Gangelt-Birgden: Heimat-Historiker veröffentlicht sein achtes Buch

Gangelt-Birgden : Heimat-Historiker veröffentlicht sein achtes Buch

In der alten Birgdener Schule, die er einst selbst besuchte, hat der Heimat-Historiker Karl Beumers jetzt sein inzwischen achtes Buch vorgestellt. „Birgdener Betkreuz und Geschichten“, lautet sein Titel.

„Op dr Birde“ sei er 1948 geboren, und obwohl er zusammen mit seiner Frau Maria vor über 45 Jahren schon in Kichhoven ein Zuhause gefunden habe, sei Birgden nach wie vor seine Heimat, betonte Beumers in seiner Begrüßung. „Bis zum heutigen Tag bin ich stolz, dass ich ein Nachkomme der Viehewegs bin“, erinnerte er auch an den Beinamen, den seine wie viele andere Familien auch hatte und den viele auch heute in der plattdeutschen Sprache noch pflegen. „Diese Familiengeschichte schrieb ich auf, und das war der Beginn meines Schreibens“, so Beumers.

Wie in seinem Buch erinnerte der Autor auch im Rahmen der Präsentation an den Jahrestag der angeblichen Erscheinung am Birgdener Betkreuz vor 220 Jahren am 15. April 1798. Sieben Kinder sollen damals am Tag ihrer ersten heiligen Kommunion am Himmel eine Prozession von Heiligen gesehen haben.

Sogar die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm soll ihnen erschienen sein und sie angelächelt haben. Sein Urgroßvater Johann Josef Jansen, genannt Fluracks Jüep, soll die Seherkinder noch gekannt haben, berichtete Beumers weiter. Das Gedicht, das er dazu im 19. Jahrhundert verfasst hatte, trug seine Frau Maria vor.

Sie stellte dann auch die mehr als 40 Beiträge zum Buch vor. Ihr Inhalt befasst sich nicht allein mit dem Betkreuz, sondern auch mit ganz unterschiedlichen Familiengeschichten. Eine davon stammt sogar von Bürgermeister Bernhard Tholen, der aus Meppen im Kreis Emsland stammt und seit 1997 hauptamtlicher Bürgermeister in Gangelt ist.

Das erste Grußwort sprach sein Vorgänger Heinrich Aretz. Er habe sich immer für das Betkreuz eingesetzt und dafür gesorgt, dass es bis heute erhalten geblieben sei, lobte Beumers sein Engagement. In früheren Zeiten habe das Betkreuz bei Festen im Ort noch stärker im Mittelpunkt gestanden als die Pfarrkirche, wusste Aretz zu berichten. In Kriegszeiten hätten die Gläubigen Splitter von Kreuzbalken abgeschnitten und sie zur Front an die Soldaten geschickt.

Es sei schade, dass die Gläubigen aus dem Betkreuz nicht mehr gemacht hätten. Dann wäre Birgden heute ein Wallfahrtsort vergleichbar dem in Kevelaer. „Aber Birgden ist für uns beide ein zweites Kevelaer“, schloss er, an Beumers gewandt. Als stellvertretender Bürgermeister lobte Stefan Palloks das Engagement von Beumers, der einen Zugang zur Geschichte ermögliche, indem er sie aufarbeite. „Kreuze müssen zu gesellschaftlichen Stoppschildern werden, um innezuhalten, um an die Vorfahren und an die Geschichte zu denken“, betonte Pfarrer Andreas Krieg. „Es ist wichtig, dass wir uns mahnen lassen und Augenzeugen hören.“

Zwei von ihnen kamen dann auch zu Wort in einem Gespräch mit der Heinsberger Journalistin Anna Petra Thomas. Hugo Pils war unter anderem Augenzeuge des Flugzeugabsturzes in Waldenrath und des Angriffs auf die Selfkantbahn. Regina Mertens berichtete von ihrer Flucht aus Ostpreußen. Das Publikum war sehr ergriffen ob der schonungslosen Offenheit, mit der beide die schrecklichen Ereignisse schilderten, in die sie involviert waren.

Musikalisch engagierte sich in der abwechslungsreichen Veranstaltung Christoph Esser. Er sang, sich selbst mit der Gitarre begleitend, Heimatlieder und hatte als Überraschung für Karl Beumers sogar das Gedicht seines Urgroßvaters als Lied vertont. Ein Dank von Karl Beumers ging abschließend noch einmal an Regina Mertens, die das Titelbild des neuen Buches gezeichnet hatte, und an Willi Wagels für die künstlerische Gestaltung der Rückseite des Buches.

Erhältlich ist das neue, 220 Seiten starke Werk im Format DIN A4 in den Buchhandlungen Gollenstede in Heinsberg, Mesche in Birgden sowie beim Autor selbst.

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