Kommentar : Filialen müssen kein Selbstzweck sein

Kommentar : Filialen müssen kein Selbstzweck sein

Von Nicola Gottfroh

Bei dieser Meldung pfeift man erst einmal leise durch die Zähne. Die Kreissparkasse zieht das Personal ab – in 13 von 39 Filialen. Also gar ein Drittel der Geschäftsstellen macht dicht. Da schrillen die Alarmglocken, man wähnt sich gleich in der Servicewüste Kreis Heinsberg, bargeldlos, kreditlos, hoffnungslos. Aus dem Dorf ist der letzte Metzger längst verschwunden, und nun auch noch das letzte „Geschäft“, die verbliebene Oase, die gute, alte Sparkasse.

Wo soll das alles noch hinführen? – Am Ende wohl in die Realität! Letztlich ist die Entscheidung der Kreissparkasse, einen Teil der teuren und zum Teil überdimensionierten Filialen zu schließen, nur folgerichtig. Überspitzt gesagt: Wenn am Tag nur noch wenig mehr Kunden als Mitarbeiter in die Geschäftsstelle treten, wenn die Filialen nur noch Selbstzweck sind, um die rote Flagge hochzuhalten, dann ist es richtig, eine solche Filiale zu schließen. Auch die Sparkasse muss schauen, wo sie bleibt. Denn es gibt viele Mitbewerber, die unser Geld möchten. Große Onlineriesen haben den Bezahlmarkt schon lange im Blick und wollen ein Stück vom lukrativen Kuchen. Und allesamt können sie dies kostengünstiger gestalten, da sie kein teures Filialnetz betreiben. Da ist den Kunden und der Region doch mehr gedient, mit einem Unternehmen, das auch vor Ort Steuern zahlt und investiert. Die Sparkasse lässt auch jetzt ihre Kunden auf dem Dorf nicht im Stich. Denn sie bietet mit dem neuen Truck eine rollende Filiale. Das sogar mindestens einmal pro Woche. Häufiger muss sicher auch der härteste Online-Banking-Verweigerer keine Bankgeschäfte erledigen, die über das bloße Geldabheben hinausgehen. Die Menschen im Kreis Heinsberg werden ihren Weg durch die Wüste gewiss finden – und dank des Trucks auch nicht verdursten.

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