Heinsberg-Oberbruch: Erlöserkirche in Oberbruch wird in einem Gottesdienst entwidmet

Heinsberg-Oberbruch : Erlöserkirche in Oberbruch wird in einem Gottesdienst entwidmet

Jetzt ist es sozusagen „amtlich“: das Ende der Erlöserkirche Oberbruch. Zum Abschluss des Entwidmungsgottesdienstes trugen der Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig, der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Heinsberg, Sebastian Walde, und Presbyter die sakralen Gegenstände wie Kreuz, Bibel, Abendmahlskelch und Kerzen aus der Erlöserkirche hinaus.

Die Glocken der Erlöserkirche erklangen ein letztes Mal, und Organist Willi Kann klappte den Deckel der Orgel zu. Rund 40 Gemeindemitglieder, von denen einige noch die Einweihung der Kirche am 27. September 1964 mitgefeiert hatten, nahmen am letzten Gottesdienst in der Erlöserkirche teil.

Pfarrer und Presbyter tragen zum Abschluss des Entwidmungsgottesdienstes die sakralen Gegenstände aus der Erlöserkirche. Foto: Dettmar Fischer

Nun schwang Wehmut mit, als Pfarrer Sebastian Walde versuchte, die richtigen Worte zu finden, um eine Brücke zwischen dem Gestern und Morgen zu schlagen. Der Verlust eines Oberbrucher Wahrzeichens, das in nicht so ferner Zeit zu Bauschutt zerfallen wird, dürfte vielleicht so recht erst ins Bewusstsein rücken, wenn die Baulücke klafft.

Organist Willi Kann spielt die letzten Töne auf der Kirchenorgel. Foto: Dettmar Fischer

Die Lücke, die der Verlust der Erlöserkirche — wie der Verlust eines lieben Menschen — hinterlasse, solle man nicht versuchen, zu schließen, meinte Pfarrer Sebastian Walde. Er bezog sich auf den lutherischen Theologen Dietrich Bonhoefer. Wenn man eine solche Lücke offen halte, sie unausgefüllt lasse, biete sie die Möglichkeit der Erinnerung und halte die Verbindung. Walde hoffte, dass bei aller verständlichen Verbitterung und Trauer einiger Gemeindemitglieder die Erinnerung an all das, was man in der Erlöserkirche erlebt habe, den Verlust des Kirchengebäudes überdauern werde.

Unter den Besuchern des Entwidmungsgottesdienstes war auch ein Paar, das diese Worte sicherlich beherzigen wird. Die beiden hatten sich einst in der Erlöserkirche kennen- und lieben gelernt. Pfarrer Sebastian Walde verwies darauf, dass sich der Entscheidungsprozess, die Erlöserkirche zu schließen, über zehn Jahre hingezogen habe. Das Presbyterium habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, doch sie sei am Ende überfällig gewesen. Man habe nicht weiter jedes Jahr Unmengen von Heizöl in den Himmel schicken können, um dann trotzdem mit kalten Füßen in der Kirche zu sitzen.

Als die Erlöserkirche 1964 mit großem Tamtam in Dienst genommen worden sei, so Walde, sei dies sicherlich auch ein Ausdruck des gewonnenen Selbstbewusstseins evangelischer Christen in der Diaspora gewesen. Eine Wende habe sich abgezeichnet, als der „Glanz von Glanzstoff“ verblasste. Eine Gebäudestrukturanalyse habe dann das unvermeidliche Ende der Erlöserkirche besiegelt.

Konzentration in Heinsberg

Auch Superintendent Jens Sannig erklärte, dass er die Entscheidung der Kirchengemeinde richtig findet. Nach dem Aus- und Umbau der Christuskirche in Heinsberg sei die Konzentration an einem Standort richtig. Auch wenn aus finanzieller Sicht eine Restaurierung der Erlöserkirche nicht infrage gekommen sei, könne er, so Sannig, die Trauer einiger Gemeindemitglieder sehr gut nachvollziehen. Er selber habe die Schließung der Kirche in Marienberg miterleben müssen. Zuvor sei schon die evangelische Kirche in Schaufenberg geschlossen worden. Eine weitere Kirchenschließung stehe im Kirchenkreis Jülich aber nicht an, so Jens Sannig.

Pfarrer Walde hofft, dass die mobilen Einrichtungsgegenstände der Erlöserkirche wieder einer gottesdienstlichen Nutzung zugeführt werden können. Für die Glocken gebe es bereits eine interessierte Kirchengemeinde. Derzeit suche die Kirchengemeinde nach einem neuen Standort in Oberbruch für das Jugendzentrum, so Pfarrer Walde. Danach stehe dann der Verkauf der Erlöserkirche an.