Gangelt: „Galerie Vorbach“: Projekt nach 20 Jahren beendet

Gangelt: „Galerie Vorbach“: Projekt nach 20 Jahren beendet

„Ich rede mit Stolz über diese Zeit. Wir haben tolle Sachen gemacht — die Galerie trug sich aber leider nicht mit dem Publikum aus der Region alleine!“ Lutz Vorbach (70) und seine Frau Verena arbeiten gerade daran, die letzte Ausstellung in der Villa an der Hanxlerstraße vorzubereiten. Dann werden sich die Türen für den Publikumsverkehr schließen. Nach 20 Jahren — 16 davon in Gangelt — erklären die beiden das Projekt „Galerie Vorbach“ für beendet.

Einladungen bei den Vorbachs waren stets begehrt — für das, was man hier sah, musste man ansonsten weit fahren. Wo hat man in dieser Region Werke von Braque und Chagall gesehen? Als Literaten kennt den Literaturnobelpreisträger Günter Grass jeder; seine Arbeit mit Pinsel und Feder und seine Skulpturen wurden gleich zweimal in Gangelt gezeigt. Zum zehnjährigen Bestehen der Galerie hatten die Vorbachs Heinrich Maria Davringhausen in einer einmaligen, weil sehr umfangreichen Schau gezeigt.

Die alte Villa, in der die Galerie ­Vorbach ihren Sitz hat, in Gangelt an der Hanxlerstraße.

„Für mich und meine Frau war das eine herausragende Ausstellung — finanziell war sie ein Flop!“ Und das können sich Geschäftsleute nicht allzu oft leisten. Als Kunsthändler braucht man starke finanzielle Reserven, und Lutz Vorbach kann viel von Erfolgen und Misserfolgen auf den Kunstmessen erzählen. Dort verdienten die Vorbachs das nötige Geld. Ihre Kunden leben in Berlin, Hamburg, Luxemburg, München oder Wien. „Der Stand der Galerie Vorbach war dank meiner Frau auf jeder Messe eine Augenschmaus“, erzählt Lutz Vorbach.

Die Qualität der Exponate war so hoch, dass die Vorbachs in den erlesenen Kreis sowohl des Bundesverbandes als auch des Weltverbandes des Kunst- und Antiquitätenhandels aufgenommen wurden. Wenn sie dann beispielsweise im Wiener Künstlerhaus neben Händlern aus München und Wien ausstellten, war die Frage zwangsläufig: „Sagen Sie mal, wo liegt eigentlich Gangelt?“ „Im westlichsten Zipfel der Republik, ein Tagesritt von Aachen entfernt“, war die Antwort. Auf diesen Tagesritt war Vorbach gestoßen, als er sich das komplette Jahr 2012 mit der Vorbereitung seiner Mercator-Vorträge beschäftigte. Ein Jahr stand der Galeriebetrieb still. Danach reifte der Entschluss, den Kunsthandel einzustellen.

Ein Spiegelbild der Galeriearbeit war auch das Projekt Mercator. Nach Monaten der intensiven Recherche präsentierte Lutz Vorbach in vielbeachteten und hoch gelobten Vorträgen das Leben des Kartographen mit dem kleinen Bezug zu Gangelt. Seine Arbeit räumte mit so mancher Mär in der Gangelter Geschichtsschreibung auf.

Familiäre Gründe, eine kleine Taschenuhr und die große Liebe zur Kunst waren es, die Lutz Vorbach 1995 als Oberst im Generalstab in Brüssel den Dienst quittieren ließen. Die Taschenuhr, die er in Norwegen gekauft hatte, ging nicht richtig und auch weitere antike Uhren, die er sammelte, waren nicht so restauriert, wie er sich das vorstellte. Also lernte er zweieinhalb Jahre bei einem Meister, alte mechanische Uhren zu reparieren. Heute ist er ein Fachmann mit eigener Werkstatt, wenn es um alte Uhren geht.

(hama)