Erkelenz: Unternehmer fordern mehr Planungssicherheit

Integration in Erkelenz : Unternehmer fordern mehr Planungssicherheit

Zur Integration der Flüchtlinge vor Ort gehört auch das Thema Arbeit. Da sind sich Institutionen, Integrationshelfer und Arbeitgeber einig. Doch mangelnde Sprachkenntnisse und bürokratische Hürden sowie fehlende Papiere erschweren oftmals den Einstieg ins Berufsleben.

In Erkelenz wurde nun ein Netzwerk zur Integration durch Arbeit ins Leben gerufen. Zum ersten Treffen hatte die Integrationskoordinatorin Samira Meurer Akteure aller Seiten ins Alte Rathaus eingeladen.

Dort prallten die Meinungen aufeinander. Auf der einen Seite Unternehmer wie der Elektrikermeister Karsten Groob oder der Hotelier Wolfgang Wahl, auf der anderen Vertreter der involvierten Behörden und Hilfsinstitutionen. Wahl beschäftigt in seinem Hotel seit vier Jahren auch Flüchtlinge, Groob sucht wie viele andere Unternehmen in Handwerk und in der Fertigung händeringend Arbeitskräfte.

An diesem Punkt kommt jedoch die Bürokratie ins Spiel. Denn nicht jeder geduldete Flüchtling oder anerkannte Asylbewerber kann eine Ausbildung beginnen oder eine Beschäftigung aufnehmen. Neben Sprachproblemen und oftmals fehlenden Papieren besteht auch die Gefahr, dass die potenziellen Arbeitnehmer in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

Der Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse sei eine Voraussetzung für die Aufnahme einer Ausbildung, bestätigten Integrationshelfer wie Martina Hackenholt. Hier müssten mehr Angebote geschaffen werden. „Die Leute wollen die Sprache lernen, um arbeiten zu können“, betonte sie.

Michael Kutz vom Kinderschutzbund, der die Diskussionsrunde moderierte, wies darauf hin, dass „zu viele parallele Systeme“ am Werk seien, die jedes für sich das Optimum erzielen wollten. Daher stünden sie sich oftmals gegenseitig im Weg.

Die Sprache sei der Schlüssel für Ausbildungen, erklärte Willi Weitz vom Autohaus Bonsels und Weitz. Er berichtete von Problemen bei der geplanten Anstellung eines Flüchtlings. Für die Arbeitgeber sei Sicherheit für eine bessere Planbarkeit der Arbeit die oberste Priorität, erklärte Groob. Es sei sinnlos, jemanden anzustellen, der jederzeit abgeschoben werden könnte und wieder ein zu besetzendes Loch in der Personaldecke hinterlasse. Darüber hinaus seien nicht nur Ausbildungsstellen zu vergeben, sondern auch angelernte oder Handlangertätigkeiten. Bei diesen seien die nachzuweisenden Sprachkenntnisse nicht so entscheidend. Hier sei der Gesetzgeber das Problem, an dem Integrationsbemühungen scheiterten.

Dies bestätigte auch Markus Gillrath, Geschäftsführer vom Ziegel- und Klinkerwerk Gillrath. Auch er würde lieber heute als morgen ungeachtet möglicher Sprachschwierigkeiten Flüchtlinge einstellen. Andrea Ludwigs-Spalink engagiert sich in Kückhoven in der Flüchtlingsarbeit. Sie hob hervor, dass die arbeitswilligen Flüchtlinge ein persönliches Coaching bräuchten, um zügig und erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Den Unternehmern bescheinigte sie, bei dem Thema weiter und offener zu sein als die Politik.

Meurer versprach Hilfe und Erleichterung im Umgang mit dem Thema. Darüber hinaus sei für das kommende Jahr die Einführung einer sogenannten Beschäftigungsduldung geplant, die gerade vorbereitet wird. Sie soll sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Arbeitgeber mehr Sicherheit und Planbarkeit schaffen. Das esrte Netzwerktreffen habe erreicht, dass alle Seiten die Positionen und Probleme der anderen kennengelernt hätten, resümierte Meurer. Die Netzwerktreffen sollen in regelmäßigen Abständen stattfinden.

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