Europäischer Abend und Projekt Erasmus plus im Gymnasium Hückelhoven

Projekt „Erasmus plus“ : „Müssen Europa unter die Arme greifen“

„Ja“, brachte es Arnold Krekelberg kurz und bündig auf den Punkt, „ja, wir haben die Tür nach Europa weiter aufgestoßen.“ Der Leiter des Hückelhovener Gymnasiums fasste damit den tiefen Eindruck, den seine eigenen Schüler und die aus sechs anderen europäischen Staaten nicht nur bei ihm hinterlassen haben, zusammen.

Krekelberg sagte das beim Europäischen Abend in der mit Schülern voll besetzten Aula des Gymnasiums.

Zu dieser Abschlussveranstaltung des Projektes „Erasmus plus“ waren nicht nur Schüler und Lehrer der beteiligten Schulen aus ganz Europa gekommen, sondern auch politische Vertreter aus Stadt, Kreis, dem Bundestag in Berlin und dem europäischen Parlament in Brüssel. Sicher auch, aber sicher auch nicht nur wegen der am Sonntag anstehenden Wahlen zum europäischen Parlament.

Denn das europaweit an Schulen stattfindende „Erasmus-Projekt“ ist sichtbares Zeichen der Umkehrung eines physikalischen Gesetzes: Schüler aus ganz Europa machen dabei ganz konkret und in der Praxis Druck von unten auf die Politiker nach oben, mit der europäischen Einigung endlich zu Potte zu kommen: Sie da unten zeigen denen da oben, wie und dass es geht.

Drei Jahres lang haben bei diesem Projekt unter Federführung des Gymnasiums Hückelhoven sieben Schulen in sechs auswärtigen Treffen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen gemeinsam zum Thema „Fluch oder Segen – die Herausforderungen moderner Technologien“ auf europäischer Ebene gearbeitet. Die rund 150 Schüler des Gymnasiums Hückelhoven, die daran beteiligt waren, haben dabei mit Schülern aus Carlet in Spanien, Culemborg in den Niederlanden, Hradec Králové in Tschechien, Palermo in Italien, Timisoara in Rumänien und Vezirköprü in der Türkei kooperiert.

Während die Hückelhovener als Projektthema dabei „Moderne und alte Energiequellen; Braunkohle, Hambacher Forst, WEP“ gewählt hatten, beschäftigten sich die niederländischen Schüler beispielsweise mit „Wasser und Landschaft“, die tschechischen Schüler mit „Risiken neuer Technologien, Mobbing, Umgang mit Fake News, Isolation“ oder die aus Rumänien mit der Problematik „Umweltschutz, Klimawandel, Luftverschmutzung“.

Bei der offiziellen Beendigung des Programms im Rahmen des Europäischen Abends in der Aula war die Anspannung der Arbeit der Lockerheit eines unterhaltsamen und im reinsten Sinne „grenzenlosen“ Zusammentreffens gewichen: Es wurde gelacht, gealbert, zugehört, gesungen, gestaunt, gegessen und getrunken. Und geredet wurde natürlich auch: Auf Englisch, das dann flüssig ins Deutsche übersetzt wurde. Sprachbarriere ist für junge Menschen ein Fremdwort: Man verstand sich prächtig, in der Aula jedenfalls war an diesem Abend das Ziel eines geeinten Europa de facto verwirklicht.

Nachdem Bürgermeister Bernd Jansen betont hatte, dass Hückelhoven „mit Menschen aus 120 Nationen, die hier friedlich zusammenleben“, eine „Multikulti-Stadt“ sei, wies der Hückelhovener Schulleiter Arnold Krekelberg auf die aktuelle politische Situation hin, als er den um sich greifenden „Egoismus auf der großen politischen Bühne nicht nur in europäischen Staaten“ kritisierte:

„Wir müssen Europa unter die Arme greifen“, sagte Krekelberg seinen jungen Zuhörern, denen ja bekanntlich die Zukunft gehört. „Unterschiede trennen nicht, sie befruchten.“ Dies sei, so der Leiter des Hückelhovener Gymnasiums, eine ganz wichtige Erkenntnis aus den drei Jahren Arbeit am Erasmus-Projekt. „Und die Erkenntnis, dass wir Probleme nur gemeinsam lösen können. Das macht Mut!“

Noch konkreter wurde Jutta Gebhart, eine ehemalige Lehrerin am Hückelhovener Gymnasium, die heute in der Pulse-of-Europe-Bewegung aktiv ist, als sie sagte: „My country first? Das können wir als Zivilgesellschaft nicht hinnehmen. Wir müssen was für Europa tun. Wir müssen unseren Kindern eine Zukunft für und in Europa geben.“

Für die, die an diesem Abend in der Aula waren, war diese Zukunft schon Gegenwart.

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