Fotokünstler zeigen Werke zum feuchten Element im Bergfried

Ausstellung im Wassenberger Bergfried : Wasser in all seinen vielen Facetten

Ein Tropfen, ein Fluss, ein ganzes Meer, mit Wasser in all seinen Facetten haben drei Fotokünstler experimentiert, die ihre Werke an fünf Sonntagen im Wassenberger Bergfried ausstellen.

Schon kleine Kinder seien von diesem Medium fasziniert, erklärte Bürgermeister Manfred Winkens in seiner Begrüßung zur Vernissage. Man müsse ihnen nur einen Behälter mit Wasser hinstellen, um sie zum Spiel damit zu motivieren.

„Sie müssen uns unbedingt erklären, wie ein solches Bild entsteht!“, betonte er beim Blick auf die Wassertropfen-Aufnahmen von Peter Kremer, bevor dieser kurz in die Ausstellung einführte. Wie er haben auch Helmut Heutz und Willi Palm, zwei seiner Freunde aus der Fotogruppe Gerderath, je 15 Motive für die Ausstellung ausgewählt, alle im Format 60 mal 40 Zentimeter, die für die nächsten Wochen die roten Ziegelwände des Bergfrieds zieren.

Eineinhalb Jahre lang habe man die Ausstellung vorbereitet und finde nun im Bergfried wirklich optimale Bedingungen vor. Dabei lobte Kremer nicht nur den Ausstellungsort, sondern wie schon Winkens zuvor auch die gute Organisation der Ausstellung durch Gabi Jansen von der Kunst, Kultur und Heimatpflege gGmbH.

Kremer selbst, der in Erkelenz-Houverath lebt, begeistert in der Ausstellung mit seiner Fotografie von Tropfen gefärbten Wassers. Seine Arbeit habe über die Fotografie an sich hinaus auch ganz viel mit Technik zu tun, schwärmt er von seinem Hobby, zu dem er vor sieben Jahren durch Mitaussteller Heutz gekommen ist. Er habe ihn damals zu einem ersten Workshop animiert.

„Durch stetes Selbststudium und mehrere Workshops bei Daniel Nimmervoll habe ich meine Highspeed-Fotografie immer weiterentwickeln können“, erklärte er dem interessierten Betrachter. Und er verriet auch, wie er zu diesen eindrucksvollen Aufnahmen kommt, in denen er einzelne Tropfen in ihren jeweils ganz egoistisch gewählt scheinenden Formen einfriert. „Der Blitz macht das Bild“, sagte Kremer. Sechs Blitzlichter seien im Einsatz, wenn aus drei Ventilen ganz kurz nacheinander drei Tropfen ins Wasser fallen würden. Einer, der wieder aufsteigt, trifft auf zwei weitere, die gerade herunterfallen. „Jedes Bild ist ein Unikat“, betonte er.

So ist das auch bei Helmut Heutz aus Erkelenz-Gerderath, bei dessen Aufnahmen trotz aller interessanten Wasserexperimente immer noch der Mensch im Mittelpunkt steht. Gerne berichtete auch er bei der Vernissage über die Entstehungsgeschichte seiner Bilder, etwa zu dem mit der „Wasserkette“, die das Dekolleté einer Frau schmückt. Entstanden ist das Bild mit Hilfe eines mit Wasser gefüllten Luftballons, der durch eine Nadel zum Platzen gebracht wird und dessen Inhalt Heutz dann mit einer Belichtung von einer 20.000stel-Sekunde fotografierte.

„Vor allem aber versuche ich Stimmungen wiederzugeben“, betonte er und zeigte auf das Foto-Paar der einen Frau in Rot, umgeben von weichem Wasser, und dem anderen mit der Braut, auf die das Wasser hart herunterprasselt, „als sie erfährt, dass ihre Ehe zu Ende ist“. Weiter setzt er seine Fotokunst ein für eine zeitkritische Auseinandersetzung mit Umweltthemen, die in der Ausstellung etwa das Seepferdchen symbolisiert, das sich unter Wasser an einem Wattestäbchen festhält.

Dritter im Bunde ist schließlich Willi Palm, ebenfalls aus Erkelenz-Gerderath. Er widmet sich vor allem der Natur- und Landschaftsfotografie. Für die Ausstellung im Bergfried hat er vor allem Aufnahmen ausgewählt, die im „Valée de la Hoёgne“ in Belgien entstanden sind. Und er bildet fotografisch gesehen quasi den Gegenpol zu den Highspeed-Aufnahmen von Heutz und Kremer, denn er hat seine zudem bewusste Entscheidung zu Schwarz-Weiß-Fotografien mit Motiven umgesetzt, die er bis zu mehreren Minuten belichtet hat. Auch dies gibt dem Element Wasser in seinen Bildern eine ganz besondere Präsenz.

Zu sehen ist die Ausstellung im Bergfried noch an den kommenden Sonntagen, 28. Juli, 4., 11. und 18. August, jeweils von 14 bis 18 Uhr.

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