Hückelhoven: „Flüchtlingspaten“ bauen ihr Netzwerk aus

Hückelhoven: „Flüchtlingspaten“ bauen ihr Netzwerk aus

Regionaldekan Gottfried Maria Graaff bemühte eine alte Geschichte und traf damit den Nagel auf den Kopf: „Die Herbergssuche ist gerade zur Weihnachtszeit absolut marktgerecht: Maria und Josef waren auf der Flucht in der Hoffnung auf ein besseres Leben.“

Der Geistliche spielte damit auf ein überaus weltliches Problem an, dem sich in diesen Tagen die Städte und Gemeinden auch in unserem Land gegenübergestellt sehen: Sie müssen fast täglich Menschen aufnehmen, die auf der Flucht sind, die wegen Krieg, Gewalt, politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Not bei uns Zuflucht suchen. In Hückelhoven wurde jetzt eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt, dem Katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg, der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven, der Caritas für die Region Heinsberg und der Evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung: die Stärkung des ehrenamtlichen Projektes „Flüchtlingspaten“.

„Sie kommen nicht freiwillig“

160 Menschen aus 31 Nationen auf der Flucht leben derzeit allein in Hückelhoven — und täglich kommen neue hinzu. „Jeder dieser Menschen hat eine eigene Geschichte“, sagte Bürgermeister Bernd Jansen. Und: „Sie kommen nicht freiwillig, sie sind Flüchtlinge.“ Es freue ihn außerordentlich, dass in Hückelhoven ein Projekt entstanden ist, das „diesen Menschen eine Kultur des Willkommenheißens“ anbieten will. Denn Deutschland ist für sie ein fremdes Land. Die Kultur und die Sprache sind ihnen nicht vertraut. „Sie haben schwierige Fluchtwege hinter sich und sind aufgrund der Zustände und Erlebnisse in ihrem Heimatland zum Teil traumatisiert.“ Schon im Oktober 2013 wandte sich Ulrike Minkenberg an das Sozialamt und die Ehrenamtskoordinatorin der Stadt Hückelhoven mit der Idee, ehrenamtlich Flüchtlinge zu unterstützen. Aus dieser Idee und diesem Engagement ist nun das Projekt „Flüchtlingspaten“ entstanden. „Die Eigendynamik, die sich seit einem Jahr entwickelt hat, ist einfach toll. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Hückelhoven und den verschiedenen Gruppierungen, die sich in diesem Projekt zusammenfinden, ist großartig“, sagte Ulrike Minkenberg bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zum Projekt „Flüchtlingspaten“.

Engagierte Menschen wollen darin ein Netzwerk schaffen, das den Flüchtlingen, die es nach Hückelhoven verschlagen hat, Hilfe anbietet, sich in ihrer neuen Umgebung einzufinden. Die Aufgaben der Flüchtlingspaten sind vielseitig und anspruchsvoll. Es geht darum, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz zu vermitteln. Dies geschieht durch konkrete Alltagsbegleitung wie beispielsweise in Form von Unterstützung bei Einkäufen, Behördengängen oder auch bei Arztbesuchen, aber auch durch das Kennenlernen der Kultur und die gemeinsame Freizeitgestaltung. Gleichzeitig wird durch den Kontakt eine Verbesserung der Sprachkenntnisse erreicht.

Aber diese Flüchtlingspaten brauchen für ihre Aufgabe Unterstützung, Begleitung und Betreuung, Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen und vor allen Dingen rechtliche und versicherungstechnische Absicherung. Aus diesem Grunde wurden zahlreiche Gespräche und Verhandlungen geführt, um wichtige Kooperationspartner vor Ort zu gewinnen, die dazu beitragen, das Projekt weiter voranzubringen, die Nachhaltigkeit zu gewährleisten und damit den geeigneten Rahmen um die Gruppe der ehrenamtlichen Flüchtlingspaten bilden.

Aus den Reihen der Flüchtlingspaten wurden Ulrike Minkenberg als Sprecherin sowie Walburga van Heel und Bernadette Schmitt als Vertreterinnen gewählt. Gemeinsam werden alle die Herausforderung annehmen und das Projekt weiterentwickeln. Gleichzeitig ist es allen Aktiven im Projekt wichtig, die Entwicklung offenzuhalten. Dies bedeutet auch, dass es nicht ausgeschlossen ist, künftig weitere Kooperationspartner mit ins Boot zu nehmen. „Wir nehmen jeden auf, der sich in irgendeiner Form glaubt, einbringen zu können“, sagte Petra Hudler als Ehrenamtskoordinatorin der Stadt.

Integrative Gruppen in der Schule

Und Bürgermeister Bernd Jansen („Wir müssen die Blockaden im Kopf der Menschen knacken. Die Flüchtlinge sind oft Menschen, die viel Potenzial mitbringen. Die wollen uns nicht Hab und Gut wegnehmen.“) kündigte an, dass die Stadt Hückelhoven jetzt das Problem der Beschulung der Kinder von Flüchtlingsfamilien anpacken werde: „Wir arbeiten daran, inte-grative Gruppen in einer Grundschule zu bilden.“

Flüchtlingen Hilfe anzubieten, sagte Regionaldekan Graaff, sei eine schwierige Aufgabe, die man gemeinsam angehen müsse: „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, diesen Menschen einen Raum zu geben.“

(kalauz)