Historischer Verein Waldfeucht zeigt Postkarten in der Gerhard-Tholen-Stube

Historischer Verein : Postkarten, erzählen Geschichten aus vergangener Zeit

Gleich in zweifacher Hinsicht interessant ist die kleine, aber feine Ausstellung, die der Historische Verein Waldfeucht derzeit in der Gerhard-Tholen-Stube zeigt.

Mehr als 100 Postkarten mit Motiven aus Waldfeucht und aus den heute zur Gemeinde Waldfeucht gehörenden Orten haben die Vereinsmitglieder inzwischen zusammengetragen. In der kleinen Schau konnte Manfred Rulands den ersten Besuchern nicht nur etwas zu den abgebildeten Motiven erzählen, sondern auch zur Geschichte der Postkarte selbst. So erfuhren sie zum Beispiel, warum auf den ganz alten Postkarten immer die bebilderte Seite der Karte beschrieben ist.

„Bis zum 1. Februar 1905 war die zweite Seite der Karte immer allein dem Adressfeld vorbehalten“, erklärte der Schatzmeister und Archivar des Vereins den Gästen im Museum. Dann habe sich die Aufteilung geändert, so wie sie heute noch üblich sei. Auf der einen Seite befinde sich in der Mitte geteilt das Text- und Adressfeld, auf der anderen Seite die Bebilderung.

Bis zum Ersten Weltkrieg habe die Postkarte ihre Hochphase erlebt. Unzählige Karten seien an die Front und von dort wieder zurück nach Hause geschickt worden, erzählte Rulands. Durch die Zunahme an Telefonanschlüssen habe sie in der Folge mehr und mehr als Kommunikationsmittel ausgedient, sei vielfach nur noch als Ansichtskarte aus dem Urlaub oder als Werbemittel von Unternehmen genutzt worden, in der nationalsozialistischen Zeit auch als Propagandamittel. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten Postkarten zudem in zerstörten Städten, in denen keine Bauzeichnungen mehr existiert hätten, bei der Rekonstruktion zerstörter Bauwerke geholfen.

Ein seltenes Motiv in der Sammlung: die Brabanter Straße von oben gesehen. Foto: Anna Petra Thomas

Auch die Postkarten in der Ausstellung zeigen vielfach Waldfeuchter Bauwerke, die zum Teil nicht mehr existieren. „Viele haben wir geschenkt bekommen“, freut sich Rulands. Aber auch auf einer Internet-Plattform habe man noch einige historische Karten erwerben können. Das Alter sei leider vielfach nicht mehr zu ermitteln, weil die Briefmarke abgelöst worden sei. So ist die nachweislich älteste Postkarte der Sammlung die mit einem „Gruss aus Haaren an der Klause“, abgestempelt am 15. Dezember 1898.

Warum sich auf Postkarten mit alten Waldfeuchter Ansichten vielfach auch ein Motiv des Klosters Koningsbosch in den benachbarten Niederlanden befindet, konnte Rulands ebenfalls erklären. „Hier befand sich eine Haushaltsschule, die postalisch zu Waldfeucht gehörte“, sagte er. So erklärt sich auch die Karte der Schülerin, die eine Karte aus Waldfeucht nach Bielefeld geschrieben hat und darin ihre Mutter grüßt.

Schließlich erfuhren die Betrachter aber auch so einiges aus der Waldfeuchter Geschichte. So zeigte eine Karte etwa die Kirche mit dem ganz flachen Dach auf dem Turm nach dem Krieg, eine andere die Bockwindmühle oder wieder eine andere die am 16. Juni 1929 geweihten Glocken für die Kirche in Bocket.

Noch einmal präsentiert der Historische Verein Waldfeucht seine Ausstellung in der Gerhard-Tholen-Stube, Brabanter Straße 32, am Sonntag, 18. November, von 14 bis 17 Uhr.