Heinsberger Schweinetag: Schweineproduzenten kritisieren Politik

Schweinetag und Forum : Heiße Themen beim Schweinetag in Heinsberg

Rudolf Hilgers blickt nicht gerne zurück auf das vergangene Jahr. Denn nicht nur für ihn als Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion für den Kreis Heinsberg, sondern auch für das Gros der Schweineproduzenten im Kreis sei das Jahr 2018 ein „Katastrophenjahr“ gewesen.

„Und wir sind alle froh, dieses Jahr 2018 überstanden zu haben“, fand er gestern bei dem von der Tierzuchtzentrale Heinsberg veranstalteten Heinsberger Schweinetag im Haus Sodekamp-Dohmen in Hückelhoven-Hilfarth an der Rurbrücke klare Worte.

„Katastrophal niedrige“ Schweineerlöse in Kombination mit extrem hohen Futterkosten aufgrund der dürrebedingten niedrigen Erntemengen hätten den Schweineproduzenten zugesetzt. „Insbesondere die Ferkelerzeuger haben das finanziell vermutlich schlechteste Ergebnis in den vergangenen 20 Jahren erzielt“, sagte Hilgers. Grundsätzlich seien für Schweinehalter stark schwankende Erlöse nicht ungewöhnlich – in diesem Ausmaß und in Kombination mit dem extrem trockenen Sommer seien sie jedoch einen Katastrophe, betonte Hilgers.

Die Hitze des Sommers habe aber nicht nur zu schlechte Ernten bedingt, sondern die Schweine in den Ställen auch leiden lassen. „Trotz ausgefeilter Lüftungstechnik waren die hohen Temperaturen Stress pur für die Tiere“, schilderte Hilgers. Infolgedessen seien Leistungseinbußen abzusehen. Weil die Veranstalter des Schweinetags stets einen Fokus auf die Lösung aktueller Probleme legen, hatten sie als einen von sechs Referenten Ute Panther von der Agrargenossenschaft Elbeland verpflichtet. Bei ihrem Vortrag „Kühlung im Schweinestall – ein Beitrag zur Tiergesundheit“ gab sie den Landwirten Tipps und Infos für den nächsten heißen Sommer mit auf den Weg.

Die Hitze im Schweinestall war jedoch nicht das einzige heiße Thema und brennende Problemfeld, mit dem sich die Produzenten auseinandersetzen müssten, stellte der Vorsitzende fest.

Zurzeit kämen aus der Politik auf Schweinehalter und alle mit der Produktion Beschäftigten immer wieder neue Anforderungen zu: dabei ginge es um das Tierwohl im Allgemeinen, momentan um die Ferkelkastration im Speziellen. Denn Ferkel sollten bereits zu Beginn dieses Jahres – zur Freude von Tierschützern – nicht mehr von den Landwirten ohne eine Betäubung kastriert werden. Die Lösung, die der Politik vorschwebt: Ein Veterinär, der zum Hof kommt und dort  die Tiere kastriert.

Doch dafür seien Kosten zu hoch, zudem gebe es nicht genügend Tierärzte für die vielen konventionellen Betriebe, monieren die Landwirte. Viele Schweineproduzenten fürchten nun den Untergang ihres Berufes. „Die drohende Änderung der bestehenden Regelung hätte sicherlich zur Aufgabe großer Teile der deutschen Ferkelerzeuger zu Gunsten dänischer Kollegen geführt“, sagte Hilgers. Denn in Dänemark sind Landwirte nach Protesten dazu übergegangen , ihre Ferkel selbst lokal betäuben, bevor sie sie kastrieren – ohne einen Veterinär heranziehen zu müssen.

Dass die deutschen Landwirte nach einer Demonstration im vergangenen Herbst eine zweijährige Fristverlängerung erzielen konnte, begrüßte Hilgers. „Wir arbeiten mit Hochdruck an sinnvollen Weiterentwicklungen von Tierschutz und Tierwohl“, sagte er. Allerdings, so fand er deutliche Worte, wehrten sich die Produzenten gegen „ideologisch getriebene Vorgaben ohne Sachverstand“ und formulierte in Richtung Politik: „Maximale Anforderungen mit festem Umsetzungsdatum zu versehen – ohne praktikable, sinnvolle Lösungen zu haben, das scheint sich immer mehr zu politischen Aktionismus auszuweiten in diesem Land“.

Im Kreis Heinsberg wurden im vergangenen Jahr 41.498 Schweine in 145 Betrieben gehalten. Im Vorjahr waren es mit 42.883 Tieren zwar ähnlich viele, allerdings gab es damals mit 160 Betrieben noch 15 Betriebe mehr im Kreis Heinsberg. Dass der Trend zu großen Betrieben geht, bestätigte in seinem Vortrag auch der ehemalige EU-Agrarkommissar Dr. Franz Fischler.

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