Heinsberg: Heinsberger Gitarrenfestival mit Meisterkonzert

Heinsberg: Heinsberger Gitarrenfestival mit Meisterkonzert

„Wir freuen uns auf fünf Tage tolle Musik.“ Theo Krings, Direktor des internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals, sprach beim Auftakt der Wettbewerbswoche nicht nur von seiner Freude. Man sah ihm auf der Bühne der Heinsberger Stadthalle auch an, wie sehr er dem Beginn des ersten Meisterkonzerts entgegengefiebert hatte.

Roman Viazovskiy, künstlerischer Leiter des Festivals, stand ihm da in Nichts nach. Zwei Jahre, seit Ende des Festivals 2011, habe er sich darauf gefreut, die Kernwoche des diesjährigen Festivals in Heinsberg wieder eröffnen zu können, erklärte er und tat‘s nicht nur gemeinsam mit Viazovskiy, sondern auch mit Bürgermeister Wolfgang Dieder. „Viele von Ihnen haben sicherlich den Fahnenschmuck in der Stadt schon bemerkt“, sprach dieser zunächst vor allem die Wettbewerbsteilnehmer im Publikum an und hieß sie herzlich willkommen zu dem „Großereignis in unserer Stadt“.

Zähle man Künstler und Jurymitglieder hinzu, seien es immerhin Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen, die in dieser Woche in Heinsberg zu Gast seien. „Die Weltelite ist hier in Heinsberg. Das glauben wir nicht nur. Das wissen wir“, betonte Dieder. Nicht zuletzt die Schirmherrschaft von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sei ein Beleg für die Bedeutung der Veranstaltung, auch wenn sie persönlich nicht anwesend sein könne.

Herzlich begrüßen konnte er jedoch zusammen mit Krings, der seine Worte für die internationalen Gäste ins Englische übersetzte, Guido Wevers. Er ist künstlerischer Leiter des Projekts für die Bewerbung Maastrichts und der Euregio Maas-Rhein als Kulturhauptstadt 2018. Dieders Dank ging an die Künstler der vier Konzertabende, an die Mitglieder der Jury, an die Sponsoren und nicht zuletzt an die Gastfamilien für die Wettbewerbsteilnehmer.

„Mit ein paar dieser Jungs habe ich vor 15 Jahren noch in Wettbewerben gespielt“, blickte Viazovskiy in die Reihen der Juroren, die zum Teil von weit her, aus Japan und aus Thailand, nach Heinsberg gekommen sind. „Ich bin mir sicher, das wird eine tolle Woche.“

Dass beide nicht zu viel versprochen hatten, zeigte gleich der erste Abend. Als Solistin bestritt die Kanadierin Dale Kavanagh den ersten Teil des Konzerts. Dass ihr eine makellose Technik nicht nur von der Fachwelt bescheinigt wird, bewies sie dem Publikum live, mit Stücken von Michael Praetorius, Heitor Villa-Lobs und Joaquín Rodrigo, aber auch mit eigenen Kompositionen. Für die erste, genannt „Briny Ocean“, habe ihr das Volkslied „Farewell to Nova Scotia“ als Basis gedient, erklärte sie dem Publikum. Exakt gezupfte, einzelne Saiten und mächtige Akkorde standen dabei in ganz leisen und auch lauten Tönen für die ganze Bandbreite ihres Könnens. Mit ihren „Four Pieces“ beschloss sie ihren Beitrag, nicht ohne Zugabe. Gelungen leitete sie dabei mit brasilianischen Rhythmen über zum Duo Bandini und Chiacchiaretta.

Was auf einer Bühne passiert, wenn sich zwei der renommiertesten Kammermusiker Italiens zusammentun und ihre südeuropäische Leidenschaft auf die Welt des argentinischen Tangos trifft, werden die Besucher des ersten Konzertabends wohl so schnell nicht mehr vergessen. Neben Agustin Bardí, Angel Villoldo und Máximo Diego Pujol hatten die ihren Beitrag vor allem dem argentinischen Bandoneon-Spieler und Komponisten Astor Piazzolla gewidmet. Was beim „Ave Maria“ noch getragen daher kam, nahm dann mit „Zita“ sogleich an Klangfahrt auf. Mit zwei der berühmtesten Piazzolla-Tangos, mit „Oblivion“ und „Libertango“ setzten die beiden den Glanzpunkt ihres Vortrags.

„Gespräche“ zwischen Bandoneon und Gitarre auf der einen und völlig synchrones Zusammenspiel beider Instrumente auf der anderen Seite prägten die ganz eigene Interpretation von Piazzolla und begeisterten das Publikum vollends. Nach drei Zugaben schmerzten die Hände bei Musikern und Publikum, von dem sich Giampaolo Bandini mit einem Kuss verabschiedete. Nicht nur er war angetan vom Ambiente in der mit rund 250 Zuhörern gut besetzten Halle. „Das ist eine sehr gute Atmosphäre hier“, befand auch der Kroate Dejan Ivanovic, Jurymitglied und einer der konzertierenden Musiker der Woche.

Am Freitag geht‘s um 20 Uhr weiter mit dem deutschen Duo Dirks und Wirtz sowie mit dem Franzosen Roland Dyens. Schon um 19 Uhr beginnt dann am Samstag das Finale des Wettbewerbs. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

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