Waldfeucht-Braunsrath: Geschichte des Wallfahrtsortes Maria Lind beleuchtet

Waldfeucht-Braunsrath: Geschichte des Wallfahrtsortes Maria Lind beleuchtet

Seit einigen Jahren schon treffen sich auf Initiative der Ordensbüros und des Vorstands der Vollversammlung der Ordens- und Säkularinstitute im Bistum Aachen jüngere Ordensleute, genannt „U55“, zwei Mal pro Jahr in einem Kloster. Ziel der Gruppentreffen ist die persönliche Begegnung, der Austausch, das Kennenlernen verschiedener Klöster, klösterlicher Lebensformen und Spiritualitäten.

Dieses Mal bildeten zehn Schwestern und zwei Brüder mit den vier Klarissen, die zu der Gruppe gehören, im Kloster Maria Lind in Braunsrath eine bunt gemischte, lebendige Schar von Ordensleuten aus elf verschiedenen Ordensgemeinschaften im Bistum Aachen. Auch vier indische Schwestern aus drei verschiedenen Gemeinschaften waren dabei. Alle sind tätig in sozialen, pastoralen und pflegerischen Berufen oder im Lehrberuf. Sie kommen aus apostolisch-tätigen oder monastischen Gemeinschaften. Aus Aachen, Kornelimünster, Würselen, Stolberg und Mönchengladbach hatten sie die Fahrt ins Heinsberger Land angetreten.

Nach ihrer Begrüßung erläuterte die neue Äbtissin von Maria Lind, Schwester Theresia, den Gästen in der Kapelle zunächst die Geschichte des Wallfahrtsortes Maria Lind, die bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht. Damals soll in den deutsch-französischen Grenzkriegen ein französischer Soldat dort, wo heute das Kloster steht, in einer Linde eine kleine, nur 15 Zentimeter große Marienfigur zurückgelassen haben. Gefunden wurde sie dort von einem Heinsberger Franziskanerpater. Neben zwei größeren Wallfahrten seien es vor allem viele Einzelpilger, die nach Braunsrath kämen, um zur Mutter Gottes zu beten, erklärte Schwester Theresia. Und es würden immer mehr, was der Verbrauch der Kerzen zeige.

In der Klosterkirche erfuhren die Teilnehmer des Treffens Einzelheiten zur heiligen Klara, die Anfang des 13. Jahrhunderts dem Vorbild des heiligen Franziskus folgte und fortan in San Damiano in Armut und Bescheidenheit lebte. „So ist unser Leben geblieben“, ergänzte die Äbtissin. „Wir versuchen wie Klara zu leben und da zu sein für die Menschen mit ihren Anliegen, die vermehrt an unsere Pforte klopfen, weil sie anderswo nicht mehr gehört werden.“

Derzeit würden rund 15.000 Klarissen in fast 1000 Klöstern leben, in Deutschland seien es rund 350 in 23 Klöstern. Die Klarissen in Braunsrath stammen aus einem Konvent, der zunächst 1978 in Ahlen gegründet worden war. 1985 siedelten die Schwestern auf Bitte des damaligen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle in das Kloster nach Braunsrath um, das die Kapuziner 1982 wegen Nachwuchsmangels aufgegeben hatten. Es sei der Wunsch des Bischofs gewesen, eine betende, franziskanische Gemeinschaft nach Braunsrath zu holen. „Wir sollten eine Art Schule des Gebets sein“, so die Äbtissin.

Nach einer Erläuterung der Kunstwerke in dem ansonsten eher bescheiden ausgestatteten Kirchenraum nutzen die Ordensleute die Möglichkeit zum Gespräch bei Kaffee und Kuchen und beschlossen den Tag im Rahmen einer gemeinsamen Vesper mit den Klarissen. „Es war ein reich gefüllter und vor allem auch innerlich erfüllender Tag, der uns allen gut getan hat, auch wegen der nicht zu überbietenden warmherzigen Gastfreundschaft der Klarissen“, zog Schwester Birgitt Maria, Mitarbeiterin des Ordensreferenten und Organisatorin der Treffen, ein positives Resümee.

Im kommenden Jahr ist ein Ausflug nach Münster geplant, um außer der Stadt die Niederlassung der Alexianer dort zu besuchen, wohin ein Bruder Ende des Jahres versetzt wird. „So bleiben gewachsene Kontakte unter den Aachener Ordensleuten U 55 über die Bistumsgrenzen hinweg lebendig“, so die Schwester.

(anna)