Gelebtes Europa jetzt in Erkelenz würdig gefeiert

Drei Jubiläen : Gelebtes Europa in Erkelenz würdig gefeiert

Saint-James, Bad Windsheim und Thum im Erzgebirge: Mit dem „europäischen Fest mit Freunden“ wurde am Wochenende das dreifache Jubiläum der Erkelenzer Städtepartnerschaften gefeiert.

Seit 45 Jahren pflegen Erkelenz und die nordfranzösische Stadt Saint-James eine intensive und von vielen Besuchen getragene Städtepartnerschaft. Die Städtefreundschaft zu Bad Windsheim in Franken währt schon ein Vierteljahrhundert und vor fünf Jahren wurde die Verbindung zu Thum im Erzgebirge als Stadtteilfreundschaft mit Lövenich verfestigt.

Grund genug, ein europäisches Fest zu feiern, dachte sich auch der Erkelenzer Verein „Erkelenz International“, der sich im Bereich der Städtepartnerschaften engagiert und das Treffen gemeinsam mit der Stadt organisierte. Eingeladen waren nicht nur die Partnerstädte, sondern auch deren europäische Partner. Passend zum Fest fand auf dem Markt vor dem Alten Rathaus wieder der französische Markt mit typischen Spezialitäten aus den Regionen Frankreichs statt.

Heutzutage Europa zu feiern, heißt auch, sich der Probleme und Aufgaben Europas bewusst zu sein. Daher hatten die Organisatoren um Maria Sprenger vom Verein „Erkelenz International“ ein informatives Programm zusammengestellt, das Denkanstöße ebenso gab wie die Möglichkeit zum Austausch. Beim Begrüßungsabend in der Stadthalle begann es mit der Frage danach, ob Städtepartnerschaften heutzutage ein Relikt aus vergangenen Zeiten seien.

Dieser Frage ging der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter auf den Grund. Er ist Mitglied im Rat der Gemeinden und Regionen Europas und betonte, dass Frankreich und Deutschland die Motoren des vereinten Europas seien. Durch Städtepartnerschaften wie der zwischen Saint-James und Erkelenz würde der Europagedanke an der Basis gelebt. Wichtig sei die Einbeziehung der Jugend in die gelebte Partnerschaft.

Am Samstag ging es mit einer Podiumsdiskussion im Foyer der Stadthalle weiter. Dabei wurde der Themenkomplex „Integration und Migration“ beleuchtet. Migration habe es schon immer gegeben, betonte der Politikwissenschaftler und Historiker Siebo Janssen. Die derzeitige Tendenz zur Abschottung habe ursächlich mit der Angst zu tun, den eigenen Wohlstand zu gefährden. Aufgrund des Klimawandels sei mit weiteren Migrantenströmen zu rechnen. Daher plädierte er für ein Einwanderungsgesetz auf europäischer Ebene.

Der Pastoralreferent und Seelsorger Johannes Eschweiler hob die Bedeutung der Arbeitsmigration für den Arbeitsmarkt mit Blick auf den demografischen Wandel hervor. Ein europaweiter Mindestlohn sei ein Mittel gegen Ausbeutung, erklärte er. Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der kreisweiten Wirtschaftsförderungsgesellschaft berichtete vom Fachkräftemangel in der heimischen Wirtschaft und plädierte für eine einheitliche Handhabung für die Beschäftigung von Immigranten. Dies betonte auch Michael Kutz vom Kinderschutzbund. „Die Behörden arbeiten jeweils nach eigenen Richtlinien, die sich oft im Weg stehen“, erklärte er. Dies erschwere eine Integration durch Arbeit, wie sie von der Wirtschaft gefordert wird.

Abends ging es mit einem Festakt in der Stadthalle weiter. Eröffnet wurde er von den Mitgliedern des ehemaligen Jugendchors von St. Lambertus unter der Leitung von Norbert Brendt, mit dessen Besuch in Saint-James vor 45 Jahren die Städtepartnerschaft begann. Ein musikalischer Leckerbissen folgte in Form der „European Suite“ von Hubert Minkenberg, zu der drei Schulchöre, die West Bigband und das Streichorchester der Dortmunder Universität gemeinsam aufspielten.

Bürgermeister Peter Jansen und der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees aus Saint-James, Yannick Duval, hoben in ihren Ansprachen die Bedeutung der Städtefreundschaften und die Errungenschaften des geeinten Europas hervor. „Wir leben seit 75 Jahren in Frieden und Wohlstand“, erklärte Jansen. „Das ist nicht selbstverständlich.“

(hewi)
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