Vermutlich schuldunfähig: Erst ein Feuer gelegt, dann geflohen

Vermutlich schuldunfähig : Erst ein Feuer gelegt, dann geflohen

Am 15. Mai in diesem Jahr ging es Christian K., 33 Jahre alt, nicht gut. Er war in seiner Wohnung in einem Mietshaus in Erkelenz, als er sich plötzlich bedroht fühlte. So hatte er es vor seinem Prozess schon ausgesagt. Nun muss er sich unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten.

Am Mittwoch wurde das Verfahren am Landgericht Mönchengladbach eröffnet.

Während die Staatsanwältin den Tathergang und die Vorwürfe vorliest, sitzt Christian K. hinter seinem Anwalt. Unmittelbar vor Prozessbeginn hatte er sein Gesicht mit einer roten Mappe gegen die Kamera eines Pressevertreters geschützt.

An diesem Tag im Mai, so heißt es, habe K. im Zustand einer „akuten Psychose“ gehandelt, als er im ersten Stock in seiner Wohnung Papier auf einen Stapel gelegt und mit einem Feuerzeug angezündet hat. Sein Nachbar im ersten Obergeschoss und ein anderer Nachbar im Erdgeschoss waren ebenfalls zu Hause, als K. das Feuer gelegt hatte. Er nahm also, das stellt die Staatsanwältin beim Verlesen der Anklage fest, den Tod der beiden zumindest „billigend in Kauf“.

Die Feuerwehr kam noch rechtzeitig

K. selbst flüchtete vom Tatort – in dem Bewusstsein, dass das Feuer auf die anderen Wohnungen im Haus übergreifen werde, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Tatsächlich fing das ganze erste Stockwerk Feuer, die Flammen schlugen aus dem Fenster, der gesamte Hausflur war stark verraucht. Auch das Gebäude gegenüber war betroffen. Ein Anwohner informierte die Feuerwehr, und die anderen beiden Bewohner konnten aus dem Haus gerettet werden. Beide hätten Augenreizungen erlitten.

Die Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens lassen darauf schließen, dass Christian K. schuldunfähig war, als er das Feuer in seiner Wohnung gelegt hat, weil er sich bedroht gefühlt hatte. Sein Prozess ist deswegen ein Sicherungsverfahren – das bedeutet, dass K. am Ende des Verfahrens nicht ins Gefängnis gehen, sondern in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht werden soll.

Im Augenblick befindet K. sich schon in solch einer Klinik in der Nähe von Mönchengladbach. Auf die Nachfrage des Richters, wie es ihm gehe, antwortet er leise und zurückhaltend, und zwar mit „ganz gut“. Und außerdem: „Ich fühle mich wohl dort.“

Insgesamt geht es im Prozess nicht nur um den versuchten Mord, dazu kommen noch in Tateinheit versuchte Brandstiftung mit Todesfolge, schwere Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung. Fünf Termine sind angesetzt, beim nächsten Verhandlungstag in einer guten Woche sollen Zeugen gehört werden.

Auch diejenigen, die Christian K. gerade in der Klinik betreuen, sollen vor Gericht aussagen, sein Verteidiger reichte einen entsprechenden Antrag ein. Und er kündigte bei der Prozesseröffnung an, dass auch K. dann Angaben machen möchte.