Gesamtschulleiter Georg Schiefelbein geht in den Ruhestand

Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule : Kurs gehalten und Ziele erreicht

Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss – Wilhelm Busch wird oft bemüht, wenn es um den Beruf des Lehrers geht.

Das Kollegium der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Ratheim griff also auf Bewährtes zurück, wenn es deutsches Bildungsgut holpernd variierte: „Dass dies mit Verstand geschah, war Georg Schiefelbein stets da.“ Viel Herzblut, jede Menge Emotionen und so manche Träne: Der Abschied von Georg Schiefelbein an seinem letzten Arbeitstag als Leiter der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Ratheim hatte alles in sich, was nicht zu vermeiden ist, wenn ein bei Kollegen geschätzter, fast schon verehrter und bei den Schülern beliebter Lehrer in den Ruhestand geht.

Das Klischee, dass man mit einem weinenden und einem lachenden Auge seinen Arbeitsplatz verlässt und in den Ruhestand geht, widerlegte Georg Schiefelbein bei der Feierstunde, die Kollegen und Schüler im Foyer des Schulzentrums in Ratheim an diesem sonnigen und kalten letzten Tag im Januar gestalteten, deutlich sichtbar: Er geht mit zwei weinenden Augen. „Macht's gut!“ war als Quintessenz von Georg Schiefelbeins kurzen Worten zu seinem Abschied in die große Runde von Weggefährten dann aber doch deutlich vernehmbar.

Die Erinnerungen an schöne, aber auch an die weniger schönen Momente und Augenblicke seit der Gründung der Gesamtschule im Jahr 2012 überwältigten den Mann, der die Schule nicht nur vom ersten Tag ihres Bestehens leitete, sondern der sie auch ganz maßgeblich gestaltete und eigentlich überhaupt erst auf den Weg gebracht hatte.

Daran erinnerte Hückelhovens Schuldezernent Helmut Holländer, als er den Workshop Anfang 2008 erwähnte. Georg Schiefelbein, damals Leiter der Hauptschule in Ratheim, habe, so Holländer, bündig festgestellt, dass „der Ruf der Hauptschule im Keller ist, dass diese Entwicklung nicht mehr umzukehren, dass dies von der Politik so gewollt sei und dass die Gesamtschule sich durchsetzen werde“. Die Mehrheit der Politiker im Hückelhovener Stadtrat brauchte zwei Jahre, bis sie sich die Einsicht des profunden Fachmannes zu eigen machte.

2010 lautet also der Beschluss: Eine Gesamtschule muss her. Und Georg Schiefelbein sollte an der Spitze dieser für Hückelhoven neuen und von der CDU im Rat lange abgelehnten Schulform stehen. Für den Pädagogen war dies ein Glücksfall – und, wie sich inzwischen herausgestellt hat, für die Stadt Hückelhoven auch: Er konnte schon während der Bauphase des heutigen Schulzentrums Einfluss auf die Planung und die Gestaltung der Räume nehmen und, wichtiger noch, Schiefelbein konnte sich ein Kollegium von pädagogisch geschulten Frauen und Männern zusammenstellen, die sich der neuen Herausforderung stellen, sie gestalten und meistern konnten.

Ein Glücksfall war das für ihn auch deshalb, weil er selbst lange kämpfen musste, bis er seine Berufung zum Pädagogen auch zu seinem Beruf machen konnte. Schiefelbein studierte in Münster Mathematik und Sozialwissenschaften für das Lehramt an Gymnasien, also Sekundarstufe I und II, musste sich dann aber einen Job in der freien Wirtschaft suchen: Die Politik hatte einen Einstellungsstopp für Lehrer verhängt. 13 Jahre später dann konnte Georg Schiefelbein das machen, was er beruflich immer machen wollte: Er kam 1998 als Lehrer an die Hauptschule nach Ratheim, übernahm 2004 deren Leitung und wurde dann 2012 schließlich Gründungsleiter der Gesamtschule Ratheim.

Wie herzlich am letzten Tag seines Berufslebens ausnahmslos alle, die mit ihm zu tun hatten, Georg Schiefelbein Adieu sagten und ihm „viel Erfolg in der Rente“, wie ein Schüler es ausdrückte, wünschten, wirft ein warmes Licht auf die zuvörderst menschliche Art, mit der er die Schule leitete. Schiefelbein verstehe es, sagte Schulsozialarbeiter Florian Stoelk, „Menschen zu führen, ohne sie einzuengen“. Benjamin Forg nahm die Architektur des Schulzentrums zum Ausgang eines Vergleichs: Die Glaskuppel über dem Foyer erinnere ihn an ein Kreuzfahrtschiff. Schüler und Eltern seien darin die Passagiere, Lehrer und andere Mitarbeiter die Crew, Schiefelbein der Kapitän. Der habe sein Schiff auch durch raue See zu manchen Traumzielen manövriert.

Der Kapitän Georg Schiefelbein geht jetzt von Bord. Er hat künftig im Ruhestand Zeit und Muße, seinem Hobby zu frönen: dem Segeln. Karima Rösgen sang ihm in Begleitung der Lehrerband dazu mit bluesiger Stimme das passende Lied „Don't forget about me!“