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Feuerwehr: ABC-Speziallehrgang im Kreis Heinsberg

ABC-Speziallehrgang : Gut gerüstet, falls etwas schief geht

Durch den kontinuierlich wachsenden Güterverkehr auf Straßen, Schienen und Schifffahrtswegen steigen die Anforderungen an die Feuerwehren in Deutschland stetig an.

Um für die Gefährdungen von atomaren, biologischen und chemischen Gefahrstoffen – insbesondere bei Transportunfällen – gerüstet zu sein, absolvierten nun 22 Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet einen fünfwöchigen Speziallehrgang.

„Regelmäßig fahren unzählige Transportfahrzeuge durch die Straßen im Kreis Heinsberg, darunter auch zahlreiche Gefahrguttransporter. Neben dem Durchgangsverkehr in die Niederlande liefern unter anderem Kleintransporter Gefahrgüter in Form von Medikamenten oder Röntgenstrahler in Apotheken, Krankenhäuser und Radiologische Praxen“, sagt der Pressesprecher der Feuerwehr, Oliver Thelen. Die Gefahrstoffe seien in der Regel auch bei Unfällen sicher verpackt. „Sollte jedoch einmal etwas schief gehen, rückt die ABC-Einheit als Spezialeinheit für die Bekämpfung von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren aus“, so Thelen.

Gefahren abwehren

In dem rund 70-stündigen Lehrgang vermittelten Lehrgangsleiter Brandoberinspektor (BOI) Marcel Huken und sein Team, wie die Teilnehmer den entsprechenden Stoff identifizieren können und welche Möglichkeiten der Gefahrenabwehr es gibt.

Da die Chemikalienschutzanzüge gasdicht sein müssen, tragen die Einsatzkräfte zusätzlich schweren Atemschutz in dem Anzug. Foto: Oliver Thelen

Nach der umfangreichen aber spannenden theoretischen Wissensvermittlung stand zunächst die Gewöhnung an die unhandlichen Chemikalien-Schutzanzügen (CSA) auf dem Programm. Dabei wurde den Teilnehmern gleich zu Beginn deutlich, dass Teamwork bei ABC-Einsätzen eine enorm wichtige Rolle spielt. Denn bereits das An- und Ausziehen des wasser- und gasdichten Vollschutzanzuges ist nur mit der Hilfe weiterer Einsatzkräfte möglich. Da dies ebenfalls bedeutet, dass keine Atemluft von Außen in den Anzug gelangen kann, nehmen die Einsatzkräfte ihren eigenen Luftvorrat in Form von Atemschutzgeräten mit in den Anzug.

Um sich an den großen und schweren Anzug zu gewöhnen, „spazierten“ die Teilnehmer in ihren Schutzanzügen durch Gangelt und sorgten für ausreichend Gesprächsstoff bei den Anwohnern. Wenig später galt es für die Teilnehmer, das erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen. In einem Übungscontainer lernten die Teilnehmer, Leckagen an Rohrleitungssystemen abzudichten. Bei den anstrengenden Arbeiten spielt Teamwork eine besonders wichtige Rolle, denn unter den schweren Vollschutzanzügen ist eine Kommunikation nur eingeschränkt möglich.

Eine weitere wichtige Rolle ist die Dekontamination der Einsatzkräfte und der Schutzausrüstung. Insbesondere bei biologischen Gefahrstoffen spielt die Einsatzstellenhygiene eine wichtige Rolle. Dank der Mitwirkung des ABC-Zuges des Kreises Heinsberg hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, zwei verschiedene Aufbauszenarien des Dekontaminationsplatzes kennenzulernen. Bei der Abschlussprüfung konnten die Teilnehmer dann ihr Können unter Beweis stellen: Bei mit Gefahrstoffen beladenen Kesselwagen war im Bahnhof Schierwaldenrath eine Leckage aufgetreten. Dank der guten Ausbildung war dieses Szenario für die Teilnehmer jedoch kein Problem. Gut geschützt in ihren schweren Schutzanzügen konnten die Einsatzkräfte den Gefahrstoff identifizieren und die Leckage abdichten. Anschließend wurden die Schutzanzüge der eingesetzten Kräfte gereinigt und dekontaminiert.

Kreisbrandmeister Klaus Bodden überzeugte sich gemeinsam mit Führungskräften der Feuerwehren des Kreises Heinsberg bei der Abschlussprüfung von der guten Qualität der Ausbildung. Er dankte den Teilnehmern für ihr Engagement und hob hervor, dass insbesondere dieser Bereich ein hohes Fachwissen erfordert.