Heimatverein Schafhausen reist bei Plattdeutschabend zurück in eine andere Zeit

Plattdeutsch : Eine Reise zurück in eine andere Zeit

Sie sind beliebt, die Treffen zur Pflege der plattdeutschen Sprache. Mit einer Besonderheit weiß der Heimatverein Schafhausen jährlich aufzuwarten. Die Texte sind passend zum Thema rund um die Kartoffel- und Apfelernte ausgewählt.

Neben der Pflege des örtlichen Dialektes gab es diesmal Reibekuchen mit Apfelkompott und „Siepnaatsbotteram“ (Apfelkraut auf Brot). Rund 70 Interessenten erlebten einen unterhaltsamen wie genussreichen Abend in der Mehrzweckhalle in Schafhausen.

Hans-Josef Heuter, Geschäftsführer des Vereins, moderierte ein umfangreiches Programm mit erzählten, teils selbsterlebten Geschichten aus der Kindheit und Jugendzeit. Und die reicht mehr als sechs Jahrzehnte bei den meisten Anwesenden zurück. Es ist wie eine Reise zurück in eine andere Zeit, der Ausdruck verliehen wird auch durch das Plattdeutsch, der Sprache, die für die überwiegende Anzahl der Teilnehmer auch gelebte Heimat darstellt.

Einige von ihnen sind richtige Experten, wie Magda Hausmann, und nehmen als Gastvortragende an den jeweiligen Veranstaltungen der Heimatvereine im Kreis teil. Ihre Kenntnisse lassen sie sogar unterscheiden, ob ein Vortrag auf „Ophoaver Platt“, „Püescheler Platt“, „Kämper Platt“, „Ongerbrooker Platt“ oder „Schoppeser Platt“ erfolgte.

In den meisten Vorträgen wurde ein Schlaglicht auf die Verhältnisse und Lebensweisen in früheren Zeiten geworfen. Besonderen Eindruck hinterließen sie, wenn Gefühle beschrieben wurden. So wurde Mutters Schürze zur Heimat und Ort des Glücks für das Kind. „Min jeschte Heemet woar Moddere Schuet, vöel Jlöck woar min, on wenneg Nuet.“

Mit Karl-Heinz Körner, Hans-Josef Heuter und Gerda Spätgens traten erstmalig Mitglieder aus den eigenen Reihen als Vortragende auf. Als Gäste wussten Diakon Peter Derichs aus Kempen, Annelie von den Driesch aus Dremmen und Magda Hausmann aus Karken das Publikum bestens zu unterhalten. Spontane Beiträge aus dem Publikum ergänzten den Kanon der meist heiteren und manchmal auch melancholischen Vorträge.

Die Freude am heimatlichen Dialekt und dem Plattdeutschen wurde auch an diesem Abend mit einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen belegt. Der Verein werde das Angebot an Plattdeutschabenden fortsetzen, betonte Heuter.

Heuter konnte zum Schluss mit einem weiteren Highlight aufwarten: „Aus den uns überlassenen Archivmaterialien des verstorbenen Journalisten Willi Frenken erfuhren wir von einer Landwehrfahne vom Landwehrverein Schafhausen, der 1903 gegründet worden war.“ Man habe aus Frenkens Unterlagen erfahren, dass die Fahne ab dem Jahr 1944 verschollen war, weil ein englischer Soldat sie mitgenommen habe. Im Jahr 1975 habe dieser die Fahne über sein Konsulat zurückgegeben und sie sei seit diesem Zeitpunkt im Besitz des Begas Hauses. Mit einem Dauerleihvertrag zwischen dem Heimatverein Schafhausen und dem Begas Haus sei die Fahne in die Obhut des Vereines genommen worden. Ein Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland habe einen Restaurationsbedarf ergeben. Bei den Fachleuten der Domschatzkammer in Aachen würde ein Angebot eingeholt, um die Fahne restaurieren zu lassen. Über den weiteren Verlauf des Projektes werde der Verein berichten, ergänzte Heuter.

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