IG Kinderkrebshilfe Ophoven hat 2018 mehr Spenden gesammelt als 2017

IG Kinderkrebshilfe Ophoven : Seit 30 Jahren aktiv für kranke Kinder

Die IG Kinderkrebshilfe Ophoven hat im Jahr 2018 noch mehr Spenden gesammelt als im Jahr zuvor. Es kommen immer neue Spender hinzu. Die Arbeit der Interessengemeinschaft ist eine 30-jährige Erfolgsgeschichte, und das obwohl sie nie einen Verein gegründet hat. Mitbegründer Wiljo Caron erklärt, warum es so gut funktioniert.

Wiljo Caron mit lächelnden Jugendlichen in der Turnhalle des Berufskollegs Wirtschaft des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen, Wiljo Caron mit lächelnden Unternehmern auf dem Hof einer Straßenbau-Firma in Heinsberg, Wiljo Caron mit lächelnden Schülern in der Aula des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wegberg: Die Möglichkeit, solche Bilder oder ganz ähnliche zu knipsen, bekommen Fotografen in der Region ziemlich häufig und meist hält der Herr mit dem schlohweißen Haar einen Zettel mit Zahlen darauf in der Hand und immer strahlt er über das ganze Gesicht. Denn der 69-Jährige hat bei dieser Gelegenheit eine Spende erhalten, und er weiß schon genau, was er damit tun wird. Gutes nämlich.

Wiljo Caron gehört zu den Gründungsmitgliedern der Interessengemeinschaft (IG) Kinderkrebshilfe Ophoven, die sich zum Ziel gesetzt hat, an Krebs erkrankten Kindern aus dem Kreis Heinsberg und ihren Familien zu helfen.

Die IG beschäftigt den ehemaligen Landesbeamten der Justiz seit seiner Pensionierung fast täglich. Wenn er nicht gerade unterwegs ist, um eine Spende entgegenzunehmen, dann kümmert er sich um die Verteilung des Geldes oder um die Quittungen für die Wohltäter. Eigentlich können Interessengemeinschaften, die kein eingetragener gemeinnütziger Verein sind, keine Spendenquittungen ausstellen, aber die Gelder der IG Kinderkrebshilfe Ophoven fließen weiter auf das Konto der Kinderkrebshilfe Aachen und die ist als Verein eingetragen. Also schreiben Caron und seine Mitstreiter Listen mit den Namen der Spender und leiten sie nach Aachen weiter, damit von dort aus Spendenquittungen verfasst und versendet werden können. Das Konzept habe sich bewährt, sagt Caron.

Der Grund, warum die Ophovener nur eine IG und nicht auch einen gemeinnützigen Verein gegründet haben, ist ein ganz praktischer: „Niemand wollte damals irgendwelche Posten übernehmen“, sagt Caron. Damals, das war im Jahr 1988. Da war sein eigener Sohn Maurice sehr krank. „Wenn das gut geht“, hatte er sich geschworen, „dann helfen wir anderen.“

Unterwegs für die IG Kinderkrebshilfe Ophoven im gelben Bulli. Foto: Mirja Ibsen

Es ging gut, und weil die Hilfsbereitschaft im Dorf Ophoven so groß war, fanden sich bald viele, die mitmachten. Zum Beispiel beim Adventsmarkt in Ophoven, der immer größer wurde und bald Tausende Besucher anzog. Im Dezember 2012 war mit dem Adventsmarkt Schluss, unter anderem weil die Zahl der Mitglieder der IG drastisch geschrumpft war. Heute sind es noch sieben, die sich jede Woche treffen und da sind, wenn man sie braucht. Sie arbeiten immer noch sehr erfolgreich. Mehrere Millionen Euro konnten sie in den vergangenen 30 Jahren für krebskranke Kinder sammeln.

Wenn der Fotograf die Kamera sinken lässt, dann erzählt Caron oft, wofür das Geld verwendet wird. Für einen Jungen zum Beispiel, der bereits drei Chemotherapien hinter sich hat und für den eine weitere Chemotherapie keine Heilung verspricht. Austherapiert heißt der Fachbegriff. Aber da gibt es noch eine Therapie an einer Klinik in Köln. Die allerdings wird von der Krankenkasse noch nicht bezahlt.

