Gericht weist Täter nach Rasiermesser-Attacke in Psychiatrie ein

Rasiermesser-Attacke in JVA Heinsberg : Gericht weist Täter in Psychiatrie ein

Der Gefangene Roland R. (23) hatte am 10. September 2018 in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg versucht, einem Mitgefangen heimtückisch von hinten mit einem Rasiermesser die Kehle durchzuschneiden. Der Täter wurde langfristig in die Psychiatrie eingewiesen.

Eine Tat, wie man sie aus amerikanischen Gefängnisfilmen mit dunklen Knastfluren oder turbulenten Hofgängen kennt.

Zum Glück konnte der junge Gefangene (20), der jetzt als inzwischen entlassener Nebenkläger in dem Verfahren vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen auftrat, blitzartig und instinktiv seinen Kopf nach vorne drücken, als Roland R. sich beim frühmorgendlichen Hofgang unbemerkt von hinten anschlich und ihm mit einer selbstgebastelten Waffe – er hatte eine Rasierklinge in das Plastik seiner Zahnbürste eingeschweißt – die Kehle durchzuschneiden versuchte.

Der Schnitt ging vom Kinn aus „nur“ am Oberkiefer entlang Richtung Auge, der Angegriffene zog sich zwar eine klaffende Wunde zu, überlebte aber die Tat. „Ich bin seitdem sehr ängstlich in fremder Umgebung“, sagte das Opfer, das bei seiner Zeugenaussage im Schwurgerichtssaal deutlich Abstand von dem Angeklagten hielt. Glück hatten auch zwei weitere Hofgänger, die unmittelbar rechts und links neben dem Angegriffen gingen, denn sie hätten ebenso Opfer des nach Beschreibungen eiskalten Täters sein können.

Noch heute war auch einer dieser Männer von dem „bösen und eiskalt stierenden Blick“ des wegen versuchten Mordes angeklagten Mannes aus Waldbröl beeindruckt. Doch auch dieser Zeuge lieferte wie ebenfalls die Aussagen der Bediensteten der JVA letztlich einleuchtende Gründe für das insgesamt merkwürdige Verhalten des Häftlings Roland R., der wegen Rückfalltaten Ende August in die JVA-Heinsberg eingeliefert worden war.

R. hatte sich in der Haftanstalt dadurch hervorgetan, dass er mit niemandem richtig sprach und auch keinerlei Körperhygiene absolvierte. Weil er naturgemäß nach einiger Zeit so streng roch, dass ihn die Mithäftlinge ansprachen und zum Duschen aufforderten, mag kaum verwundern. Darunter war auch das spätere Opfer, das als Hausarbeiter überall beliebt war, sich jedoch eben auch hervortat. Das scheinbar in den Augen des späteren Täters so negativ, dass er ihn töten wollte.

Das aggressive und aus dem Nichts auftauchende Verhalten des Täters konnte nicht normal sein, sagte sich das Gericht und bestellte eine psychiatrische Sachverständige. So kam denn auch Ärztin Dr. Dina Mörth (Aachen) in ihrem Gutachten zu einem eindeutigen Ergebnis. Bereits seit 2016, so die Ärztin, habe Roland R. eine paranoide und von Drogeneinnahmen begünstigte Psychose, die ihn bei jeder Art von Bedrohung gewalttätig werden lasse.

Und die Ermahnungen zur Sauberkeit hatte er als Bedrohung empfunden. Selbst sein Essensgeschirr gab er trotz gegenteiliger Order immer wieder schmutzig zurück, er sprach mit niemandem in der Anstalt, er sei so schwer krank, stellte die Gutachterin fest, dass er dauerhaft in die Psychiatrie und auf keinen Fall ins Gefängnis gehöre.

Das Aachener Schwurgericht folgte in seiner Entscheidung der Ärztin und wies den Angeklagten zu einer Langzeitbehandlung in die Psychiatrie ein.

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