Erst Abi, dann zum Friedensdienst nach Jordanien

Seltene Mission : Erst Abi, dann zum Friedensdienst nach Jordanien

Nicht mehr lange, dann ist es endlich geschafft. Viele Jungen und Mädchen fiebern jetzt schon dem bestandenen Abitur entgegen, um bis zum Start in eine Ausbildung oder den Beginn des Studiums zwischen Badesee und Ballermann noch ein paar ausgelassene Wochen zu verbringen. Moritz Küsters aus Waldfeucht hat jedoch anderes im Sinn. Anfang August wird er für 13 Monate nach Jordanien ziehen, um in dem Wüstenstaat seinen freiwilligen sozialen Friedensdienst zu absolvieren.

Ob seine Eltern ihn mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend ziehen ließen? „Nein“, sagt Moritz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sorge haben meine Eltern nur, weil ich ja quasi ein Jahr lang jetzt auf eigenen Beinen stehen muss, aber nicht wegen der dortigen Gegebenheiten.“ Auch wenn Jordaniens Außenpolitik seit Jahrzehnten zum Westen hin orientiert ist, beklagen Organisationen wie Human Rights Watch immer wieder schwere Missachtungen der Menschenrechte. „Es gibt auch Freunde, die gesagt haben, ist da nicht Krieg, ist das nicht viel zu gefährlich? Andere haben mein Vorhaben als Lebensverschwendung angesehen, aber bei den meisten habe ich eine positive Resonanz erfahren.“

Welche Aufgabe in der Millionenstadt Amman, der Hauptstadt des Landes, auf ihn warten wird, weiß Moritz schon ganz genau. An der Nazarene Evangelicalism School wird er tätig sein. Und zwar als Lehrer. „Der Fokus liegt ganz eindeutig auf dem Deutschunterricht, damit die Kinder später die Möglichkeit haben, die German Jordanian University des Goetheinstituts zu besuchen“, sagt Moritz.

Obwohl 93 Prozent der Jordanier sich zum sunnitischen Islam bekennen und der Islam Staatsreligion ist, glaubt der junge Waldfeuchter nicht, dass ihn das bei seiner täglichen Arbeit in der Schule vor Probleme stellen wird. „Es besuchen evangelische und katholische Schüler genau so den Unterricht wie Muslime. Das ist nicht durch eine Religionszugehörigkeit beschränkt“, weiß Moritz. „Nach dem Abitur hat man eine gute Gelegenheit, so etwas zu machen“, meint er. Für sich selbst begreift er seine Zeit in Jordanien daher als Lebensschule, bei der man eine andere Kultur kennen lernen und Brücken bauen könne.

Gelegenheit dazu wird sich sicher genügend bieten, denn die Nazarene Evangelicalism School befindet sich in dem ärmlichen Stadtviertel Ashrafiye von Amman. „Vornehmlich besuchen Kinder und Jugendliche aus unteren Schichten sowie Geflüchtete aus Ländern wie Irak und Syrien die Schule“, erzählt Moritz.

„Meine Aufgabe wird darin bestehen, sozial benachteiligten Kindern durch Bildung eine gute Perspektive für die Zukunft zu gewährleisten. Darüber hinaus werde ich mich um den Sportunterricht, die Organisation von Festen wie Weihnachten und Ostern und die Gestaltung eigener Projekte kümmern. So sehr ihn sein neues Arbeitsfeld auch reizt, glaubt Moritz dennoch: „Lehrer zu werden ist für mich momentan noch keine Option.“

Nach seiner Zeit in Jordanien möchte er Gechichte und Archäologie in Leipzig studieren, vielleicht auch noch Publizistik.“ Wieso ihn der Weg nach Leipzig führen soll? „Weil es dort noch ein großes Spektrum gibt wie Orientalistik und Arabistik.“ Na dann dürfte die Reise nach Jordanien auf keinen Fall schaden, schließlich ist das Land reich an historischen Sehenswürdigkeiten, die den jungen Waldfeuchter sicher interessieren dürften.

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