Gedenken in Erkelenz: Pogromnacht vor 80 Jahren

Pogromnacht vor 80 Jahren : „Auch in Erkelenz ein Alptraum“

Anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht vor 80 Jahren haben Bürgermeister Peter Jansen und Yannik Duval aus der französischen Partnerstadt Saint-James Kränze am Gedenkstein des jüdischen Friedhofes an der Neusser Straße niedergelegt. Organisiert wurde die Gedenkfeier wieder von Schülern der Gemeinschaftshauptschule, die sich auch um die Pflege des Friedhofes kümmern.

„Die Gräueltaten mahnen uns im Umgang mit unseren Mitmenschen“, erklärte der Leiter der Hauptschule, Erich Konietzka. Das Engagement der Schüler für das Gedenken an die jüdischen Mitbürger stimme hoffnungsfroh.

„Fühlen – Denken – Wollen – Handeln“ lautete das Motto der Veranstaltung. Die Schüler forderten anhand der vier Begriffe dazu auf, heute ein Zeichen zu setzen gegen Verfolgung und Diskriminierung jeder Art. „In unserer Stadt soll es keinen Rassismus geben“, lautete ihre Botschaft. „Unser Land soll nie wieder an einem Krieg beteiligt sein.“ Auch vom „Handeln“ hatten die Schüler klare Vorstellungen. So sollen Antirassismus-Workshops abgehalten werden. Ein Ziel ist, dass die Gemeinschaftshauptschule das Prädikat „Schule gegen Rassismus“ erhält.

Ihr Lehrer Jochen Oberle hatte sich die Frage gestellt, weshalb er sich jedes Jahr das Gedenken in den Medien anschaue, obwohl er doch wisse, was passiert sei. „Die Reichskristallnacht ist kein Fliegenschiss der Geschichte“, lautete seine Antwort in Anlehnung an das entsprechende Zitat des AfD-Vorsitzenden Gauland. „Deshalb tue ich mir das jedes Jahr an.“

Britta Kox erinnerte sich an die lebenslangen Schuldgefühle ihrer Großmutter, die zu spät gekommen war, um eine befreundete jüdische Familie vor der Deportation zu verstecken. Der Name der Familie finde sich heute auf den Stolpersteinen vor dem ehemaligen Wohnhaus und durch ihre Großmutter auch in ihrer Erinnerung wieder. Der evangelische Pfarrer Günter Jendges erinnerte an den dänischen König Christian. „Ein Däne ist so wie der andere“, hatte der erklärt und während der deutschen Besatzung den gelben „Judenstern“ getragen. Viele Dänen folgten seinem Beispiel und retteten so ihren jüdischen Mitbürgern das Leben.

„Auch in Erkelenz war die Pogromnacht für die jüdischen Mitbürger ein einziger Alptraum“, erklärte Bürgermeister Peter Jansen. „Sie wurden brutal verfolgt – allein, weil sie Juden waren.“ Nur wenige Erkelenzer hätten damals den Mut gefunden zu protestieren, die Mehrheit habe geschwiegen. „In der Nacht vor 80 Jahren hatte die Gesellschaft schon zu lange zu viel zugelassen“, sagte Jansen. Viele Menschen hätten „sich anstecken lassen“ und mitgemacht. Bei der Gedenkfeier gehe es aber nicht darum, die Menschen der damaligen Zeit an den Pranger zu stellen. „Wir wissen aber um die Folgen“, betonte er. „Das dürfen wir nicht vergessen." Niemand habe das Recht, anderen Menschen Gewalt anzutun. Der Hass einiger dürfe nicht wieder auf die Straßen getragen werden. Das Engagement der Schüler verdiene Dank und Respekt.

Als Vertreter der französischen Partnerstadt Saint-James war Yannick Duval nach Erkelenz gekommen. Der Vorsitzende des dortigen Partnerschaftskomitees legte ebenfalls einen Kranz am Gedenkstein nieder.

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