Honig-Ernte im Kreis Heinsberg

Honig-Ernte : Ein wenig Regen hätte den Ertrag verdoppelt

Die Imker im Kreis Heinsberg liegen bei der Honig-Ernte unter dem Bundesdurchschnitt. Rund 15 Kilo waren meist das letzte Ergebnis. Wäre der Sommer nicht so trocken gewesen, wäre die doppelte Menge realistisch gewesen, erklärt der Imkerverband.

Eigentlich ist es ja ein wenig paradox, wenn die Ernte des süßen Honigs in der bitteren Erkenntnis mündet, dass der heiße Sommer den Imkern die kalte Schulter gezeigt hat. Die lange Trockenheit hat bei den Honig-Bauern  laut „proplanta“, Informationszentrum für die Landwirtschaft, für ein durchwachsenes Jahr gesorgt. Während aufgrund des ungewöhnlich warmen Frühjahrs die erste Ernte besonders gut ausgefallen sei, seien die Ergebnisse der Sommerernte regional sehr unterschiedlich. Bei den Hobby-Imkern sieht die Lage nicht anders aus, wie Josef Louis, der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes Heinsberg, auf Nachfrage bestätigt. Von Mai bis Juli wären durchaus 30 bis 40 Kilo pro Bienenstock als Ertrag denkbar gewesen, erklärt sein Sohn Ron. „Wir hätten ein super Jahr haben können, hätte es ein paar mal geregnet.“ Doch daraus wurde leider nichts.

Letztlich schlug die Sommerernte für die 262 Miglieder des Verbandes mit seinen zehn Ortsvereinen mit durchschnittlich etwa 15 Kilo pro Stock zu Buche. Viele Pflanzen blühten wegen des warmen Wetters bereits deutlich früher als üblich und standen den Bienen nun nicht mehr zur Verfügung. „Raps hat zum Beispiel statt sechs Wochen nur zwei geblüht“, sagt Ron Louis. Ähnlich schlecht habe es bei den Obstbäumen ausgesehen.

Bundesweit sei bei der zweiten großen Tracht des Jahres im Schnitt mit 16 bis 17 Kilogramm Honig pro Volk in etwa so viel zusammengekommen wie im Vorjahr, hatte der Bienenexperte Christoph Otten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

In den rund 20 Bienenstöcken herrscht aufgrund der warmen Temperaturen noch immer munteres Treiben. Foto: Rainer Herwartz

Im Kreis Heinsberg wurde diese Marke nicht erreicht. Überhaupt, so zeigt Josef Louis in einer ausgedruckten Liste, fiel der Ertrag je nach Region recht unterschiedlich aus. In Hamburg wurden zum Beispiel 20,3 Kilo Honig erzielt, in Bremen 19,8 Kilo und in Sachsen sogar 22,1 Kilo. „Da hat es überall im Sommer mal geregnet“, sagt Josef Louis.

Im Frühjahr war die Honigernte - die sogenannte Frühtracht - bundesweit vergleichsweise gut ausgefallen, denn nun blühten auf einmal viele Pflanzen, deren Pollen normalerweise zu dieser Jahreszeit durch die fleißigen Bienen nicht gesammelt werden können. Rund 21 Kilogramm Honig ernteten die Imker damals laut „proplanta“ pro Volk. Im Jahr davor hatten die Erträge noch zwischen 16 und 19 Kilogramm gelegen. In der Regel ernten Imker zweimal im Jahr ihren Honig. Die erste Honigernte beginnt meist in der zweiten Maihälfte, die zweite dann Mitte Juli.

Schon früh Bewegung im Stock

Je nach Wetterlage kommt schon recht früh Bewegung in den Stock. „Ende Februar, Anfang März beginnen erste Reinigungsflüge, bei denen dann der Darm entleert wird“, sagt Ron Louis. Tageslänge, Sonneneinstrahlung und Temperatur seien entscheidend, ergänzt Vater Josef. So etwa 11 Grad sei eine gute Temperatur für den Start in die neue Saison.

Auf den ersten Blick hat sich für den Laien in der Betreuung der Bienenstöcke durch den Imker nichts geändert, in Wahrheit hat aber auch hier längst die Digitalisierung Einzug gehalten. Von Außen kaum erkennbare Stockwaagen und Messfühler übermitteln dem Imker, wenn er möchte, auch auf dem heimischen Sofa ständig alle Daten, die er über Bienenvolk und Stock benötigt. Aus dem sich verändernden Gewicht des Stocks lässt sich zum Beispiel der Ertrag bestimmen. Ferner werden auch Brutraum-Temperatur, Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmenge ermittelt. Ein Sommer wie der diesjährige bedeute für die Bienen reinen Stress, sagt Josef Louis, „weil sie weiter fliegen müssen, um genügend Nahrung zu finden. Wir haben zudem ein großes arbeitsloses Heer, das arbeiten möchte“.

Die Tiere seien dann wesentlich unruhiger und aggressiver. Das kann den 55-Jährigen aber nicht schrecken. War es doch ein Bienenstich, der vor 35 Jahren sein Interesse an der Imkerei überhaupt erst geweckt hat. „Ein Arbeitskollege hatte sich ein Bienenvolk angeschafft. Ich bin hingefahren und gleich gestochen worden. Da hab ich mir gesagt, es kann doch nicht sein, dass diese Tiere böse sind und angefangen, mich damit zu beschäftigen.“

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