„Frauen bei Glanzstoff“: Faszinierender Blick in die Rolle der Frau

„Frauen bei Glanzstoff“ : Faszinierender Blick in die Rolle der Frau

„Frauen bei Glanzstoff“ heißt die dritte Sonderausstellung im Begas Haus in Heinsberg, die sich mit der Geschichte der Vereinigten Glanzstoff AG befasst. Zur Eröffnung waren viele interessierte Bürger gekommen. Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann begrüßte die Gäste im oberen Saal des Hauses unter dem historischen Dachgebälk.

Müllejans-Dickmann freute sich, dass das Konzept aufgegangen sei, mit diesen Ausstellungen nach der Umstrukturierung des Hauses vor fünf Jahren auch die Bürger ins Begas Haus zu holen, die sich vor allem für die Regionalgeschichte interessieren. Ihr Dank galt Jakob Wöllenweber, Vorsitzender des Fördervereins Industriepark Oberbruch, und seinem Team von 20 Ehrenamtlern, die das Konzept der Ausstellung erstellt hätten. 

Für den Mäzen der Ausstellung, die Kreissparkasse Heinsberg, sprach am gestrigen Sonntag deren Vorstandsmitglied  Dr. Richard Nouvertné zu den Vernissagebesuchern. Nouvertné hatte selbstkritisch in die Bücher seines Unternehmens geschaut. Im Vergleich zum Glanzstoffwerk habe sich in Bezug auf die Rolle der Frau sicherlich einiges bewegt, doch die Führungsebene der Kreissparkasse sei auch heute noch nicht zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt. Richard Nouvertné regte die Ausstellung „Frauen bei der Kreissparkasse“ an – Eröffnung in 50 Jahren mit Blick auf die heutige Zeit.

Angeregte Gespräche über die Rolle der Frau ergaben sich anhand der Exponate schon zur Vernissage der Ausstelllung „Frauen bei Glanzstoff“. Foto: Dettmar Fischer

Beim Blick auf die Frauen bei Glanzstoff können die Besucher der aktuellen Ausstellung vieles entdecken. Schon bei der Vernissage sah man viele Gäste diskutieren, die einen sich erinnernd an eine Zeit, die sie selber erlebt hatten, die anderen bei dem Versuch, eine Zeit zu verstehen, die ihrer Gegenwart vorausgegangen war.  Im Zentrum der Präsentation stehen Frauenkleider, regelrechte Kostüme. Teilweise stammen sie aus dem Fundus des Fördervereins. Zwei Kleider sind aber nach Werbematerial der Glanzstoff AG von der Modedesignerin Aïcha Gerards aus Tüddern entworfen worden. Die Modelle geben einen schönen Einblick in die Zeit der 1950er Jahre.

Rund um den „Laufsteg“ gibt es viel zu lesen und zu schauen. Die Rolle der Frau im Werk wird so manches Schmunzeln auf die Lippen der Besucher zaubern. Die Frage „Wie kommt Frau Luckner auf den Gabelstapler?“ würde heute sicherlich nicht mehr im Werksblatt eines großen Unternehmens abgedruckt werden.

Jakob Wöllenweber (r.) stellte im Namen des Fördervereins Industriepark Oberbruch den Vernissagebesuchern im Begas Haus die Sonderausstellung „Frauen bei Glanzstoff“ vor. Foto: Dettmar Fischer

Jakob Wöllenweber freute sich in seiner Ansprache über die positive Resonanz, die die beiden Vorgängerausstellungen erfahren hatten. Mit der aktuellen Ausstellung sei man dem vielfach geäußerten Wunsch nachgekommen, die Frau einmal in den Mittelpunkt einer Glanzstoff-Ausstellung zu stellen. Wöllenweber: „Mit dieser Ausstellung wollen wir die Leistungen und den Einfluss der Frauen würdigen, die bei dem Aufbau und dem Erfolg des Standortes Oberbruch eine entscheidende Rolle gespielt haben.“ Dabei hätten die Frauen viele Widerstände überwinden müssen, sich in der industriellen Welt behaupten und in den Kriegsjahren die Arbeitsplätze vieler Männer einnehmen müssen, damit die Produktion weitestgehend fortgeführt werden konnte. Wöllenweber zitierte Max Fremery, den Gründungsvater der vereinigten Glanzstoff Fabriken, der vor 100 Jahren folgenden Standpunkt vertreten habe: „Kein Faden ohne die Frau.“ Über die Jahre hinweg, so Wöllenweber, habe der Anteil der Frauen an der Belegschaft 40 bis 45 Prozent betragen.

Den modischen Part der Sonderausstellung „Frauen bei Glanzstoff“ wird das Team des Begas Haus am Sonntag, 10. Februar, mit einer Modenschau noch einmal besonders hervorheben. Um 14 und 16 Uhr wird das Team den Catwalk in den Kostümen betreten, die derzeit an Schaufensterpuppen drapiert in der Ausstellung zu sehen sind. Die Ausstellung selber kann noch bis zum 10. März besichtigt werden.

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