Gegen Durchgangsverkehr: Am Heesweg brodelt es

Am Heesweg brodelt es : Bürger machen gegen Durchgangsverkehr mobil

Es gärt am Waldrand zwischen Wassenberg und Birgelen. Deutliche Worte wählte Sprecherin Marlies Lüttgens bei der ersten Bürgerversammlung, zu der die Interessengemeinschaft (IG) der Anliegerstraßen Heesweg, Obere Heide, Op de Berg und Sandstraße in das Hotel-Restaurant „Zur Rennbahn“ in Wassenberg eingeladen hatte.

Erkennbar wurde im Laufe der gut eineinhalbstündigen Informations- und Diskussionsveranstaltung, dass sich die Anlieger dieser Straßen von der Stadt nicht ernst genommen fühlen in ihrem Bestreben, den Durchgangsverkehr aus ihrem idyllischen Wohnumfeld und auch von dem dort abzweigenden Waldweg fernzuhalten. „Wir werden behandelt wie unmündige Kinder“, erklärte Marlies Lüttgens.

Rund 50 Interessenten

Rund 50 Interessenten und geladene Gäste waren der Einladung der IG gefolgt. Der Landrat habe mitgeteilt, der Einladung nicht folgen zu können, er habe aber neue Geschwindigkeitsmessungen angekündigt. Auch den Bürgermeister habe man eingeladen, aber keine Reaktion erhalten, so die Sprecherin. Schon in der Ratssitzung habe der Bürgermeister die Chance nicht genutzt, mit den betroffenen Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Marlies Lüttgens sei weder Gelegenheit gegeben worden, in der Fragestunde ihre Frage vorzutragen, wie es die Geschäftsordnung vorsehe, noch habe sie eine Zusatzfrage stellen können. Sie habe nicht einmal ein Mikrofon gehabt, erklärte Hermann Thissen von der SPD-Fraktion. Und schließlich sei der Rat in der Einladung gar nicht über den Inhalt der Fragestunde in Kenntnis gesetzt worden.

Weiterhin greift eine Beschwerde einen Aktenvermerk auf, in dem es heißt, dass die Sperrschranke zum Waldweg mehrfach beschädigt und letztendlich zerstört worden sei. Keinerlei Informationen gebe es jedoch dazu, inwieweit dazu strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden seien.

Auch mit der Antwort des Bürgermeisters, dass in dem Gebiet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von zulässigen 48 Stundenkilometern gemessen worden sei, wollen sich die Beschwerdeführer nicht zufrieden geben. „Es ist mitzuteilen, wann und wie viele Kfz mit überhöhter Geschwindigkeit gemessen wurden“, erklärten sie. Mehr noch sind sie auch vor Ort inzwischen selbst aktiv geworden. Nach Rücksprache mit der Bußgeldstelle im Ordnungsamt der Kreisverwaltung habe man die Kennzeichen notiert, rund 480 an drei Vormittagen und drei Nachmittagen, „und das in den Ferien!“, betonte Marlies Lüttgens. Diese Aufzeichnungen werde man jetzt an die Bußgeldstelle weitergeben.

Den Grund für den zunehmenden Verkehr in diesem Gebiet sehen alle in der Schaffung von Neubaugebieten in Ophoven, Effeld oder Birgelen.

Was den abzweigenden Waldweg betreffe, werde dieser eben nicht nur von dem Spargelproduzenten genutzt, der eine Erlaubnis für mehrere Fahrten pro Tag habe. Hier werde ständig illegal Müll entsorgt, und pro Jahr würden hier etwa fünf Rehe und vier bis fünf Wildschweine durch Fahrzeuge getötet, beklagte der anwesende Jagdpächter. „Die werden dann irgendwann gefunden, oft noch nicht verendet.“ Gefahr bestehe auf der engen Strecke und auf den Straßen aber natürlich auch für Radfahrer und Fußgänger. Nicht zu vergessen die drohenden Anliegerbeiträge, wenn aufgrund des Schwerlastverkehrs der Straßenbelag erneuert werden müsse.

Diverse Vorschläge wurden gemacht, der Situation Herr zu werden. Diese reichten von der Einrichtung von 30er-Zonen oder von zwei in der Mitte endenden Sackgassen bis hin zu Pollern mit Fernbedienung. „Schreiben Sie ein Protokoll von dieser Sitzung und schicken Sie es ins Rathaus. Zeigen Sie, dass Sie am Ball sind“, lautete der Rat von Robert Seidl von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Wir haben hier ein Kleinod an Wald. Das muss geschützt werden“, waren sich am Ende alle einig und auch bereit, gegen den Durchgangsverkehr durch ihr Wohngebiet weiterhin aktiv zu kämpfen.

(anna)