. Denn immerhin sind sie Teil eines ganz friedlich gedachten Projekts. „Alle sind gleich — jeder ist wichtig“, lautet das Motto zu der „Friedensherde“, mit der Bonk durch ganz Europa zieht. Auch in Waldfeucht fesseln die leuchtend blauen Schafe den Blick des Betrachters, der erst bei genauerem Hinsehen erkennt, dass sie alle genau gleich sind: „Alle sind gleich — jeder ist wichtig. Diese Botschaft will der Künstler mit seiner Schafherde vermitteln“, heißt es auf dem kleinen Schild am Wallgraben.

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