Heinsberg: Hommage an Kurt Weill und Lotte Lenya

Heinsberg : Hommage an Kurt Weill und Lotte Lenya

Es war ein wunderbares Konzert der Volkshochschule (VHS) und noch so viel mehr: In ihrem neuen Projekt über den aus Deutschland stammenden amerikanischen Komponisten Kurt Weill und seine Frau Lotte Lenya, Schauspielerin und Sängerin, ließ die Dremmener Sängerin Natalie Diart ihre Zuhörer im Heinsberger Rondell ganz intensiv am Leben der beiden Künstler teilhaben, und zwar bis ins kleinste Detail.

„Wir sind stolz auf diese neue Premiere von Natalie Diart“, erklärte VHS-Fachbereichsleiter Ingo Rümke in seiner Begrüßung, bei der er auch der Jugendmusikschule Heinsberg für ihre Kooperation dankte. Kurt Weill, der zu seinen Lieblingskomponisten zähle, werde nämlich total unterschätzt, betonte er. Bekannt sei oft nur seine Dreigroschenoper, mehr aber nicht.

Das sollte sich für das Heinsberger Publikum schnell ändern, denn Natalie Diart hatte zusammen mit dem Pianisten und Kurt-Weill-Kenner Stefan Krüger aus Köln nicht nur ein anspruchsvolles musikalisches Programm zusammengestellt.

Parallel dazu lasen Dr. Dieter Heitzer und die Musikwissenschaftlerin Monika Hermans-Krüger aus dem Briefwechsel zwischen Kurt Weill und Lotte Lenya vor. Dabei wurde nicht nur ihre äußerst wechselvolle Beziehung deutlich, sondern auch, dass sie mit vielen berühmten Künstlern ihrer Zeit auf ihrer Lebensreise von Berlin über Paris zum Broadway in New York beruflich und privat in Kontakt standen.

Natalie Diart hatte dazu alle erhaltenen Dokumente gesichtet. 375 Briefe, 18 Postkarten und 17 Telegramme sind erhalten, davon 296 von Kurt Weill an Lotte Lenya und 114 von Lotte Lenya an Kurt Weill. „Diese Ungleichheit liegt zum Teil daran, dass sich fast alle Korrespondenzakten Weills unter den Manuskripten, Noten, Büchern, Tage- und Notizbüchern befanden, die er, als er 1933 Hals über Kopf aus Berlin fliehen musste, dort zurückgelassen — und nie wiedergefunden — hat“, erklärte Monika Hermans-Krüger in ihrer Moderation.

Den konzertanten Teil begannen Stefan Krüger und Natalie Diart mit dem Lied „Berlin im Licht“, das Kurt Weill anlässlich der gleichnamigen Festbeleuchtung für die Berliner Festwochen 1928 geschrieben hatte. Es folgte das von Berthold Brecht getextete Lied der Jenny aus der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ mit dem Titel „Denn wie man sich bettet, so liegt man“ (1930) und die Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens aus der Dreigroschenoper, ebenso getextet von Brecht (1928). Danach „Nanna‘s Lied“. Den Brecht-Text von 1939 vertonte Weill als Weihnachtsgeschenk für seine Frau Lotte Lenya. Er stammte aus Brechts Theaterstück „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“.

Brechts Gedicht „Und was bekam des Soldaten Weib?“ vertonte Weill 1942 bereits im amerikanischen Exil, und Natalie Diart präsentierte das Lied nicht nur stimmlich, sondern auch theatralisch eindrucksvoll im Stil seiner Zeit ihrem Heinsberger Publikum. Aus Weills Pariser Exil stammte „Complainte de la Seine“ (1934) und „Youkali“ aus der Oper „Marie Galante“ (1935).

Ebenfalls in Vergessenheit geraten sei das Lied „Le Roi d‘Aquitaine“ aus derselben Oper. „Sehr zu Unrecht“, so der Pianist, „wenn man den skurrilen Text und die zauberhaft französisch anmutende Musette-Melodie Weills betrachtet.“

Nach der Pause ging es weiter mit Musicalstücken aus der Zeit Weills in den USA, mit „My Ship“ aus „Lady in the Dark“ (1941), „Green-up Time“ aus „Love Life (1948), „Speak Low“ aus „One Touch of Venus“ (1943) und „It Never Was You“ aus „Knickerbocker Holiday (1938). Aus dem Musiktheaterstück „Street Scene“ (1947) hatte Natalie Diart das Lied „Moon-Faced, Starry-Eyed“ ausgewählt, aus dem Musical „The Firebrand of Florence“ (1945) den Song „Sing Me Not a Ballad“. Zu Ende ging die eindrucksvolle Komposition von Lebensgeschichte in Briefauszügen, moderierten Klavierbeiträgen sowie ebenso professioneller wie eindrucksvoller Gesangsdarbietung mit „One Life to Live“ noch einmal aus „Lady in the Dark“.

Die Premiere des Projekts wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

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