Erzählung in Waldfeucht und Heinsberg: Alwin Meisberger begibt sich auf die Spuren der Abendmutter

Roman : Alwin Meisberger begibt sich auf die Spuren der Abendmutter

Der Wahl-Haarener Alwin Meisberger hat sich mit einem Wesen beschäftigt, von dem den Kindern im Raum Heinsberg bereits seit Generationen erzählt wird. Dabei ist ein Roman mit starkem lokalen Bezug entstanden.

Im Heinsberger Land begegnete die „Abendmutter“ in der Regel Kindern und heranwachsenden Jugendlichen. Alwin Meisbergers Kinder waren schon erwachsen, als er sich vor mehr als zehn Jahren erstmals auf die Suche nach der Geschichte um die Abendmutter machte, die sich inzwischen zu einem eigenen mittelalterlichen Roman entwickelte, der in Heinsberg, Waldfeucht, Brüggelchen und dem Kitscher Bruch zwischen Haaren und Karken spielt.

In drei Lesungen spürt er gemeinsam mit seiner Tochter Bettina, mit der er den Roman im Duett kreierte, der Abendmutter am Kitscher Bruch zwischen Haaren und Karken, am Brüggelchener Bolleberg und auf dem Heinsberger Burgberg, den Orten der Romanhandlung nach. „Bevor die Abendmutter kommt“, sollten die Kinder doch bitte zu Hause sein. Sie war ein (unruhiger) Geist, der dafür Sorge trug, die Kinder am Ende des Tages wohlbehalten wieder nach Hause zu führen. Und zur Not stand auch immer die führsorgliche elterliche Drohung im Raum, dass die die Abendmutter die Kinder holen werde, wenn sie nicht rechtzeitig nach Hause kämen.

„Bei uns an der Mosel war es der Kroppemann“, sagt Meisberger. So gibt es im Bezug auf solche Figuren Parallelen zwischen seiner alten und neuen Heimat. „Der Kroppemann zog die Kinder, wenn sie der Mosel zu nahe kamen, mit einem Haken hinein und verschlang sie.“ Vor dem PC-Zeitalter waren die Kinder tagsüber unterwegs. „Wir waren ja überall zu Hause“, so Meisberger, „auf der Straße, im Wald, im Bruch und die Geister hausten stets dort, wo es gefährlich war.“ Und damit die Kinder dies auch wussten, erzählten es die Alten: Großeltern, Nachbarn, Onkel und Tanten, denn die Kinder spitzten bei derartigen Geschichten natürlich mit stets die Ohren.

Im Heinsberger Land streifte zum Abend hin noch bis vor wenigen Jahrzehnten die Abendmutter umher und sammelte die verbliebenen Kinder. Der verdiente Heimatforscher Leo Gillessen wies diesen Brauch für Porselen und Dremmen in seinem Werk „Der Alten Väter Bräuche“ auch nach. „Als Junge verkleidet“, verrät Meisberger aus dem Roman, kam die Abendmutter als Tochter eines Handlungsreisenden um das Jahr 1000 aus dem Jülicher Raum in das Heinsberger Land, um hier große Holzungen zu erstehen. Währenddessen traf sie auf eine Wahrsagerin, die sie mit einem Fluch belegte. Nach glücklichen Jahren, die sie als junge Frau mit ihrer Familie auf dem Brüggelchener Bolleberg verbrachte, ermächtigte sich der Fluch allmählich ihres Lebens...

Damit die Kinder ihr nun nicht begegneten, machten sie sich beizeiten auf den Heimweg. Die meisten der heutigen Erwachsenen im Heinsberger Land wissen aus ihrer Kindheit noch von der Abendmutter zu berichten, wirklich gesehen wurde sie jedoch nie. Eine Begegnung mit ihr wird durch das Werk von Alwin Meisberger und seiner Tochter Bettina schon bei den Autorenlesungen an Originalschauplätzen möglich.

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