Heinsberg: Sprung ins kühle Nass kann tödlich sein

Gefahr beim Baden : Sprung ins kühle Nass kann tödlich sein

Chefarzt und Internist Dr. Jürgen Minartz kennt die Gefahren, die an besonders heißen Tagen beim Baden lauern. Er beschreibt gegenüber unserer Zeitung, was im schlimmsten Fall geschehen kann, wenn man das kalte Wasser dann unterschätzt.

„Kühl Dich erst ab, bevor Du ins Wasser springst, Kind!“ Wohl jeder hat den warnenden Satz von Mutter oder Vater schon einmal in seiner Jugend gehört. Erst ein paar Wochen ist es her, dass der überraschende Tod der beliebten Schauspielerin Lisa Martinek alle Medien beherrschte.

An einem heißen Sommertag war die 47-Jährige im Italienurlaub von einem Boot, auf dem 45 Grad Hitze geherrscht haben sollen, ins Meer gesprungen und hatte einen Herzinfarkt erlitten. Gerade in diesen Tagen mit Temperaturen deutlich jenseits der 30-Grad-Marke strömen auch die Menschen in unserer Region wieder in die Strand- und Freibäder, um sich abzukühlen. Und viele werden sich gleich mit einem beherzten Sprung ins kühle Nass begeben. Doch wie gefährlich ist dies wirklich? Dr. Jürgen Minartz, Chefarzt und Internist am Städtischen Krankenhaus Heinsberg, erklärt, wann es in der Tat Probleme geben könnte.

„Das Thema ist komplexer, als man auf den ersten Eindruck denkt“, sagt Minartz. „Wenn man keine Vorerkrankung am Herzen hat, ist es eher unwahrscheinlich, dass man einen Herzinfarkt erleidet, wenn man erhitzt in kaltes Wasser springt. Beim Herzinfarkt kommt es meistens zu einem Einriss der Cholesterinablagerung im Blutgefäß, das das Herz mit Blut versorgt, den sogenannten Herzkranzgefäßen.

Dr. Jürgen Minartz weiß um die Gefahren, die eine schnelle Abkühlung für den Organismus bergen können. Foto: Rainer Herwartz

Dabei entsteht eine Verletzung im Gefäß. Die Blutplättchen versuchen nun, diese zu reparieren, dies jedoch manchmal überschießend, so dass sich das Gefäß innerhalb weniger Sekunden verschließt.“ Im Wasser würde ein Mensch wohl ertrinken. Fatal sei allerdings, dass eine Herzvorerkrankung oftmals nicht zu erkennen und selbst vom Patienten nicht wahrzunehmen ist. Selbst bei einer Katheteruntersuchung, die keine relevanten Auffälligkeiten zeigt, sondern vielleicht nur Wandunregelmäßigkeiten, lässt sich der eventuell nahende Herzinfarkt nicht vorhersagen.“

Die alte Weisheit, sich vor dem Sprung ins kalte Wasser erst langsam abzukühlen, beziehe sich aber eigentlich auf den klassischen Badetod, der nichts mit dem Ertrinken zu tun habe, erläutert Minartz. Im Wesentlichen würden drei Fälle unterschieden. Einer sei der Stimmritzenkrampf, der durch den Kältereiz ausgelöst werde und zum Ersticken führe. Die zweite Variante bezeichnet Minartz als den Reflextod.

Dabei springe jemand zum Beispiel nach üppigem Essen mit einem Bauplatscher ins Wasser, wobei es zu einer Reizung des Solarplexus komme, was sich wiederum auf den Vagusnerv übertrage und diesen zu einer überschießenden Reaktion verleite. „Gleiches kann auch durch einen Kältereiz im Gesicht erfolgen, bei dem der Trigeminus auf den Vagusnerv wirkt. In allen drei Fällen hat der Verstorbene kein Wasser in der Lunge. Er ist also nicht ertrunken.“

Diese tödlichen Reflexe würden übrigens bei erhöhtem Alkoholkonsum schneller ausgelöst, sagt Minartz. Zu viel Party am Strand kann da durchaus verheerende Folgen haben.

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