5.000 Euro jährlich: Geld für Mütter und Kinder, das flexibel macht

5.000 Euro jährlich : Geld für Mütter und Kinder, das flexibel macht

Die Bischöflichen Stiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ hat für die fünf Frauenhäuser in katholischer Trägerschaft im Bistum Aachen nun einen Fonds in Höhe von 75.000 Euro eingerichtet.

Land und Kommunen leisten für die Frauenhäuser all das, was am Notwendigsten ist. Weitere Spenden sind meist zweckgebunden und lassen ebenfalls nur ganz wenig Spielraum. Da freuen sich die Vertreterinnen der fünf Frauenhäuser natürlich jetzt sehr über den Fond der der Bischöflichen Stiftung „Hilfe für Mutter und Kind“.

Dieser ermöglicht ihnen in diesem und in den beiden kommenden Jahren eine unbürokratische, flexibel einsetzbare Hilfe für die Erstversorgung von Frauen und Kindern, die in ein Frauenhaus flüchten müssen. Jeder Einrichtung stehen dabei pro Jahr 5000 Euro zur Verfügung, die gemeinsam entwickelten Kriterien folgend frei vergeben werden können.

Eigentlich sei die Stiftung 2002 als ein weiteres Standbein für die Schwangerschaftsberatung geschaffen worden, erklärte Martin Novak, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, in seiner Begrüßung bei der Vorstellung des Projekts in den Räumen des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Erkelenz. Der Zweck sei jedoch bewusst breiter formuliert worden, und so habe sich die Stiftung jetzt entschieden, auch die Frauenhäuser zu unterstützen, deren großen Bedarf an Unterstützung man Berichten in der Presse entnommen habe.

Unbürokratisch, unkompliziert

Genutzt werden kann das Geld für die Erstversorgung, etwa für die Anschaffung von Bekleidung oder Pflegemitteln, Medikamenten oder Schulmaterial. Fahrtkosten, etwa in die Botschaft, wo notwendige Dokumente besorgt werden müssen, können jetzt ebenso gezahlt werden wie die Gebühren dafür.

Unbürokratisch helfen können die Frauenhäuser zudem beim Start in ein neues Leben, bei Kosten für den Umzug, für Handwerker, Möbel oder Hausrat. Aber auch Aktivitäten in der Freizeit werden so möglich. Wie wichtig sie sind, erklärte Sigrid Nolde, Leiterin des Frauenhauses in Viersen. „Sie ermöglichen traumatisierten Menschen einfach glückliche Momente“, sagte sie. Oder einen Friseurbesuch, von dem Hülya Gökgöz-Corsten, Leiterin des Aachener Frauenhauses berichtete. Er habe einer Frau gezahlt werden können, der ihr Mann zuvor einfach ihre langen Zöpfe abgeschnitten hatte.

Die Vertreterinnen der Träger von Frauenhäusern und deren Leiterinnen freuten sich zusammen mit Martin Novak (2.v.r.) über die Hilfe, die ihnen der neue Fonds der Bischöflichen Stiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ bietet. Foto: Anna Petra Thomas

Wie die Erstversorgung im Frauenhaus in Erkelenz aussieht, darüber berichtete SKFM-Geschäftsführerin Karoline Steffens. So gebe es dort einen Schrank, der einfach alles enthalte, was am Anfang gebraucht werde, denn oft müssten die Frauen ja auch mitten in der Nacht aufgenommen werden. Lebensmittel befänden sich darin ebenso wie Zahnbürsten oder Babywindeln, „alles, wenn man kommt und nichts mehr hat“, sagte sie.

Spielzeug und Fahrräder

Der SKFM Erkelenz wird die zur Verfügung gestellten Mittel jedoch auch nutzen, um Spielzeuge für ein neues Kinderzimmer im Frauenhaus anzuschaffen oder für die Gestaltung der Außenanlage, die nicht zuletzt durch einen Brand gleich nebenan in Mitleidenschaft gezogen worden war. Angeschafft werden sollen zudem noch Fahrräder.

„Wir sind sehr dankbar“, schloss Karoline Steffens und sprach damit allen Frauenhaus-Vertreterinnen aus dem Herzen. Alles sei so unkompliziert. „Das ist wirklich mal eine Aktion, die lobenswert ist!“, betonte sie. „So viel Wertschätzung für die Frauenhäuser“, fügte Birgit Richters, stellvertretende Geschäftsführerin des SkF Mönchengladbach hinzu. „Es macht uns die Arbeit leichter und die Nöte der Frauen kleiner“, brachte es Sigrid Nolde auf den Punkt. Sie hält im Frauenhaus in Viersen für jeden Neuankömmling einen sogenannten Willkommenskorb bereit, der dank dieser finanziellen Mittel natürlich auch gut gefüllt werden kann.

Im Aachener Frauenhaus schnürt Hülya Gökgöz-Corsten ein Willkommenspaket. So vieles sei für eine erste Versorgung oft nötig, berichtete sie von einem aktuellen Fall, wo eine Frau sogar barfuß ins Frauenhaus gekommen sei. Sie plant mit den zusätzlichen Mitteln, die sie zur Verfügung hat, neben weiteren Maßnahmen der kurzfristigen Erstversorgung auch „ein paar schöne Dinge“, wie sie sagte. So könnte schon bald eine mit einem Reiterhof gemeinsam konzipierte Reittherapie für Mütter und Kinder auf dem Programm stehen.

Offen sprachen die Vertreterinnen bei ihrem Treffen mit der Stiftungsleitung aber auch noch ungeklärte Probleme an. So gebe es für Schülerinnen und Studentinnen, für EU-Ausländerinnen oder für Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus immer noch keine finanziellen Mittel, bemängelten sie.

„Nachholbedarf“

„Das muss unbedingt offiziell geregelt werden“, forderte Tanja Himer, Geschäftsführerin des SkF Krefeld. Durch viele Nationalitäten in der Betreuung seien die Aufgaben der Frauenhäuser zudem sehr komplex. Und die aktuell angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt führe weiterhin auch noch zu einer längeren Verweildauer von Frauen in den Frauenhäusern. Allseits gelobt wurde da das Ampelsystem, an dem im Internet jederzeit schnell erkennbar ist, welches Frauenhaus noch Aufnahmekapazitäten hat, wenn die eigenen erschöpft sind.