Hallenbad Haaren: Kritik an der Schließung im Sommer

Kritiker zum Hallenbad Haaren: Als sperre man den Fußballern alle Sportplätze

Wenn das Hallenbad in Haaren demnächst in den Sommermonaten geschlossen bleiben sollte, bereitet das den Triathleten Probleme. Die DLRG ist hingegen zufrieden mit der geplanten Lösung.

Die viermonatige Schließung sei besser, als komplett auf das Bad verzichten zu müssen.

Bevor sich die Waldfeuchter Gemeindepolitik am Dienstagabend erstmals mit Plänen für eine Kooperation des Haarener Hallenbades mit dem Gangelter Freibad befasst, kommt Kritik an dem Vorschlag der Gemeinde auf. Sie bezieht sich vor allem darauf, das Hallenbad von Anfang Mai bis Ende August zu schließen. Das Konzept der Verwaltung sieht ebenso einen Personalaustausch der beiden Gemeinden und eine gemeinsame Jahreskarte für beide Bäder vor. Dadurch soll sich das Defizit des Hallenbades, das zuletzt bei 450.000 Euro lag, um 80.000 Euro reduzieren.

Die Waldfeuchter Triathleten stehen damit im Sommer vor einem Problem. Denn sie trainieren aktuell das ganze Jahr über im Hallenbad. Außerdem fehlt es ihnen beim Vorgehen der Gemeinde Waldfeucht an Transparenz: „Wir von Triathlon Waldfeucht erfuhren von den geänderten Öffnungs- oder besser Schließungszeiten ab 2019 erst durch unsere Anfrage für den ‚Swim+Run‘ im kommenden Frühjahr“, teilte Vorsitzender Jens Rademacher auf Anfrage mit. Einzelheiten zur Kooperation habe der Vorstand dann aus der Zeitung erfahren. „Von der Gemeindeverwaltung erfolgte bisher keine offizielle Information. Auch vorab, im Rahmen der Entscheidungsfindung, gab es keine Gespräche, wie die jetzigen Trainingszeiten in der Zeit von Mai bis September aufgefangen werden sollen“, so Rademacher.

Im Triathlon müssten die Sportler die Haupttrainingsumfänge im Sommer absolvieren. Die Vereinsführung stehe deshalb vor der „Mammutaufgabe“ für mehr als 100 Sportler Ersatz für vier wöchentliche Schwimmeinheiten zu finden. Zudem müssten mehr als 50 Kinder und Jugendliche zu einem anderen Trainingsort befördert werden. „Für uns ist die Badschließung vergleichbar mit der Sperrung aller Sportplätze für einen Fußballverein – in unserer Region doch unvorstellbar. Enttäuscht über mangelnde Transparenz sind wir nun wohl auf die Kooperationsbereitschaft anderer Bäder angewiesen“, so Rademacher.

Kritik kommt auch aus einer Rehasportgruppe, die regelmäßig im Hallenbad aktiv ist. Für Sophia Tillmanns sind die Pläne, im Sommer zu schließen, „der Anfang vom Ende des Bades“. Die verschiedenen Nutzergruppen, Tillmanns nennt beispielhaft die Lebenshilfe, Rehasportler und ältere Menschen, „werden sich gegebenenfalls andere Möglichkeiten suchen und kaum nach vier Monaten wieder nach Haaren zurückkommen“, so Tillmanns, die eine Liste mit knapp 200 Unterschriften an die Fraktionsvorsitzenden im Rat geschickt habe.

Tillmanns findet, dass man erst einmal versuchen sollte, mehr Einnahmen zu erzielen, bevor man das Bad zeitweise schließt: „Ich meine, dass noch nicht alle Möglichkeiten, das Defizit zu verringern, ausgeschöpft sind.“ Ihrer Meinung nach wären höhere Eintrittspreise möglicherweise attraktiver als Fahrten zu anderen Bädern. Ungünstig findet Tillmanns die Kooperation mit einem Freibad: Das Klientel unterscheide sich doch stark von dem eines Hallenbads. „Neben den Wassergymnastikgruppen kommen viele Senioren und Menschen mit Handicap ins Bad. Die werden nicht bei kühlem Wetter – oder wenn die Sonne ‚knallt‘ – ins Freibad gehen“, so Tillmanns.

Manfred Schmitz, Vorsitzender der DLRG Waldfeucht, findet es hingegen positiv, dass es mit dem vorliegenden Konzept eine Möglichkeit gibt, das Hallenbad dauerhaft zu erhalten. Sollte das Konzept, so wie es vorliegt, beschlossen werden, dann müsse man sich um eine Lösung für die Sommermonate bemühen. Das sei immer noch besser, als ganz ohne Bad dazustehen. „Dann wären wir nämlich richtig aufgeschmissen“, sagte Schmitz. Zur DLRG kämen immer montags 80 bis 100 Schwimmer – vom Anfänger bis zum Senioren. Wobei drei Viertel der Teilnehmer Kinder und Jugendliche seien.

Da die DLRG in den Sommerferien ohnehin eine Pause einlege, wäre sie von einer Schließung in den Sommermonaten weniger hart getroffen als andere Nutzergruppen. Und da es am Ende ums Geld geht, müsse man eben mit den Vorgaben der Gemeinde leben.

Attraktiv ist die Bäderkooperation für die Gemeinde Gangelt: Kämmerer Gerd Dahlmanns geht davon aus, dass das Personal des Haarener Hallenbades in den Sommermonaten wertvoll für das Gangelter Freibad werden könnte. Bei zwei festen Mitarbeitern und einem Springer reißen Krankheiten und Urlaube große Löcher in die Personalplanung. In diesem Sinne schaffe die Kooperation der beiden Nachbargemeinden größere Flexibilität beim Personal.

„Damit sind wir für Krankheits- und Vertretungsfälle besser aufgestellt“, sagte Dahlmanns. Am Mittwoch berät der Gangelter Haupt- und Finanzausschuss über das Thema.

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