Heinsberg: Mit dem Pop-up-Kissen zu "Jugend forscht"

„Jugend forscht“ : Mit dem Pop-up-Kissen zum Wettbewerb

Carmen und Carolin Kwasniok vom Kreisgymnasium stellen ihr Projekt, ein Kissen, das sich von selbst entfaltet, am Dienstag bei „Jugend forscht“ vor. Es sind noch weitere Schüler aus dem Kreis Heinsberg dabei.

Die Idee zu ihrem Projekt hatten Carolin und Carmen Kwasniok bei einer Klassenfahrt. Einerseits waren die Kissen dort zu unbequem. Anderseits nehmen die Kissen von zu Hause auf Reisen viel zu viel Platz weg. Also entwickelten die Zwillinge ein Pop-up-Kissen, das sich selber entfaltet. Ähnlich wie eine sich selbst ausklappende Strandmuschel, die die beiden Schülerinnen des Kreisgymnasiums Heinsberg aus dem Urlaub kennen.

Nach monatelanger Tüftelei und mehreren Prototypen nehmen sie am Dienstag mit ihrem Kissen am Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ in Krefeld teil. In dieser Woche haben sie schon einmal einen Probedurchlauf gemacht: Sie erklärten ihren Mitschülern in der Pause ihr Projekt. Sie zeigten ihnen, wie sich ihr Kissen vom einen Prototypen zum nächsten entwickelt hat. Warum sie die Fiberglasstangen zunächst nutzten, dann rausließen und sie später doch wieder einsetzten, um die Konstruktion aus dem biegsamen Kunststoffschlauch zu stabilisieren. Das Schwierigste sei dabei gewesen, die Nähte im Stoff aus luftdichtem Oxford-Gewebe richtig abzudichten, sagt Carmen Kwasniok.

Am Dienstag treffen sie mit ihrer Idee auf eine Jury und rund 300 weitere teilnehmende Jungforscher, die sich ebenfalls über einen längeren Zeitraum mit Forschungsfragen beschäftigt haben. Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums der Stadt Hückelhoven haben sich in diesem Jahr zum Beispiel mit synthetischen Farbstoffen in Getränken und mit Fruchtsäuren beschäftigt.

Eine Schülerin vom Cornelius-Burgh-Gymnasium hat Butter und Margarine hinsichtlich ihrer Qualität verglichen und bemerkenswerte Unterschiede herausgearbeitet. Dabei hat sie sogar selbst Butter und Margarine hergestellt und durch Extraktion Sonnenblumenöl gewonnen. Einen rückenschonenden Alltagsrollstuhl, der Schlaglöcher und Unebenheiten durch eine Federung kompensiert, bringen eine Schülerin und ein Schüler vom Cusanus-Gymnasium Erkelenz mit.

Das Kreisgymnasium nimmt nun im dritten Jahr an dem Wettbewerb teil. Die Schüler haben sich einmal pro Woche in einer Arbeitsgemeinschaft getroffen und nachmittags nach der Schule immer wieder an ihren Projekten getüftelt. Das sind wichtige Aspekte: Die Schüler lernen selbstständig mit ihren Fragestellungen umzugehen, sie tasten sich an wissenschaftliches Arbeiten heran und sie bekommen Unterstützung von drei Lehrern der Fachrichtungen Mathematik, Biologie und Chemie, sagt Lehrerin Maike Harff.

Lutz Staas, zwölf Jahre, hat zum Beispiel Magnetfeldlinien sichtbar gemacht. Er füllte kleine Eisenteile in Gläser stellte sie über einen Magneten und hielt das, was passierte in Gelatine fest. Er arbeitete immer wieder daran, herauszufinden, wie er vermeiden kann, dass das Eisen rostet. Also setzte er Zinkgranalien und Natron in der Gelatine ein. Und die Ergebnisse wurden von Mal zu Mal besser.

So macht man Magnetfeldlinien sichtbar: Lutz Staas vom Kreisgymnasium will sein Ergebnis in Krefeld vorstellen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Auch mit einem Magneten experimentiert haben Ida Reh, elf Jahre, und Constantin Beckers, zwölf Jahre. Sie widmeten sich der Frage, wie man einen Rucksack schnell, komfortabel und fest am Fahrrad anbringen kann. Die beiden nähten Eisenplatten in einen Rucksack ein, sie bauten sich einen Elektromagneten und befestigten ihn am Gepäckträger ihres Fahrrads. Ist der Elektromagnet eingeschaltet, hält er den Rucksack sicher am Rad. Und schnell geht das auch noch: „Unser Rekord liegt bei sechs Sekunden“, sagt Constantin Beckers.

Carolin und Carmen Kwasniok sind von den Vorteilen ihres Kissens jedenfalls schon einmal überzeugt. „Es ist leichter und kleiner als normale Kissen“, sagt Carolin Kwasniok. Reisetauglich sei es auch, weil man keine Hilfsmittel brauche, um es zu entfalten. Und weil sich in dem Kissen keine Milben einnisten können, sei es auch noch gesundheitsschonend und für Allergiker geeignet. Eine ganze Nacht haben die Zwillingsschwestern aber noch nicht auf ihrem Kissen geschlafen. Dafür wissen sie schon, wie man es noch weiterentwickeln könnte: „Wir könnten vielleicht noch einen leichteren oder dünneren Stoff nehmen“, sagt Carmen Kwasniok. Und wenn die Nähte stärker wären, könnte man sich auch draufsetzen.