Hawa Diallo informiert am Gymnasium Hückelhoven über die Lage in Mali

Infos am Gymnasium : Land zwischen Gewalt und Korruption

Sicher, man hat davon gehört: Im afrikanischen Staat Mali läuft nicht alles so, wie es laufen sollte. Deshalb hat die Bundesregierung militärische Hilfe dahin geschickt. Schwierig sei dieser Auslandseinsatz für die Soldaten, die da in die Wüste geschickt werden – auch das hat man irgendwie irgendwo gehört.

Aber warum, weshalb und wozu deutsche Soldaten vom Rhein an den Niger geschickt werden? Hawa Diallo ist an das Gymnasium nach Hückelhoven gekommen, um Schülern der zehnten Klassen Einblicke in das tägliche Leben in ihrem Heimatland Mali zu geben.

Die junge Frau arbeitet dort für Amnesty International und leistet, wie das heißt, „Menschenrechtsarbeit“. Denn die Menschenrechte werden in ihrem Land täglich mit Füßen getreten – nicht nur von den in den Norden von Mali eingefallenen Kämpfern des so genannten Islamischen Staates, sondern auch von der im Westen an den Senegal, Guinea, die Elfenbeinküste und Burkina Faso grenzenden in der Hauptstadt Bamako residierenden Regierung.

„Die Schüler hatten sich natürlich vorher im Unterricht auf den Besuch vorbereitet und konnten so Hawa Diallo in den 70 Minuten der Unterrichtsstunde ganz gezielt Fragen stellen“, sagt Jonas Leffler, der am Gymnasium Hückelhoven Erdkunde unterrichtet. Zusammen mit Geschichtslehrer Wolfgang Roth hat er den Besuch der Mitarbeiterin von Amnesty International an der Schule möglich gemacht. „Hawa Diallo hat am Jugendtreffen von Amnesty Deutschland in Kassel teilgenommen und in Nürnberg und Augsburg deutsche Gruppen getroffen, um sich mit ihnen über die Situation in ihrem Heimatland auszutauschen“, so Roth.

Der Besuch der jungen Frau aus Mali in Deutschland sei eine einmalige Chance gewesen, sie nach Hückelhoven einzuladen, „zumal sie anschließend weiter nach Düsseldorf fuhr, um auch dort über die Situation in Sachen Menschenrechte in Mali zu referieren“, sagt Wolfgang Roth, der auch als Übersetzer des französisch sprechenden Gastes aus Mali fungierte. Es seien Schüler aus anderen Klassen „freiwillig in die Unterrichtsstunde mit Hawa Diallo gekommen“, sagt Jonas Leffler.

Und die haben dann von der Frau aus Mali unter anderem erfahren, dass in ihrem Heimatland rund 500 Schulen von den Islamisten zerstört worden sind; dass fast täglich Busse mit Schülern gekidnappt werden, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen in ihrem Heimatland Alltag sind; dass Korruption das politische System beherrscht; dass die Menschen kaum Arbeit finden und dass deshalb die Perspektivlosigkeit immer mehr um sich greift. „Frau Diallo hat sehr differenziert auch über den Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden, der in Mali herrscht, berichtet“, sagt Wolfgang Roth. Zum Beispiel über das von der Regierung verabschiedete Gesetz, das den Dschihadisten Straffreiheit zusichert, wenn sie ihre Waffen abgeben.

„Der Besuch von Hawa Diallo war für den Unterricht an unserer Schule sehr wertvoll“, so das Fazit von Schulleiter Arnold Krekelberg. Er sagte das auf deutsch, aber seine Gestik war so eindeutig, dass Hawa Diallo dies auch ohne Übersetzung verstand und dankbar lächelte.

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