Suchthilfesystem : Immer ein Auge auf den Patienten behalten

Suchthilfesystem : Immer ein Auge auf den Patienten behalten

Ärzte und Therapeuten würden ihre Patienten oft aus den Augen verlieren, wenn diese in eine ambulante Suchtbehandlung gehen würden. Dies müsse nicht so sein. Dies war ein Ergebnis der Fortbildungsveranstaltung „Das Suchthilfesystem im Kreis Heinsberg — ein Überblick und Handwerkszeug für Praktiker“ für die Ärzte- und Therapeutenschaft im Kreis Heinsberg im Hotel am Park in Hückelhoven.

Denn im gemeinsamen Gespräch mit den Veranstaltern, der von Caritas und Diakonie getragenen Beratungsstelle für Suchtfragen und dem sozialpsychiatrischen Dienst des Kreisgesundheitsamtes, kam man überein, sich in Zukunft über die Patienten mehr auszutauschen, verlautete von Veranstalterseite nach der Fortbildung.

„Wir wollen ihnen als Menschen, die mit der Thematik Sucht zu tun haben, zeigen, was es alles an ambulanten Suchthilfen im Kreis gibt“, erklärte Marlies Trapp, Leiter der Beratungsstelle für Suchtfragen, zu Beginn der Veranstaltung mit Blick auf Ärzte und Therapeuten. Unter der Fragestellung „Wie kommen Leute in Kontakt zu uns und damit in die Beratungsstelle?“ skizzierte sie das Einzelfallbeispiel von Herrn Müller, der seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren habe und dann die offene Sprechstunde der Beratungsstelle aufsuche.

Solch ein Vorfall mit negativen Konsequenzen für den Betroffenen sei häufig der erste Anlass, eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen. Werde in der psychosozialen Diagnostik das Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit festgestellt, gehe es zuerst um die Krankheitsannahme seitens des Abhängigen. Danach werde in weiteren Gesprächen oftmals zuerst ein Entzug beispielsweise in der Fachklinik Via Nobis in Gangelt empfohlen, sagte Trapp. Anschließend könne man eine Therapie — je nach Krankheitsbild stationär oder ambulant — machen.

Dabei verwies Marlies Trapp auf die Ambulante medizinische Rehabilitation Sucht (ARS), die aus einer wöchentlichen Gruppentherapie und mindestens aus einem Einzelgespräch alle 14 Tage bestehe. Sie erklärte, dass die Beratungsstellen den Klienten bei der Antragstellung und Klinikauswahl zur Seite stehen würden und dass die Rehabilitation in aller Regel von der Deutschen Rentenversicherung bezahlt werde. Bei Berentung springe hingegen die gesetzliche Krankenversicherung ein. Trapp informierte über die Nachsorge, die über den Erfolg entscheide. „Denn die meisten Rückfälle gibt es im ersten Jahr nach der Therapie, meistens im ersten Vierteljahr.“

Das Wort übergab sie an Wolfgang Sommer, Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes im Gesundheitsamt, der betonte, dass seit der Etablierung der ARS im Jahr 1990 im Kreis Heinsberg in dem gemeinsamen Trägerverbund ARS 744 Patienten behandelt worden seien. Um den Erfolg der Behandlung messen zu können, würden den ehemaligen Patienten Nachbefragungsbögen zugesandt, in denen wichtige Aspekte abgefragt würden. Ein Ausschnitt der sehr erfreulichen Ergebnisse wurde präsentiert. Besonders positiv neben der hohen Quote erreichter Suchtmittelabstinenz war die Tatsache, dass sich die Arbeitssituation für die behandelten Patienten positiv entwickelt hat, das heißt dass der Anteil der Berufstätigen deutlich zugenommen hat.

Zum Abschluss verwiesen Marlies Trapp und Wolfgang Sommer auf den neuen gemeinsam erstellten „Suchtfächer“, eine Übersicht und Information über die ambulante Suchthilfe im Kreis Heinsberg für Fachleute wie Hausärzte und Fachärzte für Psychiatrie, der auch als PDF-Dokument bei Interesse an weitere Fachkräfte versendet werden kann. Die teilnehmenden Ärzte und Therapeuten waren sich am Ende einig, dass die Veranstaltung sehr informativ war und einer Fortsetzung bedarf.

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