Expertentagung: Schulentwicklung im Kreis Heinsberg bewusst steuern

Expertentagung : Schulentwicklung bewusst steuern

Die neue, kreisweite Schulentwicklungsplanung liegt vor. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung, zu der Mitglieder des Kreistags, des Kreisschulausschusses, der Räte der kreisheinsberger Kommunen, Schulleiter, Schulaufsicht sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete in die Aula Hückelhoven eingeladen waren, stellte Wolf Kraemer-Mandeau von der Projektgruppe Bildung und Region aus Bonn den wegweisenden Plan vor.

Landrat Stephan Pusch begrüßte die Zuhörer. Er verwies darauf, dass, als vor rund achteinhalb Jahren die erste kreisweite Schulentwicklungsplanung vorgestellt worden sei, ein neuer, viel beachteter und vorbildhafter Weg beschritten worden sei. Dass der Kreis Heinsberg als ländlicher Raum eine gut strukturierte Schullandschaft aufweise, sei der seinerzeitigen vorbildhaften Schulentwicklungsplanung zu verdanken, stellte Pusch fest. „Sie war für den Kreis, die Kommunen und damit auch die vielen Schulträger wegweisend und sehr hilfreich.“ Und Pusch fügte hinzu: „Wir haben das Ende zahlreicher Hauptschulen erlebt und es geschafft, auf der Basis der Schulentwicklungsplanung nicht nur für Ersatz, sondern für eine strukturelle Verbesserung zu sorgen. Gleiches gilt für den Bereich der Förderschulen.“ Schulentwicklungsplanung sei eine komplexe Angelegenheit. Eine Schullandschaft sei stetigen Veränderungen, Neuerungen, Strömungen und sich plötzlich ergebenen Entwicklungen ausgesetzt.“

Und Stephan Pusch folgerte: „Wohl dem, der dann die Instrumente in der Hand hält, dies alles vernünftig zu kanalisieren. Genau darum geht es bei der Schulentwicklungsplanung.“ Der Landrat zitierte John F. Kennedy: „Es gibt nur eines, was auf Dauer noch teurer ist als Bildung, nämlich keine Bildung.“ Beste Rahmenbedingungen, größte Anstrengungen und gemeinsames Handeln und Investieren im Bereich der Schulen sei unverzichtbar. Allerdings müsse man auch beobachten, dass die Zahl der Schulen geringer geworden sei. Vor allem bei den Grund- und Hauptschulen sei ein signifikanter Rückgang messbar. Die Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung müsse auf vielfältige Weise flankiert werden, so Pusch. „Insofern ist die kreisweite Schulentwicklungsplanung eine Einladung und Aufforderung an alle Akteure im Bereich Bildung, gemeinsam zu agieren und weiterhin den Konsens zu sichern.“

Auch Wolf Kraemer-Mandeau von der Projektgruppe Bildung und Region aus Bonn hatte festgestellt, dass der Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 2010 auf der Ebene des Kreises Heinsberg und auf der der Kommunen seinerzeit eine große Zahl konkreter Beschlüsse seitens des Kreises, aber vor allem auch der einzelnen Kommunen herbeigeführt habe. Schulentwicklungsrelevante Daten und zentrale Trends im schulischen Bereich seien aufgearbeitet worden. Auf der Datenbasis in dieser Planung hätten sich die Kommunen überkommunal über ihre Einschätzungen und die „Leitplanken“ der Schulentwicklung verständigt. Ein Gleiches solle auch die Neuauflage des Schulentwicklungplans für den Kreis Heinsberg und seine Kommunen ermöglichen. Dabei habe die Abteilung für die Schulentwicklung im Kreis mit viel Aufmerksamkeit und Mühe Daten von den Schulen nacherhoben und die Gesprächskreise zwischen dem Kreis und den Kommunen organisiert.

Kraemer-Mandeau hob unter anderem diese Beschlüsse hervor: die Gründung einiger Verbundschulen zwischen den Grundschulen; die freiwillige Beschränkung der Zahl der Schüler in den Eingangsklassen der großen weiterführenden Schulen in der Stadt Erkelenz, um vor allem der Stadt Hückelhoven Entwicklungsperspektiven einzuräumen; die Gründung der Gesamtschule in Hückelhoven anstelle der zuvor bestehenden Haupt- beziehungsweise Realschule und die Gründung der Gesamtschule in Gangelt-Selfkant statt der zuvor bestehenden Hauptschulen beziehungsweise der Realschule; die Gründung der Gesamtschule in Heinsberg und nun der Dependance in Waldfeucht anstelle der zuvor bestehenden Haupt-, Real- und Verbundschule; die grundlegende Neugestaltung des Netzes der Förderschulen; die Kooperation zwischen den Berufskollegs sowie die kontinuierliche Absprache der übergreifenden Maßnahmen zwischen den Schulträgern im Kreis Heinsberg.

Die bewusst gesuchte Angleichung der Schülerzahlen durch Steuerungen sei dabei ein wesentliches Merkmal einer solidarischen statt einer konfrontativen Schulentwicklungsplanung. Dennoch sei sie in Nordrhein-Westfalen nahezu singulär geblieben. In Bezug auf den neuen Plan nennt Wolf Kraemer-Mandeau einige Punkte, die zu bedenken sein werden: 1. der fragliche Weiterbestand aller Hauptschulen, 2. das mögliche Nebeneinander von Realschulen und Gesamtschulen an einigen Standorten, 3. die Wiedereinführung eines neunjährigen Gymnasiums mit seinen Effekten für diese Schulform und für die anderen Schulformen, 4. die Entwicklung der Berufskollegs bei den erheblichen demografischen Schwingungen und 5. die partiell mögliche Neuplanung bei den Förderschulen aufgrund der geänderten gesetzlichen Grundlagen.

Die Planung des Kreises Heinsberg, den Bereich der emotional-sozialen Entwicklung an einem neuen Standort in Heinsberg neu einzurichten und diese neu eingerichtete Schule in Richtung von 90 Schülern zu führen, könne gelingen, wenn die Beratung der Eltern, welches System für das jeweilige Kind am besten sei, fachgerecht abgestimmt werde, so der Schulexperte.

Die kreisweite Schulentwicklungsplanung, die auch auf der Homepage des Kreis Heinsberg einzusehen ist, wird unter anderem demnächst Thema bei einem Treffen des Runden Tisches, dem alle Schulträger und die Schulaufsicht angehören, auf der Tagesordnung stehen.

Mehr von Aachener Nachrichten