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Initiative „Kempen hilft...“: Große Unterstützung auch mit kleinen Aktionen

Initiative „Kempen hilft...“ : Große Unterstützung auch mit kleinen Aktionen

Was im Jahr 2009 als einmalige, individuelle Hilfe gedacht war, hat im kleinen Ort Kempen zu einer nachhaltigen Initiative geführt, die inzwischen schon auf mehr als zehn Jahre aktives Engagement innerhalb und zum Teil auch außerhalb der Dorfgemeinschaft zurückblicken kann. „Kempen hilft…“ ist immer da, wenn unbürokratisch und schnell Unterstützung vonnöten ist.

„Das, was sich im kleinen Örtchen Kempen in den letzten Wochen abgespielt hat, ist zweifellos nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern auch ein Beleg für den Zusammenhalt in einer dörflichen Gemeinschaft, von dem die Menschen in einer anonymen Großstadt wohl nur träumen können. Ein wunderbares Beispiel schneller, uneigennütziger Hilfe in der Not.“ So stand es am Donnerstag, 13. August 2009, in dieser Zeitung zu lesen.

Was war geschehen? Es war im Frühsommer 2009, als an einem frühen Abend zwei Dorfbewohnerinnen bei Anna Petra Thomas klingelten. Sie schilderten ihr die Not einer Familie, die in einer großen Krise steckte: das Haus komplett im Umbau und die zehnjährige Tochter mit einem aufgrund einer Krebserkrankung amputierten Bein im Aachener Klinikum, ihr Kinderzimmer auf der ersten Etage eines Altbaus über eine enge Treppe für sie quasi überhaupt nicht mehr erreichbar. Hier war Hilfe gefragt.

Nachdem die beiden Frauen auf Anraten von Anna Petra Thomas die Eltern zunächst gefragt hatten, ob sie Hilfe annehmen würden, war der Weg frei für eine einzigartige Aktion im Dorf Kempen. Anna Petra Thomas besichtigte mit den Eltern das Haus, suchte ein Zimmer aus, welches das von der kleinen Tochter sehnlichst gewünschte Kinderzimmer im Erdgeschoss werden sollte, und legte los. Sie schrieb einen Bauplan für dieses Zimmer, suchte ehrenamtliche Helfer und Sponsoren. Sie organisierte sämtliches Material und erhielt dafür viele Spenden, private, von ortsansässigen Unternehmen, aber vor allem von den Kempener Vereinen. In nur sechs Wochen schafften es so viele fleißige Hände, für Tabea ein Kinderzimmer zu schaffen, wie es ihren Wünschen entsprach. Alt und Jung halfen mit, sogar Kinder im gleichen Alter, die Tapete in ihren Wunschfarben Kiwi und Grün aussuchten. Die Initiative einer ganzen Dorfgemeinschaft unter dem Motto „Kempen hilft…“ war geboren.

Überglücklich war vor allem das Mädchen, als es aus der Klinik entlassen werden und in sein Zimmer einziehen konnte. Kurz danach kam dann auch noch die Fernsehsendung „Zuhause im Glück“, die von der einzigartigen Initiative erfahren hatte, und brachte die restlichen Umbauarbeiten im Haus zu Ende. Leider hat es die junge Kempenerin nicht geschafft, den Krebs zu besiegen, aber ihr letzter Wunsch konnte ihr erfüllt werden. Sie wurde nach ihrem Tod noch einmal in ihr Zimmer gebracht, das die Kempener Dorfgemeinschaft für sie geschaffen hatte.

Dieses spontane und erfolgreiche Engagement sollte nicht das einzige der Initiative bleiben, die heute von Anna Petra Thomas und Norbert Wolters geleitet wird. Gleich im Januar 2010 folgte die zweite große Aktion von „Kempen hilft…“, als die Initiative Kooperationspartner der Deutschen Knochenmarkspenderdatei wurde bei einer Typisierungsaktion für einen an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Kempener. 657 neue potenzielle Stammzellspender kamen, dazu sammelte „Kempen hilft…“ Geldspenden in Höhe von fast 24.000 Euro für die DKMS.

Aber nicht nur im großen Stil, auch mit kleinen Aktionen half die Initiative, etwa durch die Spende von 500 Papiertüten für die Weihnachtsaktion der christlichen Kirchen für die Häftlinge in der benachbarten JVA, für die bisher nur Plastiktüten mit Werbung zur Verfügung gestanden hatten, oder durch die Aufstellung von Grabstein und Kreuz für eine Kempenerin, deren Sohn diese Kosten nicht stemmen konnte. Und immer wieder wurde die Initiative mit größeren und kleinen Spenden aus Veranstaltungen bedacht, die sie für ihre Hilfsaktionen einsetzen konnte.

Im Rahmen des regionalen Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahr 2011, bei dem es für Kempen eine Silbermedaille gab, wurden die Initiative „Kempen hilft…“ und der Internetauftritt „rurkempen.de“ mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Auch eine zugewanderte Familie wurde von „Kempen hilft…“ schon unterstützt. Sie wohnte etwas außerhalb, und so stellte die Initiative ihr Fahrräder zur Verfügung, mit der sie die nächstgelegene Bushaltestelle im Dorfkern erreichen konnte.

2018 gelang es der Initiative in kürzester Zeit, einen fünfstelligen Betrag zu sammeln für den Rücktransport eines jungen Kempeners, der im Urlaub verunglückt war. Auch hier kam viel Unterstützung aus Vereinen, vor allem von der Feuerwehr, in der er Mitglied ist.

Im vergangenen Jahr dann erfuhr „Kempen hilft…“ von dem großen Wunsch einer in Kempen arbeitenden, an ALS erkrankten Frau. Sie wünschte sich ein Fahrzeug, in dem sie auch im Rollstuhl sitzend mitfahren könnte. Und nur wenige Wochen, nachdem dieser Hilferuf die Initiative erreicht hatte, konnte „Kempen hilft…“ dank des Erlöses einer großen Veranstaltung ihrer Kempener Arbeitgeber und der Spenden vieler Vereine und Besucher des Festes der Frau ein umgebautes Fahrzeug mit Rampe im Wert von 13.300 Euro zur Verfügung stellen.

„Kempen hilft…“ ist einfach da, wenn im Dorf Hilfe gebraucht wird. Anna Petra Thomas, Norbert Wolters und viele weitere fleißige Hände mehr organisieren auf kurzen, unbürokratischen Wegen im Team Hilfe da, wo sie dringend nötig ist, in großen und in kleinen Aktionen. Nächster Schritt soll nun die Gründung von „Kempen hilft…“ als Verein sein.