Ferienspiele in Erkelenz: Legal und kreativ gesprüht

Ferienspiele in Erkelenz : Legal und kreativ gesprüht

Auch in diesem Sommer zog der Grafitti-Workshop im Jugendheim Katho die Kinder an. Zum vierten Mal haben der Heinsberger Sprayer Sören Walluga und die Sozialpädagogin Christina Meyers den Workshop auf die Beine gestellt, in dem es um das geht, was viele Hausbesitzer gar nicht schätzen: Grafitti.

Zumeist farbenfrohe und modern anmutende Darstellungen von Dingen, die man nicht kennt und die gerne über Nacht auf einmal an der zuvor „sauberen“ Hauswand auftauchen. Um solche Ärgernisse geht es bei dem Workshop im Rahmen der städtischen Ferienspiele nicht, sondern um die kreative anstelle der kriminellen Seite des Sprayens.

Trotzdem gab es gleich zu Beginn ein paar rechtliche Belehrungen über die Konsequenzen, wenn der Eigentümer der Wand nichts von seinem Glück und dem Grafitto weiß. „Je älter die Kursteilnehmer werden, umso mehr Zeit widme ich dieser Aufklärung“, sagt Walluga, der selbst mit 15 Jahren begonnen hat zu sprayen. „Ich habe auch Ärger bekommen“, räumt er ein. „Daher ist die rechtliche Belehrung am Anfang des Workshops wichtig.“

Heute arbeitet der zweifache Vater als Krankenpfleger. Gesprayt wird nur noch auf Anfrage und bei Workshops, die er regelmäßig für Jugendliche anbietet. Anstelle der Hauswände sind Spanplatten oder Keilrahmen getreten. Die Workshops sind beliebt, wie Sozialpädagogin Meyers weiß. Im vorigen Jahr waren es noch 20 Teilnehmer, doch in diesem Jahr wurde die Teilnehmerzahl auf zwölf beschränkt. So könne man sich intensiver um jeden einzelnen Teilnehmer kümmern.

Und das ist nötig, denn ein Graffito, das was hermachen will, sollte gut vorbereitet sein. Und so entwarfen die Jugendlichen zuerst ihre Motive und stellten Schablonen her, die dann als Grundlage für ihr Kunstwerk dienten. Die großflächigeren farbenfrohen und kreativen Ergebnisse des Workshops werden im Gebäude des Katho aufgehängt. Denn kaum ein Jugendzimmer bietet an den Wänden Platz für eine Spanplatte von graffititauglichen Ausmaßen. Deshalb wurden auch kleine Bilder hergestellt, die bei Oma über dem Sofa Platz haben. „Das Schwierigste ist das Warten, bis eine Schicht getrocknet ist“, verriet Walluga.

Dazu kam der fachgerechte Umgang mit den Sprühdosen, die bis zu vier Euro pro Stück kosten können. Rund 140 Dosen mit Sprühfarbe gingen an den drei Tagen drauf. Bei den Motiven und Themen waren den jungen Künstlern keine Grenzen gesetzt. Sie konnten aus Wallugas persönlichem „Bilderbuch“ ein Motiv aussuchen oder sich selbst etwas ausdenken.

Die elfjährige Angelina hatte sich für ein leuchtend pinkfarbenes Hinweisschild für ihre Kinderzimmertür entschieden: „Kids only!“ Andere hatten schon eher kosmische Motive im Sinn und versuchten sich in der Herstellung einer Ufo-Schablone. Das neue Hobby auch auszuüben, könnte für die jungen Grafitti-Künstler jedoch noch schwieriger werden. Denn die einzige Möglichkeit in Erkelenz, um legal seinem Graffiti-Hobby nachzugehen, ist an der Skate-Anlage am Adam-Stegerwald-Hof. Für die nächsten Wände muss man dann schon bis Neuss oder Mönchengladbach fahren.

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