Erkelenz, Heinsberg, Waldfeucht: Neue Begräbnisleiter ausgebildet

Begräbnisleiter : Mit Menschen den letzten Weg gehen

„Das ist Seelsorge.“ Irmgard Zielenbach sagt das bewusst sehr betont. Die Gemeindereferentin an Christkönig in Erkelenz will damit unterstreichen, wie wichtig die Aufgabe ist, mit der jetzt sechs Frauen und drei Männer in ihrer Pfarrgemeinde betraut worden sind: Sie wurden zu Begräbnisleitern im Dienst der Erkelenzer Großpfarre Christköng und in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heinsberg-Waldfeucht beauftragt.

„Die Angehörigen im Trauerfall begleiten, mit ihnen sprechen, ihnen Zeit schenken, sich um ihre Seele sorgen – das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Aufgabe unserer Begräbnisleiter“, sagt sie.

Maria Meurer ist eine der Frauen, die in einer festlichen Eucharistiefeier in St. Lambertus Erkelenz jetzt mit dieser Aufgabe betraut wurde. „Wir sind in einem intensiven Kurs seit Sommer vergangenen Jahres auf unsere Aufgabe vorbereitet worden“, sagt Maria Meurer. Das seien nicht nur „Trockenübungen“ gewesen, man sei in dieser Vorbereitungszeit auch „zu richtigen Gesprächen mitgegangen“.

Nachdem man sich kennengelernt hatte und die Erwartungen, die Gefühle und die Motivation der Teilnehmer angesprochen worden waren, wurden in den abendlichen Treffen Themen wie „Realität von Sterben, Tod und Trauer heute“ angesprochen und diskutiert; man beschäftigte sich mit dem Trauerverlauf und den einzelnen Phasen der Trauer beim Verlust eines lieben Menschen; der Kondolenzbesuch wurde ebenso diskutiert wie der Aufbau und die gestaltenden Elemente der Liturgie eingeübt; es gab praktische Übungen zur Vorbereitung und Durchführung von Begräbnisgottesdiensten; Ansprachen wurden vorbereitet und dann auch gehalten, und man machte sich mit der Arbeit eines Bestattungsunternehmers vertraut, besuchte das Hospiz ebenso wie den Trostraum der Grabeskirche St. Josef in Rheydt. „Das war eine intensive Zeit, die für jeden einzelnen von uns eine Herausforderung, aber auch eine Bereicherung war“, sagt Heinz-Gerd Schröders, der in der GdG Heinsberg-Waldfeucht demnächst den würdigen Rahmen für Begräbnisse gestalten wird.

Begräbnisleiter sind keine Priester, sie sind ehrenamtliche Laien. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Buße, Weihe und Krankensalbung. Die Beerdigung zählt nicht dazu und kann daher von ausgebildeten Ehrenamtlern durchgeführt werden. „Durch die Personalnot bei den Priestern ist die Kirche für die Durchführung von Wortgottesdiensten oder eben auch für die Durchführung von Beerdigungen immer mehr auf geschulte ehrenamtliche Laien angewiesen“, sagt Gemeindereferentin Irmgard Zielenbach, die sich selbst als hauptamtliche Laiin bezeichnet.

Sie ist seit vielen Jahren auch als Begleiterin im Todesfall aktiv, sie kann also auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. „Wenn man die Familien besucht, die mit einem Trauerfall fertig werden müssen, bekommt man im Laufe der Jahre die ganze Palette menschlicher Verhaltensmuster zu Gesicht“, sagt sie. So unterschiedlich die Ausdrucksweisen auch sein mögen, man müsse „die Gefühle der Menschen immer ernst nehmen, sich einfühlen, einlassen auf den Anderen, die richtigen Worte und den treffenden Ton dafür finden“, sagt sie. Und: „Ja, man wird so barmherziger mit den Menschen.“

Heinz-Gerd Schröders weist darauf hin, „dass die, die sich hier jetzt in den Dienst stellen, schon ein ganzes Stück Lebenserfahrung mitbringen“. Dennoch sei man bei jedem Kondolenzbesuch gespannt auf das, was einen erwartet: „Finde ich die richtigen Worte? Kann ich mich in der richtigen Form in die Menschen, in die Familie einfühlen? Komme ich bei ihnen an? – das sind immer wieder Fragen, die jedes Mal anders beantwortet werden.“ Man müsse, so drückt es Maria Meurer aus, „ein Gespür für die Menschen bekommen“. Seel-Sorge eben.

Wie das geht, das kann man nirgendwo nachlesen, dies muss jeder, der sich darauf einlässt, selbst erfahren. Was allen dabei hilft, das betont Irmgard Zielenbach, sei der Glaube: „Ich mach' das nicht allein, ich mach' das mit Gott zusammen. Wir sind ein Team.“

Maria Meurer, Heinz-Gerd Schröders und die sieben anderen Begräbnisleiter, die jetzt in St. Lambertus in Erkelenz beauftragt wurden, werden demnächst also in ihrer schwarzen Albe mit der weißen Applikation beim Beerdigungsdienst den letzten Weg mit den Menschen gehen. Irmgard Zielenbach umschreibt sehr schön, in welchem Geist sie das tun werden: „Wir begleiten den Menschen auf dem Weg zu Gott in das Licht der Herrlichkeit. In Würde als Kinder Gottes.“

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