Erkelenz: Pfarrei verkauft Kirchen an RWE

Tagebau Garzweiler : Pfarrei verkauft Kirchen an RWE

Es kommt Bewegung in die Umsiedlung am Tagebau Garzweiler. RWE hat die Grundstücke der Kirchen auf dem Erkelenzer Gebiet gekauft. Wie viel Geld dafür fließt, bleibt offen. Umsiedlungsgegner sind davon enttäuscht.

In die laufende Umsiedlung am Tagebau Garzweiler kommt neue Bewegung. Die Pfarrei Christkönig Erkelenz und RWE haben sich über den Verkauf aller kirchlichen Gebäude und Grundstücke in Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath geeinigt. Wie viel Geld RWE der Kirchengemeinde als Entschädigung zahlt, wollte die Pfarrei auf Nachfrage am Montag nicht mitteilen. „Die entsprechende Vereinbarung wurde vom Bischöflichen Generalvikariat Aachen kirchenaufsichtlich genehmigt und ist damit rechtskräftig“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Pfarrei Christkönig und von RWE.

Betroffen sind die Kirchen in Keyenberg und Kuckum, die Kapelle in Berverath, die Pfarrhäuser und Pfarrheime in Keyenberg und Kuckum, die ehemalige Kaplanei von Keyenberg und die Grundstücke, auf denen Wegekreuze und Fußfälle stehen. Am neuen Ort im Erkelenzer Norden soll das Geld, das RWE als Entschädigung zahlt, für den Bau einer neuen Kirche eingesetzt werden.

Dort soll es auch einen „Ort der Erinnerung“ geben, an dem Kircheninventar und Kultgegenstände aus den fünf Orten gezeigt werden. Die Pfarrei nutze das Geld auch, um eine barrierefreie Wohnanlage in Erkelenz-Nord zu bauen. Das Gebäude mit zehn Wohneinheiten befinde sich bereits im Bau, sagt Günther Hamacher, Beauftragter für Bau- und Liegenschaften der Pfarrei Christkönig. Bis Jahresende solle auch der Bauantrag für das neue Kirchengebäude gestellt werden, sodass Hamacher mit einem Baubeginn im Frühjahr oder Sommer des kommenden Jahres rechnet.

Prägend für den Ort und identitätsstiftend für viele Menschen. Die Kirche in Keyenberg muss dem Tagebau Garzweiler weichen. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Gottesdienste könnten jedoch weiterhin in den alten Kirchen stattfinden. Hamacher sagte, dass es sicher auch einen Shuttle-Service geben werde, mit dem Gläubige, die bereits am neuen Ort leben, zu Gottesdiensten in den alten Kirchen fahren können. In Erkelenz-Nord könne bald auch das neue Festzelt am Keyenberger Markt für Gottesdienste und Andachten genutzt werden. Wann die Kirchengebäude in Keyenberg und Kuckum entwidmet werden, stehe noch nicht fest, sagt Hamacher.

Pfarrer Werner Rombach, Vorsitzender des Kirchenvorstandes und Leiter der Verhandlungskommission, betont die Chance, die in dem Neuanfang steckt: „Mit diesem Vertrag kann unser Gemeindeleben vor Ort zukunftsorientiert weitergehen, der Rahmen dafür steht. Der Vertrag ist für uns ein Dokument des Aufbruchs.“

Gegner des Braunkohletagebaus Garzweiler hatten in der Vergangenheit gefordert, dass die Kirche sich weigern solle, ihren Besitz in den vom Tagebau bedrohten Orten zu verkaufen. Das Argument: Die Institution Kirche könne mit ihrem Einfluss und ihren finanziellen Mitteln den Kampf mit RWE besser aufnehmen als einzelne Anwohner, die ihre Heimat nicht verlassen wollen. Diese Option sei durchaus auch diskutiert worden, sagt Günther Hamacher. Am Ende entschloss man sich jedoch, mit der Mehrheit zu gehen. Und die habe sich eben für die Umsiedlung an den neuen Standort entschieden. „Kirche geht dorthin, wo die Menschen sind. Wir bauen vor Ort neu für die Schwestern und Brüder, die aus Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath an den gemeinsamen Standort umsiedeln müssen“, so Rombach.

Die Mitglieder des Bündnisses „Alle Dörfer bleiben“, das für den Erhalt der Orte am Tagebaurand kämpft, hätten sich von der Kirche hingegen mehr Rückendeckung erwartet. David Dresen von „Alle Dörfer bleiben“ findet, dass die Kirche einerseits am neuen Ort bauen könnte, anderseits aber auch den Kampf der Umsiedlungsgegner unterstützen sollte. „Wir fühlen uns im Stich gelassen von der Institution, die uns eigentlich den Rücken stärken sollte“, sagt Dresen. Die Pfarrei habe nie für den Erhalt ihrer Kirchen gekämpft, stattdessen habe sie „von oben herab“ über den Verkauf entschieden, ohne die betroffenen Menschen zu fragen, ob sie damit einverstanden sind, sagt Dresen. Die Pfarrei betont hingegen, dass sich die gewählten Vertreter in Kapellenvorstand und Kirchenvorstand mit den Ortsausschüssen über die Zukunft der Kirche am neuen Ort ausgetauscht hätten.

Bereits im Januar hatte das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ bei einer Mahnwache in Erkelenz die katholische Kirche dazu aufgefordert, sich für den Erhalt der Kirchengebäude und der Orte einzusetzen. Eine Unterschriftenliste der Kampagne „Kirchen im Dorf lassen“ wollten jedoch nach Angaben von Dresen weder der Aachener Bischof Helmut Dieser noch der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, persönlich entgegennehmen. Ziel für die Zukunft sei, die Unterschriften an Papst Franziskus zu übergeben. Der habe schließlich in der seiner zweiten Enzyklika Laudato si’ den Klima- und Umweltschutz in den Mittelpunkt gestellt.