Diese Therapie verfolge einen anderen Ansatz: statt die Krebszellen auszuschalten, stärke sie das Immunsystem, damit der Körper allein gegen die Zellen ankämpfen kann, erklärt Caron. Ärzte hatten der Familie die Therapie empfohlen. Sie kostet 80.000 Euro. 80.000 Euro, die die Eltern nicht haben. Ein Fall für die IG Ophoven. „Das ist unsere Arbeit“, sagt Caron, „wir wollen helfen.“ Sein Enthusiasmus klingt auch nach 30 Jahren ungebrochen. Und er bleibt dran. Einem Hückelhovener Unternehmen, dessen Spende ebenfalls in die Therapie geflossen ist, berichtet er regelmäßig vom Gesundheitszustand des Jungen. „Das ist doch selbstverständlich.“

Erst kürzlich gab es einen großen Schwung Spenden, weil der früh verstorbene Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags in seinem Testament festgehalten hat, dass er sich statt Blumen am Grab, Spenden für die IG Ophoven wünscht. Dabei sind fast 9000 Euro zusammengekommen, sagt Caron (unter anderem von Armin Laschet). Der Leumund der IG ist nach 30-jähriger Arbeit so groß, dass sie auch Geld vom Gericht erhält, das Strafgelder an gemeinnützige Institutionen weitergibt.

Was und wie viel Geld sich auf dem Konto der IG befindet, wissen die aktiven Mitglieder, sagt Wiljo Caron. „Zu jeder Zeit kann man in unsere Bücher sehen.“ Ende Februar soll auch die aktuelle Spendenstatistik auf ihrer Homepage www.kinderkrebshilfe-ophoven.de zu finden sein. „2018 war ein gutes Jahr, noch besser als das vorletzte Jahr. Wir haben viele neue Spender.“ Er hat den Eindruck, dass die Menschen lieber vor Ort spenden als das Geld zur Deutschen Kinderkrebshilfe nach Bonn zu schicken. „Dann können sie sicher sein, dass ,unseren’ Kindern, also den Kindern aus der Region, die meist am Aachener Klinikum behandelt werden, das Geld zugute kommt.“ Zum Beispiel durch  „Wünsch dir was“. Eine Aktion, die kranken Kindern ungewöhnliche Herzenswünsche erfüllt. „Die organisieren und wir zahlen.“ Ganz einfach sei das, erklärt Caron.

Der Ophovener macht die Kasse nicht allein, sondern teilt sich die Arbeit mit zwei weiteren Mitgliedern. „Es ist ein sensibles Geschäft, wenn man mit dem Geld anderer Leute umgeht. Da ist man noch gewissenhafter als mit dem eigenen Geld.“

„Wir machen das alles ehrenamtlich“, betont er. Da werde auch keine Spritrechnung ausgestellt für Fahrten zu Spendenübergaben nach Palenberg oder Aachen oder Sylt. „Der Lohn ist das Lächeln der Kinder.“ Er hat diesen Satz wohl schon tausendmal benutzt. Deshalb lächelt er dieses Lächeln, das auch seine Augenwinkel erreicht. Das heißt nicht, dass er es nicht ernst meint.

Auf die Nordseeinsel fährt Caron seit 15 Jahren regelmäßig, um Spenden für die Syltklinik zu übergeben. Das Reha-Zentrum in Wennigstedt-Braderup kümmert sich nicht nur um die kranken Kinder, sondern auch um die Familien und vor allem die Geschwisterkinder. Wie wichtig das ist, hat Caron am eigenen Leib erlebt. Die Geschwisterkinder leiden oft sehr unter der besonderen Situation in der Familie. Seine Tochter habe ihm damals Geld angeboten, damit er eine Stunde lang mit ihr spiele, erzählt er. Sie wollte sogar selbst krank sein, um auch ein Stück Aufmerksamkeit abzubekommen. Das war die Zeit, als seine Frau acht Monate am Stück im Klinikum gewohnt hat.

„Wir kennen die Ängste der Eltern“, sagt Caron, „wir können mitreden und mitfühlen.“ Und deshalb freut er sich auch so, wenn die Kamera klickt. Er weiß, dass die IG Kinderkrebshilfe Ophoven dann wieder ein wenig helfen kann.

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