Volksbank: Filialnetz wird ausgedünnt

Volksbank : Filialnetz wird ausgedünnt

Die Volksbank Mönchengladbach hat ihr Filialnetz im Erkelenzer Land auf den Prüfstand gestellt. Bei der Analyse des Geldinstituts stellte sich heraus, dass der persönliche Bankservice vor Ort von immer weniger Kunden wahrgenommen wird. Immer mehr Kunden regeln hingegen die kleinen Bankgeschäfte und Überweisungen online und kommen nur bei beratungsintensiven Vorhaben wie Baufinanzierungen persönlich auf die Bank zu.

Diesem Trend will die Volksbank mit einer sogenannten „Omnikanalstrategie“ gerecht werden. Und mit der Schließung beziehungsweise Umwandlung von kleineren Filialen. Das betrifft die Filialen in Hilfarth, Gerderath und Rath-Anhoven.

„Wir wollen da sein, wo unsere Mitglieder und Kunden sind“, sagt Vorstandsvorsitzender Dr. Veit Luxem. Foto: Helmut Wichlatz

„Der Kunde wird zunehmend unsichtbarer“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Veit Luxem nun in Erkelenz. Dennoch habe die Bank den Anspruch, persönlich beraten zu wollen. Schon heute würden mehr als 80 Prozent der Überweisungen online getätigt. Die Filiale vor Ort mit ihren mindestens zwei Mitarbeitern hingegen vermelde teils einstellige Zahlen pro Tag bei den althergebrachten Papierüberweisungen. Eine Rechnung, die sich für die Banker nicht auszahlt. Deshalb habe nach eingehender Prüfung die Reißleine gezogen werden müssen.

Betroffen sind die drei Filialen mit dem geringsten Umsatz und Geschäftsvolumen im Netz der 25 Voba-Filialen im Erkelenzer und Mönchengladbacher Raum. Rath-Anhoven mit 50 Millionen, Gerderath mit 38 und Hilfarth mit 36 Millionen Euro Kundengeschäftsvolumen haben in diesem Sinne die rote Laterne. Zum Vergleich: Die Filiale in Erkelenz weist ein Volumen von 549 Millionen Euro auf, gefolgt von Neuwerk mit 426 und Wegberg mit 314 Millionen Euro.

„Absterbender Ast“

Um die Tragfähigkeit einer Filiale zu gewährleisten, seien rund 3500 Bankkunden im Einzugsgebiet nötig, erläuterte Vorstand Franz D. Meurers. In Gerderath seien dies gerade einmal rund 1400, in Rath-Anhoven und Hilfarth jeweils rund 800.

In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und ohne personelle Konsequenzen für die Belegschaft handelte der Vorstand und beschloss die Schließung der Hilfarther Filiale an der Breite Straße zum 31. Oktober. Ab diesem Stichtag werden die Filialen in Gerderath und Rath-Anhoven als reine SB-Filialen ohne Personal weiter betrieben. Und selbst letzteres habe keine Zukunft, betonte Vorstand Josef Brück und sprach von „tiefroten Zahlen“. Das Volumen an Abhebungen am Automat reiche nicht aus, um die monatlichen Kosten der Geldausgabeautomaten zu decken. Sein Vorstandskollege Luxem bezeichnete die Automaten als „absterbenden Ast“ im Portfolio der Bankdienstleistungen. „Die Versorgung mit Bargeld wird flächendeckend abnehmen“, lautete sein Urteil. Dafür gebe es die Apps und Dienste wie „Kwitt“, um den bargeldlosen Alltag zu organisieren. In diesem Segment schärft die Volksbank ihr Dienstleistungsprofil, um mit dem digitalen Kunden auf Augenhöhe zu bleiben.

Interne Prüfungen dieser Art sind nicht neu und hätten nichts mit der Fusion der beiden Genossenschaftsbanken aus Erkelenz und Mönchengladbach zu tun, sagten die Vorstände. Die letzten Filialschließungen im Erkelenzer Geschäftsgebiet hatte es vor neun Jahren gegeben. Damals waren die Filialen in Merbeck, Beeck, Kückhoven, Doveren und Orsbeck betroffen. Auch im Mönchengladbacher Geschäftsgebiet hatte es vor dem Zusammenschluss der beiden Banken eine Prüfung gegeben. Auch damals seien Anpassungen erfolgt, betonte Meurers.

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