Gedenkfeier und Ausstellung zur Reichspogromnacht

Gedenkfeier : „Wir dürfen das niemals wieder zulassen“

Anlässlich des Endes der Wanderausstellung „We, the six Million“ im Alten Rathaus wurde die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht um einige Tage vorgezogen.

So konnte den Teilnehmern der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof der Besuch der Ausstellung ermöglicht werden, an der sich Schüler der Gemeinschaftshauptschule mit eigenen Recherchen und Exponaten beteiligt hatten.

Schüler der Schule zeichnen seit Jahren für die Pflege des jüdischen Friedhofs an der Neusser Straße und die Organisation der Gedenkfeiern verantwortlich. Für dieses Engagement dankte ihnen Bürgermeister Peter Jansen. Die Erinnerung an das Unrecht von damals sei umso wichtiger angesichts der heutigen Entwicklungen in Deutschland. „Aber ist die Botschaft des Gedenktages wirklich angekommen?“, fragte er.

Scheinbar habe es nicht gereicht, denn der rechte Rand der Gesellschaft werde stärker. Dem dürfe die Gesellschaft nicht tatenlos gegenüberstehen. „Wir dürfen das niemals wieder zulassen“, lautete sein Appell. Nach der Kranzniederlegung gingen die Teilnehmer zum Alten Rathaus. Unterwegs machten sie auf der Kölner Straße an zwei Stolpersteinen Station und gedachten der Familien Strauss und Weinberg, die in den Häusern bis zu ihrer Deportation und Ermordung gewohnt hatten.

Am Alten Rathaus empfing der Chor der Hauptschule die Teilnehmer mit Musik. Der Initiator der Ausstellung „We, the six Million“, Professor Reinhold Breil, betonte, dass die Erkelenzer Hauptschule die erste gewesen sei, die auf die Anfrage nach einer Kooperation geantwortet hatte. Die Schüler hätten sich in beeindruckender Weise mit eigenen Recherchen über jüdisches Leben in Erkelenz eingebracht. Gemeinsam mit den Projektmitarbeitern René Porger und Alexander Hermert aus Aachen sowie Hubert Rütten vom Heimatverein der Erkelenzer Lande hatten sie Informationen für zwei Stellwände erarbeitet, die der Ausstellung zugefügt wurden. Durch dieses Engagement lebe die Ausstellung und entwickele sich, erklärte Breil.

Anschließend führte der Chor die musikalische Bearbeitung des Gedichtes „Meine Muttersprache“ von Leah Thorn auf. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Judith Konopka hatten die Schüler den englischen Text übersetzt und vertont. In dem Gedicht berichtet Thorn über die Zerrissenheit ihrer Mutter, die ihre deutsche Muttersprache nicht mehr ertragen konnte. Die Familie der Mutter hatte bis zur Vertreibung in Schwanenberg gelebt.

Die Kinder konnten gerettet und nach England gebracht werden, während sich die Spur der Eltern in den Vernichtungslagern der Nazis verlor. Thorn lebt und arbeitet in London. Die Folgen des Holocausts bestimmen ihr künstlerisches Schaffen.