Feier zur Schließung der Hauptschule Oberbruch

Hauptschule Oberbruch wird geschlossen : Die Hauptschulglocke läutet ein letztes Mal

Um Punkt 15 Uhr erklang in der Aula des Oberbrucher Schulzentrums am Samstag der Schulgong symbolisch zum letzten Mal für die Hauptschule. Nach 51 Jahren wird sie geschlossen.

Schulleiter Christian Häntsch musste jedoch dann noch einmal von Hand die echte alte Schulglocke läuten, ehe sich auch die vielen ehemaligen Schüler und Lehrer, die zur Abschiedsfeier gekommen waren, aus ihren Gesprächen lösen und auf einem Stuhl niederlassen konnten.

Zum „Schulschließungsfest“ begrüßte Häntsch offiziell, bevor er den letzten Wochen der im Stadtgebiet noch verbliebenen Hauptschule das Bild eines fahrenden Zuges gab, der dem Endbahnhof Schuljahresende 12. Juli entgegenfährt. Er erinnerte zunächst an die Geschichte der Hauptschulen, die Ende der 1960er-Jahre auch in Heinsberg an der Westpromenade, in Kirchhoven und in Oberbruch gegründet worden waren. NRW-Kultusminister Fritz Holthoff habe Ende der 1960er-Jahre die damalige Volksschule in vier Jahre Grund- und vier Jahre Hauptschule aufgeteilt.

Die Hauptschule habe drei große Reisezugwagen gehabt, blieb der Schulleiter beim Bild des Zuges: Teilhabe, Berufsorientierung und soziale Verantwortung. Lernen mit Kopf, Herz und Hand sei dabei weder Logo, Stempel noch Dienstanweisung gewesen. „Lernen mit Kopf, Herz und Hand war unser tägliches Brot. So konnten wir und wollten wir Menschen bilden.“ So habe es in der Oberbrucher Hauptschule schon Anfang der 1990er-Jahre gemeinsamen Unterricht mit Schülern mit Förderbedarf gegeben. „Da lebten wir schon Teilhabe, lange bevor jemand das Wort Inklusion aussprechen konnte.“ Das rein Menschliche sei in der Hauptschule stets großgeschrieben worden. „Hier waren die Kümmerer unterwegs, die Menschen, die auch zuhören konnten.“

Musiker der Band Rur-Rock sorgten für den musikalischen Rahmen der Feier. Foto: Anna Petra Thomas

Dennoch hätten demografischer Wandel und das stetige Streben nach Veränderungen im Schulwesen zu immer weniger Akzeptanz als Schulform Hauptschule geführt, und so habe der Stadtrat 2012 das Ende der Hauptschule beschlossen. 2014 sei der Beschluss gefolgt, die Hauptschule an der Westpromenade aufzulösen und sie mit der Hauptschule Oberbruch zu fusionieren. „So wurde abgekoppelt und angekoppelt – und all dies bei laufender Fahrt. Ein Job für echte Stuntmänner und -frauen, Hauptschullehrer eben.“

Der Abschied falle sichtlich nicht leicht, betonte Bürgermeister Wolfgang Dieder. Aber 51 Jahre erfolgreiche pädagogische Arbeit dürften auch gefeiert werden. „Dieses Engagement wird sehr, sehr positiv in die Schulgeschichte eingehen.“ Dabei lobte Dieder, dass dieses in Oberbruch bis zuletzt sehr ernst genommen worden sei und auch die Eltern ihr Vertrauen in die Schule behalten hätten.

Die Oberbrucher Hauptschule sei oft ein pädagogischer Vorreiter gewesen, lautete das Lob von Schulamtsdirektor Jürigen Rudig in einem von Lehrer Stefan Huppertz verlesenen Brief.

Auf der roten Couch erinnerte sich zunächst der ehemalige Heinsberger Schulleiter Matthias Reinartz an so einige Anekdoten aus 37 Jahren Tätigkeit vor Ort. Damals seien 70 Prozent aller Schüler selbstverständlich zur Hauptschule gegangen, erzählte er. Veronika Jansen berichtete gar aus 42 Jahren als Lehrerin in Oberbruch. „Es war eine schöne Zeit. Ich bereue nichts“, lautete ihr Fazit. Marcel Seiler berichtete abschließend amüsant über die gemeinsame Zeit beider Hauptschulen, in der es galt, gewachsene Traditionen beider Schulen zu vereinen.

Auf der roten Couch erzählte die ehemalige Lehrerin Veronika Jansen (r.) im Gespräch mit Sina Färber so manche lustige Anekdote aus ihren 42 Jahren als Lehrerin in Oberbruch. Foto: Anna Petra Thomas

Für den musikalischen Rahmen sorgten Musiker der Band Rur-Rock, die auch noch einmal die besonders enge Kooperation der Hauptschule mit der benachbarten Rurtal-Schule, der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung des Kreises Heinsberg, verdeutlichte. Sehr wehmütig sprach dann auch deren Schulleiter Volkmar Gilleßen seine Abschiedsworte. „Das war wie ein Märchen!“, betonte er mit Blick auf das gemeinsame Bandprojekt.

„Das muss uns erst Mal ein anderes Schulsystem vormachen!“, lautete das Fazit von Schulleiter Häntsch nach mehr als eineinhalb Stunden, in denen das vielfältige Engagement der Heinsberger und Oberbrucher Hauptschule über die vergangenen Jahrzehnte deutlich geworden waren. Seinem Dank an alle Beteiligten an dieser Feier folgte ein „Tschö Hauptschule!“

Und noch ein letztes Mal ertönte in seiner Hand die alte Schulglocke.

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