Heinsberg-Aphoven: Große Inszenierung im kleinen „Teatro di Francesco“ in Aphoven

Heinsberg-Aphoven : Große Inszenierung im kleinen „Teatro di Francesco“ in Aphoven

Gerade mal einen halben Meter im Quadrat misst die Öffnung für die Bühne, die mit einem dicken roten Wolkenstore verhangen ist. Er ist aus Papier, wie so fast alles andere auch in diesem kleinen, sogenannten Papiertheater, das Lukasz Ratajczak derzeit im Pfarrheim in Aphoven aufgebaut hat. Auf Einladung der Generationenkirche SUNDayTE ist er gekommen, wo man ihn bereits von der Mitmachausstellung „Über den Tod (hinaus)“ gut kennt.

Ratajczak ist seit vielen Jahren in Krefeld der Kopf des Projekts „Kreta“, der „Kreativen Etage für Aktionen des Trägerwerks für kirchliche Jugendarbeit“. Er hat in Warschau Theaterwissenschaften und -pädagogik studiert, als Kulturredakteur für polnische Zeitungen gearbeitet und ist vor 15 Jahren nach Deutschland gekommen, der Liebe wegen. Da lag es nicht fern, dass er sich auch hier weiter der Theaterarbeit widmen würde. Und so ist er in der Katechesekirche St. Stephan in Krefeld auch der Motor für das „Teatro di Francesco“, wie sein Papiertheater offiziell heißt.

Das Theater der Neuzeit sei in seinem Ursprung eng mit der Liturgie verbunden gewesen. Einmal jährlich, am Ostersonntag, sei es in Erscheinung getreten und habe der Katechese gedient, heißt es auf der Internetseite des Theaters. Mit dem „Teatro di Francesco“ will die Katechesekirche in Krefeld an diese Tradition anschließen. Eigentlich habe man das Theater mit den Besuchern der Generationenkirche in Krefeld besuchen wollen, erklärte die Verantwortliche für „SUNDayTE“, Ingrid Beiten, in ihrer Begrüßung zur ersten Vorstellung in Aphoven. Dann habe Ratajczak ihr jedoch angeboten, mit seinem Theater erstmals auf Tournee zu gehen. Ausgewählt hat er für die Premiere in Aphoven zwei Stücke, die er in je drei Vorstellungen präsentiert. Groß kann nämlich der Zuschauerkreis vor diesem kleinen Theater gar nicht sein.

An den ersten drei Terminen kommt „Die Zauberflöte“ zur Aufführung, eine Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie wurde 1791 im Freihaustheater in Wien uraufgeführt. Schon wenig später, um das Jahr 1810, entstanden die ersten Papiertheater in Deutschland und England sowie etwa zeitgleich auch Ausschneidebögen für kleine Theaterbauten, für Kulissen oder Figuren. Ein solches Theater fand sich dann schnell in den gutbürgerlichen Haushalten, die sich der Bildung widmeten.

Bewegt werden die Figuren von einer Seite der Bühne aus mittels langer, dicker Kupferdrähte. Über parallel verlaufende dünne Drähte können die Figuren auf der Bühne sich dann sogar drehen. Nun sollte man jedoch nicht glauben, dass Ratajczak allein hinter dem schwarzen Vorhang agiert, der die kleine Bühne umgibt. Nein, in atemberaubender Geschwindigkeit bewegt er Figuren und Bühnenteile, steht dann unmittelbar danach wieder vor der Bühne, haucht den kleinen Papierdarstellern mit viel eigener Theatralik regelrecht Leben ein, spielt die Musik ein und erklärt dem Publikum zwischendrin auch die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge im Zusammenhang mit der Entstehung des Stücks.

So erfahren die Zuschauer in der Vorstellung auch, dass es im Jahr 1840 das erste mit Gas beleuchtete Theater in London gab und damit der zuvor mit Kerzen ausgeleuchtete Saal erstmals für eine Vorführung abgedunkelt werden konnte. Auf die Hintergründe der Oper selbst geht Ratajczak ebenfalls detailliert ein. „Die Oper hat keinen Sinn, aber sie ist trotzdem fantastisch schön“, lautet sein Resümee.

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