Erkelenz: Gehörlose macht Trainerschein

Erkelenz : Gehörlose macht Trainerschein

Eigentlich ist es auf den ersten Blick nichts Besonderes: Im Berufskolleg findet derzeit eine Ausbildung zum Übungsleiter „C“ statt. In rund 90 Lerneinheiten erhalten die Teilnehmer das Rüstzeug, um im Breitensport Gymnastikstunden für Erwachsene und Kinder anbieten zu können. Ausrichter des Lehrganges ist der Kreissportbund.

So weit, so unspektakulär. Doch spektakulär wird der Lehrgang durch eine der Teilnehmerinnen, denn Ruth Blunck ist gehörlos. Die 48-Jährige wird während der Kurseinheiten von fünf Gebärdenübersetzern begleitet, die jedes Wort des Übungsleiters in die Sprache der Gehörlosen übertragen. Ein bisher einmaliger Vorgang, der vielleicht nicht so schnell wiederholt wird.

Ruth Blunck (linkes Bild) beim Frontalunterricht in der Sporthalle. Sandra Lintz-Naumann (rechtes Bild) übersetzt simultan in Gebärdensprache. Die Dolmetscher wechseln im 15-Minuten-Takt. Foto: Wichlatz

„Die Kosten werden von der Städteregion Aachen übernommen“, berichtet Kursleiterin Ulrike Heinen vom Kreissportbund. Die Dolmetscher-Tätigkeit wurde bundesweit ausgeschrieben. Im Viertelstundentakt wechseln sich die Gebärdenübersetzer ab, um Ruth Blunck simultan zum gesprochenen Wort zu informieren.

Die 48-Jährige ist nicht seit der Geburt gehörlos. Mit zehn Jahren verlor sie ihr Gehör durch eine Erkrankung. Trotzdem hielt sie das nie davon ab, ein aktives und sportliches Leben zu führen. Seit rund 30 Jahren ist sie in einem Gehörlosensportverein aktiv und hat auch schon einen Übungsleiterschein gemacht. Dieser ist jedoch vor rund zehn Jahren abgelaufen. Ulrike Heinen lernte sie bei einem Wassergymnastikkurs kennen. Gemeinsam hatten sie die Idee, den Übungsleiterschein zu erneuern. Damit stießen sie jedoch nicht überall auf offene Türen.

„Wir wurden gefragt, ob das denn wirklich nötig sei“, erinnert sich Ruth Blunck. „Ja, es ist nötig.“ Schon im Sinne der Inklusion, also der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen, sei es wichtig. Letztlich konnte Ruth Blunck sich durchsetzen und bekam ihre Dolmetscher. Die sind während der gesamten Kurseinheiten im Einsatz. „Regelmäßige Pausen sind wichtig, damit man sich besser konzentrieren kann“, erläutert Ulrike Bobka, die sich zusammen mit ihrer Kollegin Sandra Lintz-Naumann an diesem Nachmittag durch die Theorie quält.

Wenn Ruth Blunck den Übungsleiterschein in der Tasche hat, müsste dieser in vier Jahren erneuert werden. „Ob wir das noch einmal genehmigt bekommen, weiß ich aber nicht“, räumt Heinen ein. Denn die Kosten betragen rund 20.000 Euro.

(hewi)