Franz-Josef Breuer: Ein Bildband, der viele Details entdecken lässt

Franz-Josef Breuer : Ein Bildband, der viele Details entdecken lässt

Wie lange es in Birgelen schon eine Schule gibt, ist gar nicht mehr ganz genau zu ermitteln. Bei einem Brand des Pfarrhauses seien alle entsprechenden Dokumente verlorengegangen, schreibt der Birgelener Historiker Franz-Josef Breuer gleich zu Beginn seines neuen, 220 Seiten starken, inzwischen fünften Bildbands über seinen Heimatort, genannt „Volksschule Birgelen seit 1883“.

Darin hat er alle ihm zur Verfügung stehenden Dokumente und Fotos zum Schulwesen zusammengetragen, auch aus den früher noch bestehenden Schulen in Effeld und Ophoven, von wo aus die Kinder heute ebenfalls die Grundschule in Birgelen besuchen.

Fest steht jedoch, dass sich die erste Birgelener Schule in der Schreinerwerkstatt der Familie Schiffers an der Hauptstraße, heute Lambertusstraße 68, befand. Und Johann Josef Krückel, der von 1876 bis 1884 Lehrer an der Volksschule in Birgelen war, hat die erste Chronik verfasst. Ein erstes eigenständiges Schulgebäude entstand Breuers Bildband zufolge ab Juli 1881 an der Heerstraße, heute Lambertusstraße 127–129, wo auch heute noch der damals errichtete Bau der Schule steht, inzwischen mehrfach erweitert. Seiner Bestimmung übergeben wurde das erste Gebäude am 31. Oktober 1883. „Unsere Schüler brauchten nun nicht mehr in den Wohnräumen und Werkstätten unterrichtet zu werden“, schreibt der 88-Jährige.

Das älteste Schülerfoto in Breuers neuem Werk entstand 1893, zehn Jahre nach der Eröffnung der Schule. „Leider sind die Namen der Schüler nicht mehr zu erfahren“, berichtet er. Bei Schülerfotos aus späteren Jahrzehnten ist das anders. „Ich bin von Tür zu Tür gelaufen, um möglichst viele Namen in Erfahrung zu bringen und hier zu dokumentieren.“

So sind auf den Fotos ab den 1920er Jahren neben den Namen von Lehrern auch zahlreiche Namen von Schülern neben den Fotos zu finden. Der Bildband zeigt aber nicht nur die Gruppenfotos von Schülern, er würdigt auch die jeweiligen Lehrer und erinnert an Höhepunkte des Schullebens. Zudem hat Breuer viele Fotos von Treffen ehemaliger Schüler gesammelt und in seinem Buch veröffentlicht.

Dieser Bildband beeinflusse die Sehgewohnheiten, erklärt Bürgermeister Manfred Winkens in seinem Grußwort zum neuen Werk. Ein Fotoband rege die Fantasie an und lade zu längerer, wiederholter Betrachtung und zur Entdeckung von Details ein. Ausdrücklich dankt er Wassenbergs Ehrenbürger Franz-Josef Breuer für sein persönliches Engagement, aber auch all den Menschen, die ihm Bilder, Berichte und Zeitzeugnisse für dieses Projekt zur Verfügung gestellt haben.

„Längst Vergessenes wird wieder in Erinnerung gerufen“, freut sich auch Schulleiterin Barbara Schillings. „Es ist sehr interessant zu verfolgen, wie sich nicht nur die Gebäude, sondern auch die Schüler und Lehrer vom Ursprung bis zur Gegenwart verändert haben.“

Der neue Bildband über das Schulleben in seiner Heimat ist ein weiterer Mosaikstein in der seit inzwischen mehr als 30 Jahren währenden Sammelleidenschaft des Heimatforschers. 1987 entstand sie, als die Birgelener Mühle an der Mühlenstraße abgerissen wurde. Als Kind habe er dem Müller bei seiner Arbeit oft zugeschaut, denn er habe ja gleich in der Nachbarschaft gewohnt, erzählt er. Breuer sammelte Bildmaterial von der Mühle und von weiteren Häusern, die in den Jahren zuvor abgerissen worden waren und das Bild des Ortes verändert hatten. Schon bald dehnte sich seine Sammlung auf das gesamte Leben des Dorfes aus. Dabei scheute er sich auch nicht, Bilder von weither wieder nach Birgelen zurückzuholen, um sein Dorfarchiv Stück für Stück zu erweitern. 2009 wurde Breuer mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet.

 „Das hier war mein schwierigster Fall“, schmunzelt Breuer. Rund 300 Fotos hat er in dem neuen Band zusammengetragen, der Ende August in einer Auflage von 150 Stück erscheinen wird. „100 Stück sind schon vorbestellt“, freut sich Breuer. Weitere Bestellungen nimmt er gerne schon jetzt entgegen, Telefon 02432/2504, E-Mail fr.josef.breuer@gmail.com. Und dann, ja dann hat er auch noch einen Plan. Band sechs soll sich nun der Birgelener Mühle widmen, mit der vor mehr als 30 Jahren seine Sammelleidenschaft einmal begonnen hat.

(anna)